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Justizze. Art. 11 USG

Bundesgericht

Beschwerde gegen Baubewilligung für adaptive Mobilfunkantennen mit Korrekturfaktor und 6-Minuten-Mittelung: Regelung zur Sendeleistung ist stufengerecht und mit dem Vorsorgeprinzip vereinbar (Art. 11 Abs. 2 USG)

BGE / ATF / DTF
BGE 151 II 593 · ATF 151 II 593 · DTF 151 II 593
Datum
01.01.2025
Geschäftsnummer
BGE 151 II 593
Abteilung
CH_BGE_004
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 3 NISV Art. 12 NISV Art. 13 NISV Art. 14 NISV Art. 14 ORNI Art. 11 USG

Zusammenfassung

Ein Beschwerdeführer erhob Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gegen ein kantonales Verwaltungsgerichtsurteil, das eine Beschwerde gegen eine Baubewilligung der Swisscom (Schweiz) AG für adaptive Mobilfunkantennen abgewiesen hatte. Die Baubewilligung sah vor, adaptive Antennen im Frequenzbereich 3'600 MHz mit 16 Sub-Arrays unter Anwendung eines Korrekturfaktors von mindestens 0,20 zu betreiben, wobei die korrigierte Sendeleistung über 6 Minuten gemittelt eingehalten werden muss. Streitig war insbesondere die Rechtmässigkeit dieser Regelung in Ziffer 63 Anhang 1 der Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV) sowie die Tauglichkeit des bestehenden Qualitätssicherungssystems zur Kontrolle des bewilligungskonformen Betriebs solcher Antennen.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab. Es stellte fest, dass die Regelung des Korrekturfaktors in Ziffer 63 Anhang 1 NISV stufengerecht ist, weil sie eine Berechnungsmethode betrifft, für deren Festlegung der Bundesrat gemäss Art. 38 Abs. 3 USG zuständig ist. Die Bestimmung beruht auf einer sachgerechten Differenzierung zwischen konventionellen und adaptiven Antennen, da letztere durch Beamforming ihre Sendeleistung gezielt auf Nutzer fokussieren und somit im Durchschnitt eine geringere Strahlenbelastung in ihrer Umgebung verursachen. Der Korrekturfaktor kompensiert daher nicht eine Privilegierung, sondern verhindert eine ungerechtfertigte Benachteiligung gegenüber konventionellen Antennen, die bisher nach dem Worst-Case-Szenario beurteilt wurden. Die wissenschaftliche Grundlage – statistische Studien zum 95. Perzentil der realistischen Maximalleistungen über 6 Minuten – ist nachvollziehbar und rechtfertigt die festgelegten Korrekturfaktoren. Die Mittelung der Sendeleistung über 6 Minuten ist im Umweltrecht allgemein anerkannt und entspricht dem Vorgehen bei den Immissionsgrenzwerten; sie führt nicht zu einer Senkung des Schutzniveaus, da die Sicherheitsmarge auch bei kurzzeitigen Spitzenwerten gewahrt bleibt – bei einem Korrekturfaktor von 0,1 kann die elektrische Feldstärke nur um den Faktor 3,2 übertroffen werden, während im Mittel die volle Marge besteht. Das bestehende Qualitätssicherungssystem ist tauglich, weil es durch die Erfassung zusätzlicher Parameter wie Status der adaptiven Betriebsweise, Korrekturfaktor, Betriebsmodus, Aktivierung der automatischen Leistungsbegrenzung und Mittelungsintervall ergänzt wurde. Die automatische Leistungsbegrenzung gewährleistet eine dauernde Überwachung, da sie die Sendeleistung softwaregesteuert kontinuierlich misst und bei Überschreitung drosselt. Die vom Beschwerdeführer behauptete Notwendigkeit einer Echtzeitüberwachung ist unbegründet, ebenso wie seine Einwände gegen das umhüllende Antennendiagramm, das sämtliche physikalisch möglichen Senderichtungen abdeckt und im QS-System kontrolliert wird. Die Validierung durch das BAKOM und externe Prüfstellen bestätigt die Tauglichkeit des Systems. Damit ist die Regelung in Ziffer 63 Anhang 1 NISV mit Art. 11 Abs. 2 USG vereinbar und das QS-System gemäss Art. 12 Abs. 1 und 2 sowie Art. 14 Abs. 2 NISV zur Kontrolle des bewilligungskonformen Betriebs geeignet.

Regeste

Art. 11 Abs. 2 USG; Art. 12 Abs. 1 und 2, Art. 14 Abs. 2 NISV; Ziff. 63 Anhang 1 NISV; adaptive Mobilfunkantennen; Anwendung eines Korrekturfaktors auf die maximale Sendeleistung und Mittelung der massgeblichen Sendeleistung; Tauglichkeit des Qualitätssicherungssystems. Prüfung der Gesetzmässigkeit von Ziff. 63 Anhang 1 NISV. Es ist mit dem umweltrechtlichen Vorsorgeprinzip vereinbar, dass bei adaptiven Mobilfunkantennen mit einer automatischen Leistungsbegrenzung auf die maximale Sendeleistung ein Korrekturfaktor angewendet werden darf und die korrigierte, für die Berechnung des Anlagegrenzwertes massgebliche Sendeleistung nicht durchgehend, sondern über 6 Minuten gemittelt eingehalten werden muss. Damit wird der besonderen Sendecharakteristik adaptiver Mobilfunkantennen Rechnung getragen (E. 3-6). Zur Möglichkeit der Überprüfung des bewilligungskonformen Betriebs adaptiver Mobilfunkantennen, die unter Berücksichtigung eines Korrekturfaktors eingesetzt werden, im Rahmen des bestehenden Qualitätssicherungssystems (E. 7). Regeste Art. 11 al. 2 LPE; art. 12 al. 1 et 2, art. 14 al. 2 ORNI; ch. 63 annexe 1 ORNI; antennes de téléphonie mobile adaptatives; application d'un facteur de correction à la puissance maximale d'émission et calcul de la puissance d'émission moyenne déterminante; aptitude du système d'assurance qualité. Examen de la légalité du ch. 63 de l'annexe 1 ORNI. Il est compatible avec le principe de précaution en matière de protection de l'environnement que, pour les antennes de téléphonie mobile adaptatives équipées d'un dispositif de limitation automatique de la puissance d'émission maximale, un facteur de correction puisse être appliqué et que la puissance d'émission corrigée, déterminante pour le calcul de la valeur limite de l'installation, ne doive pas être respectée en permanence, mais en moyenne sur 6 minutes. Il est ainsi tenu compte des caractéristiques d'émission particulières des antennes de téléphonie mobile adaptatives (consid. 3-6). Possibilité de vérifier, dans le cadre du système d'assurance qualité existant, que les antennes de téléphonie mobile adaptatives utilisées avec un facteur de correction sont exploitées conformément à l'autorisation (consid. 7). Regesto Art. 11 cpv. 2 LPAmb; art. 12 cpv. 1 e 2, art. 14 cpv. 2 ORNI; cifra 63 allegato 1 ORNI; antenne di telefonia mobile adattive; applicazione di un fattore di correzione sulla potenza massima di trasmissione e calcolo della potenza di trasmissione media determinante; idoneità del sistema di garanzia della qualità. Esame della legalità della cifra 63 dell'allegato 1 ORNI. È compatibile con il principio di prevenzione in materia di protezione dell'ambiente che, per le antenne di telefonia mobile adattive dotate di una limitazione automatica della potenza di trasmissione massima, si possa applicare un fattore di correzione e che la potenza di trasmissione corretta, determinante per il calcolo del valore limite dell'impianto, non debba essere rispettata costantemente, ma in media su 6 minuti. In tal modo si tiene conto delle particolari caratteristiche di trasmissione delle antenne di telefonia mobile adattive (consid. 3-6). Possibilità di verificare la conformità alle autorizzazioni dell'esercizio delle antenne di telefonia mobile adattive utilizzate, tenendo conto di un fattore di correzione, nell'ambito del sistema esistente di garanzia della qualità (consid. 7).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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