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Justizze. Art. 27 IVG

Bundesgericht

Kinderspital klagt auf Vergütung stationärer Behandlungen nach IVG: Schiedsgericht darf im vertragslosen Zustand keinen Tarif festsetzen (Art. 27bis IVG)

BGE / ATF / DTF
BGE 145 V 333 · ATF 145 V 333 · DTF 145 V 333
Datum
01.01.2019
Geschäftsnummer
BGE 145 V 333
Abteilung
CH_BGE_007
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 13 IVG Art. 24 IVG Art. 27 IVG Art. 27bis IVG Art. 47 LOGA Art. 47 RVOG Art. 48 RVOG

Zusammenfassung

Eine Stiftung, die als Kinderspital Leistungen im Rahmen der Invalidenversicherung erbracht hatte, erhob Klage gegen sämtliche kantonalen IV-Stellen mit dem Begehren, diese seien zu verpflichten, einen Teilbetrag von über 9,7 Millionen Franken zu bezahlen. Streit war, ob das zuständige kantonale Schiedsgericht im Falle eines vertragslosen Zustands befugt sei, einen Tarif für stationäre medizinische Massnahmen gemäss Art. 13 f. IVG festzusetzen oder ob dies ausschliesslich Sache des Bundesrats bzw. des EDI sei. Die Vorinstanz war nicht auf die Klage eingetreten, weil sie sich für unzuständig hielt.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab und bestätigte, dass das kantonale Schiedsgericht zu Recht nicht auf die Klage eingetreten war. Es stellte fest, dass für den Zeitraum 2012 weder eine tarifliche Vereinbarung nach Art. 27 Abs. 1 IVG noch eine bundesrätliche oder departementale Festsetzung von Höchstbeträgen nach Art. 27 Abs. 3 IVG vorlag. Entscheidend war, dass es an generell-abstrakten Grundsätzen zur Tarifordnung und Kostenermittlung im vertragslosen Zustand fehlte – weder auf Gesetzes- noch auf Verordnungsebene –, sodass das EDI gestützt auf Art. 27 Abs. 3 IVG in Verbindung mit Art. 47 Abs. 6 Satz 1 RVOG nicht befugt war, mittels Verfügung einen konkreten Tarif festzusetzen. Gemäss Art. 27bis IVG ist das Schiedsgericht für Tarifstreitigkeiten zuständig, doch ist es ausdrücklich nicht befugt, Änderungen bestehender Tarifstrukturen zu prüfen; erst recht nicht, im völligen Fehlen einer tariflichen Grundlage selbst eine Tarifordnung zu schaffen. Auch die Anwendung eines vorläufigen Arbeitstarifs auf Basis von SwissDRG während des sistierten EDI-Verfahrens begründete keine stillschweigende Vereinbarung über die Tarifstruktur oder deren Eckwerte. Da kein anwendbarer Tarif vorlag, war das Schiedsgericht nicht in der Lage, die Forderungsansprüche gerichtlich zu klären. Das Bundesgericht sah daher keine Bundesrechtsverletzung, insbesondere keine Verletzung von Art. 27bis Abs. 1 IVG oder Art. 29 Abs. 1 BV.

Die Entscheidung unterstreicht die strikte Trennung zwischen gesetzgeberischer Regelung (Bundesrat), hoheitlicher Tariffestsetzung (EDI) und gerichtlicher Tarifanwendung (Schiedsgericht). Sie klärt, dass Schiedsgerichte im Sozialversicherungsrecht keine Lückenfüllungsfunktion bei fehlenden Tarifgrundlagen wahrnehmen dürfen – auch nicht im Interesse einer schnellen Rechtsklarung für Leistungserbringer.

Regeste

Art. 13 f., 27 Abs. 1 und 3, Art. 27bis Abs. 1 und 2 IVG; Art. 47 Abs. 6 Satz 1 RVOG; Art. 24 Abs. 2 Teilsatz 1 IVV; Zuständigkeit des Schiedsgerichts in Sozialversicherungsstreitigkeiten (Invalidenversicherung). Es ist nicht Aufgabe der kantonalen Schiedsgerichte in Sozialversicherungsstreitigkeiten, die Änderung einer bestehenden Tarifstruktur auf ihre Rechtmässigkeit hin zu überprüfen (E. 6). Dieser Grundsatz hat erst recht zu gelten, wenn es wie im vorliegenden Fall darum geht, sich zu Tarifpositionen wie etwa die anwendbare Tarifordnung zu äussern, bezüglich welcher es sowohl an einer konkret vorhandenen tariflichen Grundlage (vertragsloser Zustand) als auch an generell-abstrakten Grundsätzen zu deren Ermittlung fehlt. Das vorinstanzliche Schiedsgericht ist daher zu Recht auf die Klage nicht eingetreten (E. 7). Regeste Art. 13 s., 27 al. 1 et 3, art. 27bis al. 1 et 2 LAI; art. 47 al. 6, 1re phrase, LOGA; art. 24 al. 2, 1re partie de la phrase, RAI; compétence du tribunal arbitral des assurances sociales (assurance-invalidité). Il n'appartient pas aux tribunaux arbitraux cantonaux des assurances sociales d'examiner la légalité de la modification d'une structure tarifaire existante (consid. 6). Ce principe doit a fortiori s'appliquer lorsqu'il s'agit, comme en l'espèce, de se prononcer sur des positions tarifaires, par exemple le régime tarifaire applicable, au sujet desquelles il manque tant une base tarifaire concrète (absence de convention) que des principes généraux et abstraits pour les déterminer. C'est ainsi à bon droit que le tribunal arbitral cantonal a déclaré la demande irrecevable (consid. 7). Regesto Art. 13 seg., 27 cpv. 1 e 3, art. 27bis cpv. 1 e 2 LAI; art. 47 cpv. 6 prima frase LOGA; art. 24 cpv. 2 prima parte della frase OAI; competenza del tribunale arbitrale delle assicurazioni sociali (assicurazione invalidità). Non compete ai tribunali arbitrali cantonali delle assicurazioni sociali di esaminare la legalità delle modifiche di una struttura tariffaria esistente (consid. 6). Questo principio deve essere a fortiori applicato quando si tratta, come nella fattispecie, di pronunciarsi sulle posizioni tariffarie, come ad esempio l'ordinamento tariffale applicabile, in assenza non solo di una base tariffaria concreta (assenza di convenzione), ma anche di principi generali ed astratti per la determinazione delle tariffe. Pertanto, a ragione il tribunale arbitrale ha dichiarato inammissibile la petizione (consid. 7).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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