Geldfälschung und Inumlaufsetzen stehen in echter Konkurrenz zum Betrug; besonders leichter Fall bei acht Noten (Art. 240, 242, 146 StGB)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 133 IV 256 · ATF 133 IV 256 · DTF 133 IV 256
- Datum
- 15.08.2007
- Geschäftsnummer
- BGE 133 IV 256
- Abteilung
- CH_BGE_006
- Ausgang
- Rückweisung
Tragende Normen
Zusammenfassung
Die Schweizerische Bundesanwaltschaft erhebt Nichtigkeitsbeschwerde gegen ein Urteil des Bundesstrafgerichts, welches A. wegen Herstellung von acht gefälschten Zweihunderternoten und deren Verwendung in Restaurants sowie Diskotheken verurteilt hatte. Das Bundesstrafgericht hatte das Inumlaufsetzen als mitbestrafte Nachtat der Fälschung betrachtet und für zwei Fälle mangels zusätzlicher arglistiger Machenschaften vom Betrug freigesprochen. Streitig sind die rechtliche Qualifikation der Taten, insbesondere das Konkurrenzverhältnis zwischen Geldfälschung, Inumlaufsetzen und Betrug sowie die Voraussetzungen eines besonders leichten Falles und einer natürlichen Handlungseinheit.
Das Bundesgericht heisst die Nichtigkeitsbeschwerde teilweise gut, bestätigt die Annahme eines besonders leichten Falles der Geldfälschung gemäss Art. 240 Abs. 2 StGB, ändert jedoch die Rechtsprechung zur echten Konkurrenz zwischen Inumlaufsetzen falschen Geldes und Betrug und weist die Sache zur Neubeurteilung zurück.
Hinsichtlich der Geldfälschung bestätigt das Gericht die Vorinstanz, da die Herstellung von lediglich acht Zweihunderternoten im Gesamtwert von Fr. 1'600.- mit einfachen Mitteln wie Scanner und Drucker keine kriminelle Energie aufweist, die den Grundtatbestand des Art. 240 Abs. 1 StGB rechtfertigen würde. Der privilegierte Tatbestand des Art. 240 Abs. 2 StGB ist somit anwendbar.
Zur Konkurrenzfrage präzisiert das Bundesgericht seine Rechtsprechung: Zwischen der Geldfälschung (Art. 240 StGB) und dem Inumlaufsetzen (Art. 242 StGB) besteht echte Konkurrenz, da das Absetzen eine konkrete Gefährdung des Geldverkehrs darstellt, die über die abstrakte Gefährdung durch die reine Fälschung hinausgeht. Ebenso steht das Inumlaufsetzen falschen Geldes (Art. 242 StGB) in echter Konkurrenz zum Betrug (Art. 146 StGB), da beide Normen unterschiedliche Rechtsgüter schützen. Wer Falschgeld zur Zahlung verwendet, täuscht den Empfänger regelmässig arglistig über die Echtheit des Zahlungsmittels; zusätzliche machenschaftliche Vorkehren sind für die Arglist nicht erforderlich. Die Freisprüche in den Fällen der Restaurants Sternen und Mc Donald's waren daher rechtsfehlerhaft.
Bezüglich der Tateinheit lehnt das Bundesgericht eine natürliche Handlungseinheit für die verschiedenen Absatzhandlungen ab. Da diese an unterschiedlichen Orten und Tagen stattfanden, handelt es sich um eine Deliktsserie, die nicht zu einer einzigen Tat zusammengefasst werden darf. Die Gliederung in drei Tatblöcke durch die Vorinstanz wird bestätigt.
Das Urteil wird aufgehoben, soweit Art. 242 StGB nicht angewendet wurde und die Freisprüche vom Betrug erfolgten, und zur neuen Beurteilung zurückgewiesen. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen.
Regeste
Geldfälschung (Art. 240 StGB); Inumlaufsetzen falschen Geldes (Art. 242 StGB); Betrug (Art. 146 StGB). Ein besonders leichter Fall der Geldfälschung i.S. von Art. 240 Abs. 2 StGB bejaht bei Herstellung von acht Zweihunderternoten (E. 3). Zwischen der Geldfälschung (Art. 240 StGB) und dem Inumlaufsetzen falschen Geldes (Art. 242 StGB) besteht echte Konkurrenz (Präzisierung der Rechtsprechung; E. 4.2). Zwischen dem Inumlaufsetzen falschen Geldes (Art. 242 StGB) und dem Betrug besteht ebenfalls echte Konkurrenz (Änderung der Rechtsprechung; E. 4.3). Wer Falschgeld in Umlauf bringt (Art. 242 StGB), begeht in aller Regel zugleich einen Betrug. Über die Verwendung zur Zahlung hinausgehende arglistige Machenschaften sind nicht erforderlich (E. 4.4). Voraussetzungen der Annahme einer natürlichen Handlungseinheit bei Herstellung und In Umlaufsetzen von Falschgeld (E. 4.5). Regeste Fabrication de fausse monnaie (art. 240 CP); mise en circulation de fausse monnaie (art. 242 CP); escroquerie (art. 146 CP). Cas de très peu de gravité de fabrication de fausse monnaie au sens de l'art. 240 al. 2 CP admis pour la fabrication de huit coupures de 200 francs (consid. 3). Il y a concours réel entre la fabrication de fausse monnaie (art. 240 CP) et la mise en circulation de fausse monnaie - art. 242 CP - (précision de la jurisprudence; consid. 4.2). Il y a également un concours réel entre la mise en circulation de fausse monnaie (art. 242 CP) et l'escroquerie (changement de jurisprudence; consid. 4.3). Celui qui met de la fausse monnaie en circulation (art. 242 CP) commet en règle générale du même coup une escroquerie. Des machinations astucieuses allant au-delà de la remise de la fausse monnaie ne sont pas nécessaires (consid. 4.4). Conditions permettant de retenir une unité naturelle d'action en cas de fabrication et de mise en circulation de fausse monnaie (consid. 4.5). Regesto Contraffazione di monete (art. 240 CP); messa in circolazione di monete false (art. 242 CP); truffa (art. 146 CP). La fabbricazione di otto banconote da duecento franchi costituisce un caso di esigua gravità di contraffazione di monete ai sensi dell'art. 240 cpv. 2 CP (consid. 3). Sussiste concorso perfetto tra la contraffazione di monete (art. 240 CP) e la messa in circolazione di monete false (art. 242 CP) (precisazione della giurisprudenza; consid. 4.2). Anche tra i reati di messa in circolazione di monete false (art. 242 CP) e di truffa (art. 146 CP) vi è concorso perfetto (cambiamento della giurisprudenza; consid. 4.3). Di regola, chi mette in circolazione monete false (art. 242 CP) commette al contempo una truffa. Non sono necessari maneggi astuti che eccedano la consegna di monete false (consid. 4.4). Presupposti per l'ammissione di un'unità naturale d'azione in presenza di fabbricazione e di messa in circolazione di monete false (consid. 4.5).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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