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Justizze. Art. 738 ZGB

Bundesgericht

Hochspannungsleitung für Fernmeldedienste genutzt: Dienstbarkeit deckt Datentransport nicht ab, actio negatoria erfolgreich (Art. 641 Abs. 2, Art. 738 ZGB)

BGE / ATF / DTF
BGE 132 III 651 · ATF 132 III 651 · DTF 132 III 651
Datum
25.08.2006
Geschäftsnummer
BGE 132 III 651
Abteilung
CH_BGE_005
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 3 FMG Art. 35 FMG Art. 36 FMG Art. 8 ZGB Art. 641 ZGB Art. 676 ZGB Art. 738 ZGB Art. 781 ZGB

Zusammenfassung

Eigentümer von Grundstücken in Baar wehren sich gegen die Nutzung einer Hochspannungsleitung für Fernmeldedienste durch Dritte. Die Leitung wurde ursprünglich nur für die Übertragung elektrischer Energie bewilligt. Nun soll über ein Glasfaserkabel am Erdseil Telekommunikationsdaten transportiert werden. Die Eigentümer verlangen die Unterlassung dieses Datentransports sowie die Rückgängigmachung einer Spannungserhöhung. Die Beklagten berufen sich auf technische Unschädlichkeit und fernmeldegesetzliche Befugnisse.

Das Bundesgericht weist die Berufungen der Elektrizitätswerke und des Telekommunikationsanbieters ab und bestätigt das Verbot des Datentransports über die privaten Grundstücke.

Gemäss Art. 641 Abs. 2 ZGB steht dem Eigentümer das Recht zu, jede ungerechtfertigte Einwirkung abzuwehren, unabhängig davon, ob diese einen Schaden verursacht. Das Spannen eines Glasfaserkabels über fremden Boden stellt einen unmittelbaren Eingriff in das Eigentum dar. Da keine Duldungspflicht besteht, ist dieser Eingriff ungerechtfertigt, sofern er nicht durch die bestehende Dienstbarkeit gedeckt ist.

Die Auslegung der Personalservitut richtet sich primär nach dem Dienstbarkeitsvertrag vom Oktober 1986/Dezember 1988. Dieser räumt explizit nur das Recht zum Betrieb einer Leitung für die Übertragung elektrischer Energie ein. Gemäss dem Grundsatz der Identität der Dienstbarkeit (Art. 738 ZGB i.V.m. Art. 781 ZGB) darf die Servitut nicht auf einen anderen Zweck ausgeweitet werden. Der Transport von Fernmeldedaten für Dritte ist ein aliud gegenüber dem Stromtransport und fällt nicht unter den vereinbarten Zweck, selbst wenn keine zusätzliche physische Belastung entsteht.

Auch das Fernmeldegesetz gewährt keine automatische Legalservitut auf Privatgrundstücken. Art. 35 und Art. 36 FMG beschränken sich auf Gemeingebrauchsboden oder verpflichten lediglich zur Mitbenutzung gegen Entgelt, begründen aber kein Durchleitungsrecht auf Privateigentum. Für Fernmeldeanlagen auf Privatgrund muss die Konzessionärin die Rechte vertraglich erwerben oder das Enteignungsrecht gemäss Art. 36 Abs. 1 FMG geltend machen. Ein pauschales öffentliches Interesse rechtfertigt keinen Eingriff ohne individuelle Rechtsgrundlage.

Ein Beweisantrag der Beklagten zur Unschädlichkeit des Datentransports wurde mangels genügender Begründung gemäss Art. 55 Abs. 1 lit. c OG nicht entgegengenommen.

Regeste

Art. 641 Abs. 2, Art. 738 i.V.m. Art. 781 ZGB, Art. 36 FMG; actio negatoria, Dienstbarkeit für den Bau und Betrieb einer Hochspannungsleitung, Benutzung dieser Leitung für Fernmeldedienste. Das in Art. 641 Abs. 2 ZGB vorgesehene Abwehrrecht besteht auch dann, wenn der Eingriff nicht schädigend ist (E. 7). Auslegung einer Personalservitut für den Bau und Betrieb einer Hochspannungsleitung; der vereinbarte Zweck der Dienstbarkeit deckt den Einsatz der Leitung für Fernmeldedienste nicht (E. 8). Die Konzessionärinnen von Fernmeldediensten müssen die für den Bau und Betrieb ihrer Anlagen nötigen Rechte von den privaten Grundeigentümern vertraglich oder auf dem Enteignungsweg erwerben (E. 9). Regeste Art. 641 al. 2, art. 738 en relation avec l'art. 781 CC, art. 36 LTC; action négatoire, servitude pour la construction et l'exploitation d'une ligne à haute tension, exploitation de cette ligne pour des services de télécommunication. Le droit d'exiger la cessation du trouble selon l'art. 641 al. 2 CC existe aussi lorsque l'atteinte n'est pas dommageable (consid. 7). Interprétation d'une servitude personnelle pour la construction et l'exploitation d'une ligne à haute tension; le but convenu de la servitude n'englobe pas l'exploitation de la ligne pour des services de télécommunication (consid. 8). Les concessionnaires de tels services doivent acquérir les droits nécessaires pour la construction et l'exploitation de leurs installations des propriétaires des biens-fonds privés par la voie contractuelle ou par celle de l'expropriation (consid. 9). Regesto Art. 641 cpv. 2, art. 738 in relazione con l'art. 781 CC, art. 36 LTC; azione negatoria, servitù per la costruzione e l'esercizio di una linea ad alta tensione, utilizzazione di questa linea per servizi di telecomunicazione. Il diritto di difesa previsto nell'art. 641 cpv. 2 CC esiste anche quando l'ingerenza non causa un danno (consid. 7). Interpretazione di una servitù personale per la costruzione e l'esercizio di una linea ad alta tensione; lo scopo convenuto della servitù non copre anche l'uso della linea per servizi di telecomunicazione (consid. 8). Le concessionarie di servizi di telecomunicazione devono acquisire i diritti necessari per la costruzione e l'esercizio dei loro impianti dai proprietari fondiari privati mediante contratto o espropriazione (consid. 9).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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