Umbau einer Stallscheune in ein Ferienhaus in der Landwirtschaftszone: Keine Ausnahmebewilligung nach Art. 24d Abs. 2 und 3 RPG wegen fehlenden materiellen Schutzwerts als Einzelobjekt und mangelnder bestimmungsgemässer Nutzbarkeit (Art. 24d Abs. 2 RPG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 147 II 465 · ATF 147 II 465 · DTF 147 II 465
- Datum
- 11.08.2021
- Geschäftsnummer
- BGE 147 II 465
- Ausgang
- Gutgeheissen
Tragende Normen
Art. 95 BGG Art. 24c RPG Art. 24d RPG Art. 39 RPV Art. 43a RPV Art. 9 ZWG
Zusammenfassung
Das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) hat gegen eine Baubewilligung des Kantons Wallis für den Umbau einer Stallscheune in ein Ferienhaus Beschwerde beim Bundesgericht erhoben. Die kantonalen Behörden hatten die Stallscheune unter Schutz gestellt und die Baubewilligung erteilt, weil sie die Voraussetzungen für eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24d Abs. 2 und 3 RPG erfüllt sahen. Das ARE rügte, dass die Regelung nicht anwendbar sei, weil die Stallscheune weder bestimmungsgemäss nutzbar noch materiell schützenswert als Einzelobjekt sei. Die Vorinstanz hatte die Entscheide der kantonalen Behörden bestätigt.
Das Bundesgericht hebt das Urteil des Kantonsgerichts auf und gutheisst die Beschwerde des Bundesamts für Raumentwicklung. Es stellt fest, dass der Verweis in Art. 9 Abs. 2 ZWG nur auf die Vorschriften über geschützte Bauten (Art. 24d Abs. 2 und 3 RPG) und landschaftsprägende Bauten (Art. 39 Abs. 2–5 RPV) in Verbindung mit Art. 43a RPV beschränkt ist. Für die Anwendung von Art. 24d Abs. 2 RPG ist erforderlich, dass die Baute im Änderungszeitpunkt noch bestimmungsgemäss nutzbar ist; dies setzt voraus, dass die tragenden Konstruktionen mehrheitlich intakt sind. Der Erhaltungszustand der Stallscheune – mit geschwächter Dachkonstruktion, morschen Wandhölzern, beschädigtem Trockenmauerwerk und einer Bodenkonstruktion, die neu gemacht werden muss – lässt es als fraglich erscheinen, dass diese Voraussetzung erfüllt ist; die Baute könnte bereits als Ruine gelten, wodurch Art. 24d Abs. 2 RPG von vornherein nicht anwendbar wäre. Diese Frage bleibt jedoch offen, da die materielle Schutzwürdigkeit als Einzelobjekt verneint wird: Die kantonalen Instanzen stützen ihre Beurteilung vorwiegend auf den Situationswert der Baute im Orts- und Landschaftsbild, insbesondere im Zusammenhang mit dem ISOS-Inventar und dem Naturpark Binntal. Ein nennenswerter Eigenwert als Zeitzeuge oder aufgrund baulicher Qualitäten ist nicht dargetan; die Verwendung örtlichen Baumaterials und die ortsübliche Bauweise sind für die Epoche selbstverständlich, das Alter allein kein Qualitätsmerkmal, und die Bewertung des Eigenwerts als „mässig“ entspricht der früheren Inventarisierung. Da die Stallscheune nicht im Sinne von Art. 24d Abs. 2 RPG schützenswert ist, kann keine Ausnahmebewilligung nach Art. 24d Abs. 2 und 3 RPG erteilt werden. Die übrigen Voraussetzungen von Art. 24d Abs. 3 RPG brauchen daher nicht geprüft zu werden. Die Entscheidung ist bemerkenswert, weil sie klärt, dass der Schutzwert nach Art. 24d Abs. 2 RPG ausschliesslich aus dem Eigenwert als Einzelobjekt resultieren muss und ein Situationswert allein nicht ausreicht.
Regeste
Art. 9 Abs. 2 ZWG; Art. 24d Abs. 2 und 3 RPG; Art. 39 Abs. 2-5 und Art. 43a RPV; Umbau einer in der Landwirtschaftszone gelegenen Stallscheune in ein Ferienhaus. Der Verweis in Art. 9 Abs. 2 ZWG bezieht sich lediglich auf die Vorschriften über geschützte Bauten (Art. 24d Abs. 2 und 3 RPG) und landschaftsprägende Bauten (Art. 39 Abs. 2-5 RPV), jeweils in Verbindung mit Art. 43a RPV (Bestätigung der Rechtsprechung; E. 3.1). Art. 24d Abs. 2 RPG dient der Gewährleistung des aus der Eigentumsgarantie abgeleiteten Besitzstandsschutzes. Er setzt dementsprechend voraus, dass Bauten, deren Zweck geändert werden soll, im Änderungszeitpunkt noch bestimmungsgemäss nutzbar sind. Bauten, die dies nicht sind, fallen nicht in den Anwendungsbereich der Bestimmung (E. 4.2.1 und 4.2.2). Bestimmungsgemässe Nutzbarkeit vorliegend tendenziell verneint, Frage jedoch offengelassen (E. 4.2.3 und 4.2.4). Art. 24d Abs. 2 RPG setzt neben der formellen Unterschutzstellung voraus, dass die Baute als Einzelobjekt materiell schützenswert ist. Die Schutzwürdigkeit kann sich aus Gesichtspunkten des Denkmalschutzes ergeben. Unter gewissen Umständen können auch Aspekte des Landschaftsschutzes eine Baute als schützenswert erscheinen lassen (E. 4.3.1). Das Bundesgericht prüft die materielle Schutzwürdigkeit grundsätzlich frei. Es auferlegt sich jedoch eine gewisse Zurückhaltung, soweit es um spezifische örtliche Besonderheiten geht, welche die kantonalen Behörden besser kennen (E. 4.3.2). Schutzwürdigkeit vorliegend verneint (E. 4.3.3 und 4.3.4). Regeste Art. 9 al. 2 LRS; art. 24d al. 2 et 3 LAT; art. 39 al. 2-5 et art. 43a OAT; transformation d'une étable-grange située en zone agricole en maison de vacances. Le renvoi de l'art. 9 al. 2 LRS se réfère seulement aux règles sur les constructions protégées (art. 24d al. 2 et 3 LAT) et sur les constructions en tant qu'éléments caractéristiques du paysage (art. 39 al. 2-5 OAT), dans les deux cas en relation avec l'art. 43a OAT (confirmation de la jurisprudence; consid. 3.1). L'art. 24d al. 2 LAT sert à garantir la protection des droits acquis découlant de la garantie de la propriété. Il suppose donc que les constructions, dont l'affectation doit être modifiée, sont encore utilisables conformément à leur destination au moment de la modification. Les constructions qui ne le sont pas, ne tombent pas dans le champ d'application de cette disposition (consid. 4.2.1 et 4.2.2). En l'occurrence, tendance à nier l'utilisation conforme à la destination, mais la question est laissée indécise (consid. 4.2.3 et 4.2.4). L'art. 24d al. 2 LAT exige, outre sa mise sous protection au sens formel, que le bâtiment soit, comme objet individuel, matériellement digne d'être protégé. Le caractère digne de protection peut résulter de facteurs liés à la protection des monuments. Dans certaines circonstances, des aspects de la protection du paysage peuvent également faire apparaître une construction comme digne de protection (consid. 4.3.1). Le Tribunal fédéral examine en principe librement la nécessité d'une protection matérielle. Il s'impose toutefois une certaine retenue en ce qui concerne les particularités locales spécifiques que les autorités cantonales connaissent mieux (consid. 4.3.2). Nécessité d'une protection niée en l'espèce (consid. 4.3.3 et 4.3.4). Regesto Art. 9 cpv. 2 LASec; art. 24d cpv. 2 e 3 LPT; art. 39 cpv. 2-5 e art. 43a OPT; trasformazione di una stalla-fienile ubicata nella zona agricola in una casa per le vacanze. Il rinvio dell'art. 9 cpv. 2 LASec si riferisce soltanto alle norme relative agli edifici protetti (art. 24d cpv. 2 e 3 LPT) e agli edifici tipici del paesaggio (art. 39 cpv. 2-5 OPT), nei due casi in relazione con l'art. 43a OPT (conferma della giurisprudenza; consid. 3.1). L'art. 24d cpv. 2 LPT serve a garantire la tutela della situazione acquisita derivante dalla garanzia della proprietà. Esso presuppone quindi che edifici, il cui scopo dev'essere modificato, al momento della trasformazione siano ancora utilizzabili conformemente alla loro destinazione. Edifici che non lo sono, non rientrano nel campo di applicazione della norma (consid. 4.2.1 e 4.2.2). In concreto, tendenza a negare un'utilizzazione conforme alla destinazione, ma la questione è stata lasciata aperta (consid. 4.2.3 e 4.2.4). L'art. 24d cpv. 2 LPT presuppone, oltre all'assoggettamento a misure formali di protezione, che l'edificio, come singolo oggetto, sia materialmente degno d'essere protetto. Il carattere degno di protezione può risultare da elementi inerenti alla protezione dei monumenti. In determinate circostanze, anche aspetti della protezione del paesaggio possono fare apparire un edificio come degno di protezione (consid. 4.3.1). Il Tribunale federale esamina di massima liberamente la necessità di una protezione materiale. Si impone tuttavia un certo riserbo nella misura in cui si tratti di particolarità locali specifiche, meglio conosciute dalle autorità cantonali (consid. 4.3.2). Nella fattispecie, la necessità di una protezione è stata negata (consid. 4.3.3 e 4.3.4).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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