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Justizze. Art. 71ter AHVV

Bundesgericht

Invalider Vater erhält Kinderrenten-Nachzahlung, aber keine Abzugsmöglichkeit für geleisteten Unterhalt: Keine gerichtliche oder vertragliche Unterhaltsvereinbarung vorhanden (Art. 71ter Abs. 2 Satz 2 AHVV)

BGE / ATF / DTF
BGE 145 V 154 · ATF 145 V 154 · DTF 145 V 154
Datum
02.05.2019
Geschäftsnummer
BGE 145 V 154
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 71ter AHVV Art. 285a ZGB

Zusammenfassung

Ein invalider Vater, der seit 2011 eine Invalidenrente mit zwei Kinderrenten bezieht, lebt getrennt von seiner Ehefrau und den beiden gemeinsamen Kindern. Die IV-Stelle Basel-Landschaft beschloss, einen Teil der Kinderrenten-Nachzahlung für die Zeit von Januar 2011 bis Oktober 2016 an die Ehefrau auszuzahlen. Diese klagte erfolgreich beim Kantonsgericht, das die gesamte Nachzahlungssumme von Fr. 83'288.– an sie zu zahlen anordnete. Der Vater legte Beschwerde beim Bundesgericht ein und verlangte die Bestätigung der ursprünglichen Verfügung. Streit war, ob seine behaupteten Unterhaltsleistungen an die Kinder im Umfang der Nachzahlung abgezogen werden dürfen.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde des Vaters ab und bestätigte damit die vorinstanzliche Anordnung, die gesamte Kinderrenten-Nachzahlung an die Ehefrau auszuzahlen.

Die entscheidende Voraussetzung für einen Abzug der behaupteten Unterhaltsleistungen vom Nachzahlungsbetrag ist nach Art. 71ter Abs. 2 Satz 2 AHVV, dass der rentenberechtigte Elternteil seine Unterhaltspflicht gegenüber dem Kind erfüllt hat. Diese Erfüllung setzt jedoch – wie Art. 285a Abs. 3 ZGB und die Rechtsprechung klarmachen – voraus, dass die Unterhaltspflicht des nicht obhutsberechtigten Elternteils gemäss Art. 276 Abs. 2 ZGB durch einen gerichtlich oder vertraglich festgesetzten Unterhaltsbeitrag geleistet wird. Im vorliegenden Fall wurde im Rahmen der Getrenntlebensregelung durch das Bezirksgericht Arlesheim vom 29. November 2005 ausdrücklich auf eine Unterhaltsregelung mangels Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers verzichtet. Es besteht daher keine verbindlich geregelte Unterhaltspflicht. Folglich kann die vom Vater behauptete Leistung von Kindesunterhalt an die Ehefrau nicht von der Nachzahlung der Kinderrente gestützt auf Art. 71ter Abs. 2 Satz 2 AHVV in Abzug gebracht werden.

Die maßgeblichen Normen sind Art. 71ter Abs. 1 und 2 AHVV, insbesondere Art. 71ter Abs. 2 Satz 2 AHVV, Art. 285a Abs. 3 ZGB sowie Art. 276 Abs. 2 ZGB. Das Bundesgericht stützte seine Entscheidung auf diese Normen, um zu klären, unter welchen Voraussetzungen ein Abzug bei der Nachzahlung einer Kinderrente zulässig ist.

Kosten und Entschädigungen wurden nicht separat behandelt. Die Entscheidung ist bemerkenswert, weil sie klärt, dass die bloße Tatsache, Unterhalt zu leisten, nicht ausreicht: Für einen Abzug bei der Kinderrenten-Nachzahlung ist zwingend eine vorherige gerichtliche oder vertragliche Festlegung des Unterhaltsbeitrags erforderlich – auch wenn der Unterhaltspflichtige tatsächlich Zahlungen geleistet hat.

Regeste

Art. 35 Abs. 4 IVG; Art. 82 IVV; Art. 71 ter Abs. 1 und 2 AHVV; Art. 285a Abs. 3 ZGB; Nachzahlung einer Kinderrente; Drittauszahlung. Im Rahmen der Nachzahlung einer Kinderrente setzt die Anwendbarkeit von Art. 285a Abs. 3 ZGB sowie Art. 71 ter Abs. 2 Satz 2 AHVV und damit die Beurteilung, ob der rentenberechtigte Elternteil seiner Unterstützungspflicht nachgekommen ist, begriffsnotwendig voraus, dass der nicht Obhutsberechtigte seine Unterhaltspflicht gemäss Art. 276 Abs. 2 ZGB durch einen gerichtlich oder vertraglich festgesetzten Unterhaltsbeitrag leisten muss. Fehlt es an dieser verbindlich geregelten Unterhaltspflicht, kann eine behauptete Leistung von Kindesunterhalt an den obhutsberechtigten Elternteil nicht von der Nachzahlung der Kinderrente gestützt auf Art. 82 Abs. 1 IVV in Verbindung mit Art. 71 ter Abs. 2 Satz 2 AHVV in Abzug gebracht werden (E. 4). Regeste Art. 35 al. 4 LAI; art. 82 RAI; art. 71 ter al. 1 et 2 RAVS; art. 285a al. 3 CC; paiement rétroactif d'une rente pour enfant; versement en mains d'un tiers. Dans le cadre du paiement rétroactif d'une rente pour enfant, l'application de l'art. 285a al. 3 CC ainsi que de l'art. 71 ter al. 2, 2 e phrase, RAVS - ce qui revient à examiner si le parent titulaire de la rente principale s'est acquitté de son obligation d'entretien - suppose nécessairement que l'obligation d'entretien selon l'art. 276 al. 2 CC du parent qui n'a pas la garde de l'enfant est exécutée par une contribution d'entretien fixée judiciairement ou par contrat. A défaut, le versement allégué d'une contribution d'entretien au parent qui a la garde de l'enfant ne peut pas être déduite du paiement rétroactif de la rente pour enfant en vertu de l'art. 82 al. 1 RAI en relation avec l'art. 71 ter al. 2, 2 e phrase, RAVS (consid. 4). Regesto Art. 35 cpv. 4 LAI; art. 82 OAI; art. 71 ter cpv. 1 e 2 OAVS; art. 285a cpv. 3 CC; pagamento arretrato di una rendita completiva per i figli; versamento a un terzo. Nell'ambito di un pagamento arretrato di una rendita completiva per i figli, l'applicazione dell'art. 285a cpv. 3 CC, come pure dell'art. 71 ter cpv. 2 seconda frase OAVS, e pertanto la valutazione, se il genitore titolare della rendita principale si sia liberato dal suo obbligo di mantenimento, presuppone necessariamente che l'obbligo di mantenimento conformemente all'art. 276 cpv. 2 CC del genitore che non ha la custodia del figlio sia stato adempiuto con il contributo di mantenimento stabilito in via giudiziale o per contratto. In assenza di ciò, il versamento richiesto di un contributo di mantenimento al genitore che detiene la custodia del figlio non può essere dedotto dal pagamento arretrato della rendita completiva per figli in virtù dell'art. 82 cpv. 1 OAI in relazione con l'art. 71 ter cpv. 2 seconda frase OAVS (consid. 4).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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