Beschwerdeführer klagt gegen kantonale Corona-Verordnung des Schwyz: Keine abstrakte Normenkontrolle durch kantonales Verwaltungsgericht, Bundesgericht prüft Zuständigkeit und bestätigt Vollzugskompetenz des Regierungsrats (Art. 40 EpG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 147 I 478 · ATF 147 I 478 · DTF 147 I 478
- Datum
- 25.06.2021
- Geschäftsnummer
- 2C_8/2021
- Abteilung
- II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Art. 48 BGG Art. 82 BGG Art. 86 BGG Art. 87 BGG Art. 89 BGG Art. 95 BGG Art. 105 BGG Art. 106 BGG Art. 29a BV Art. 36 BV Art. 51 BV Art. 56 KV Art. 59 KV Art. 47 KV/SZ Art. 49 KV/SZ Art. 50 KV/SZ Art. 59 KV/SZ Art. 51 VRP Art. 51 VRP/SZ Art. 53b WAG
Zusammenfassung
Ein Einwohner des Kantons Schwyz erhob Beschwerde gegen eine kantonale Verordnung vom 14. Oktober 2020 zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie, die Maskenpflicht, Schutzkonzepte und Veranstaltungseinschränkungen vorsah. Das Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz trat nicht auf die Beschwerde ein und verwies sie an das Bundesgericht. Der Beschwerdeführer rügte, die Verordnung greife in Grundrechte ein und bedürfe daher einer gesetzlichen Grundlage, wofür allein der Kantonsrat zuständig sei; der Regierungsrat habe sich unzulässigerweise als Gesetzgeber aufgespielt. Er berief sich auf die kantonale Verfassung, das Wahl- und Abstimmungsgesetz und bundesrechtliche Bestimmungen. Das Bundesgericht musste klären, ob die Beschwerde überhaupt zulässig war und ob der Regierungsrat zur Erlassung solcher Verordnungen befugt ist.
Das Bundesgericht wies die Beschwerde gegen das Nichteintretensurteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Schwyz und gegen die kantonale Corona-Verordnung ab. Es stellte fest, dass das Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz nicht zuständig war, weil der Kanton keine abstrakte Normenkontrolle kantonaler Verordnungen vorsieht und die Verordnung ein generell-abstrakter, rechtsetzender Erlass ist, der nicht unter die in § 51 lit. a VRP/SZ genannten anfechtbaren Akte fällt. Auch Art. 29a BV und § 66 KV/SZ gewährleisten lediglich eine Rechtsweggarantie für konkrete Rechtsstreitigkeiten, nicht für abstrakte Normenkontrolle. § 53b WAG/SZ regelt ausschliesslich Beschwerden im Zusammenhang mit Wahlen und Abstimmungen und ist hier nicht anwendbar. Die Beschwerde gegen die Verordnung war direkt beim Bundesgericht zulässig, da keine kantonale Beschwerdemöglichkeit bestand, und das Bundesgericht verzichtete auf das Erfordernis eines aktuellen Rechtsschutzinteresses, weil die Grundsatzfrage der kantonalen Zuständigkeit bei Epidemien jederzeit wieder aufkommen kann. Der Regierungsrat ist gemäss § 59 Abs. 3 KV/SZ und § 4 Abs. 2 lit. i GesG/SZ zur Erlassung von Vollzugsverordnungen zum Epidemiengesetz zuständig. Art. 40 EpG stellt eine hinreichende formell-gesetzliche Grundlage dar, da die darin genannten Massnahmen – etwa das Verbot oder die Einschränkung von Veranstaltungen gemäss Art. 40 Abs. 2 lit. a EpG – unmittelbar anwendbar sind und die kantonale Verordnung als Vollziehungsverordnung qualifiziert. Die Maskenpflicht ist e maiore minus zulässig, da sie weniger schwer wiegt als ein vollständiges Verbot oder eine Schliessung. Die Strafbestimmung in § 6 der Verordnung ist rein deklaratorisch und verweist korrekt auf die bundesrechtlichen Sanktionen in Art. 83 Abs. 1 lit. j EpG. Die Gerichtskosten von Fr. 3'000.-- wurden dem Beschwerdeführer auferlegt. Das Urteil ist bemerkenswert, weil es klärt, dass kantonale Regierungen zur Erlassung von Corona-Massnahmen aufgrund von Art. 40 EpG zuständig sind, ohne dass eine zusätzliche kantonale Gesetzesgrundlage erforderlich ist.
Regeste
Art. 42 Abs. 2 und Art. 89 Abs. 1 lit. c BGG; Art. 36 Abs. 1, Art. 46 Abs. 1 und Art. 118 Abs. 2 lit. b BV; Art. 40 und Art. 75 EpG; Art. 2 und 8 Covid-19-Verordnung besondere Lage; § 47, 49, 50, 56, 59 KV/SZ; abstrakte Normenkontrolle; Legitimation; schutzwürdiges Interesse; Anfechtungsobjekt; Beschwerdebegründung; Covid-19-Massnahmen; innerkantonale Zuständigkeit; Gewaltenteilung. Legitimation zur Anfechtung eines kantonalen Erlasses. Begriff des schutzwürdigen Interesses. Voraussetzungen, unter denen das Bundesgericht auf das Erfordernis des aktuellen praktischen Interesses verzichtet (E. 2.2). Anfechtungsobjekt ist der kantonale Erlass in der Fassung zum Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung (E. 2.3). Die Begründung muss in der Beschwerdeschrift enthalten sein; es genügt nicht, eine öffentliche Verhandlung zu verlangen, um die Begründung dort nachzuschieben (E. 2.4). Die angefochtene Verordnung ist als Vollzugsverordnung gestützt auf Art. 40 EpG zu qualifizieren, zu deren Erlass der Regierungsrat des Kantons Schwyz zuständig ist (E. 3). Regeste Art. 42 al. 2 et art. 89 al. 1 let. c LTF; art. 36 al. 1, art. 46 al. 1 et art. 118 al. 2 let. b Cst.; art. 40 et art. 75 LEp; art. 2 et 8 Ordonnance COVID-19 situation particulière; § 47, 49, 50, 56, 59 Cst./SZ; contrôle abstrait des normes; qualité pour recourir; intérêt digne de protection; objet de la contestation; motivation du recours; mesures COVID-19; compétence intracantonale; répartition des pouvoirs. Qualité pour recourir contre un acte normatif cantonal. Notion d'intérêt digne de protection. Conditions dans lesquelles le Tribunal fédéral renonce à exiger un intérêt pratique actuel au recours (consid. 2.2). L'objet de la contestation constitue l'acte normatif cantonal tel qu'en vigueur au moment du dépôt du recours (consid. 2.3). Le mémoire de recours doit comporter une motivation; il ne suffit pas d'exiger un débat public dans le but d'en développer une a posteriori (consid. 2.4). L'ordonnance attaquée doit être considérée comme une ordonnance d'exécution fondée sur l'art. 40 LEp et relevant de la compétence du Conseil d'Etat du Canton de Schwytz (consid. 3). Regesto Art. 42 cpv. 2 e art. 89 cpv. 1 lett. c LTF; art. 36 cpv. 1, art. 46 cpv. 1 e art. 118 cpv. 2 lett. b Cost.; art. 40 e art. 75 LEp; art. 2 e art. 8 Ordinanza COVID-19 situazione particolare; § 47, 49, 50, 56, 59 Cost./SZ; controllo astratto delle norme; legittimazione a ricorrere; interesse degno di protezione; oggetto del litigio; motivazione del ricorso; misure COVID-19; competenza intracantonale; separazione dei poteri. Legittimazione a ricorrere contro un atto normativo cantonale. Nozione d'interesse degno di protezione. Condizioni alle quali il Tribunale federale rinuncia ad esigere un interesse pratico e attuale a ricorrere (consid. 2.2). Oggetto di disamina è l'atto normativo cantonale in vigore al momento dell'inoltro del ricorso (consid. 2.3). L'allegato ricorsuale deve contenere una motivazione; non è sufficiente chiedere un dibattimento pubblico nell'intento di presentarne una successivamente (consid. 2.4). L'ordinanza impugnata va considerata come un'ordinanza di esecuzione fondata sull'art. 40 LEp, di competenza del Consiglio di Stato del Cantone di Svitto (consid. 3).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.