Paritätische Kommission erhält Vollzugskostenbeiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern gemäss allgemeinverbindlichem GAV: Beiträge gelten als steuerfreie Mitgliederbeiträge i.S.v. Art. 66 Abs. 1 DBG
- BGE / ATF / DTF
- BGE 143 II 685 · ATF 143 II 685 · DTF 143 II 685
- Datum
- 24.10.2017
- Geschäftsnummer
- BGE 143 II 685
- Abteilung
- CH_BGE_004
- Ausgang
- Gutgeheissen
Tragende Normen
Zusammenfassung
Die Paritätische Kommission der zahntechnischen Laboratorien (PK Zahntechnik) erhob Vollzugskostenbeiträge von allen Arbeitnehmern und Arbeitgebern der Zahntechnikerbranche gemäss einem allgemeinverbindlich erklärten Gesamtarbeitsvertrag (GAV). Das kantonale Steueramt qualifizierte diese Beiträge als steuerbaren Ertrag, während das Steuerrekursgericht sie als steuerfreie Mitgliederbeiträge ansah. Das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich hob den Entscheid des Steuerrekursgerichts auf. Die PK Zahntechnik legte Beschwerde an das Bundesgericht ein und beantragte die Wiederherstellung des Urteils des Steuerrekursgerichts.
Das Bundesgericht hob das Urteil des Verwaltungsgerichts Zürich auf und bestätigte das Urteil des Steuerrekursgerichts, wonach die Vollzugskostenbeiträge nicht zum steuerbaren Gewinn zu rechnen sind. Die Beiträge stammen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern, die zwar nicht formell Mitglieder der PK Zahntechnik sind, aber aufgrund des allgemeinverbindlichen GAV verpflichtet sind, diese Beiträge zu leisten. Diese Personen stellen nach Sinn und Zweck von Art. 66 Abs. 1 DBG faktische Mitglieder dar, weil sie zur Verwirklichung des Gemeinschaftszwecks beitragen. Auch Angehörige der vom GAV betroffenen Berufsbranche, die keiner der beiden Branchenverbände angehören, sind als indirekte Mitglieder anzusehen, da der Bundesrat den GAV für allgemeinverbindlich erklärt hat und der Vereinszweck daher auch im Interesse dieser Nichtmitglieder verfolgt wird. Der Zweck der PK Zahntechnik – Sicherstellung des Vollzugs und der Einhaltung des GAV – ist eine typische Vereinsaufgabe und keine gewinnorientierte wirtschaftliche Tätigkeit. Es liegt keine individuelle Gegenleistung oder Förderung persönlicher Interessen vor, da die Kontrolltätigkeit im Interesse aller Betroffenen erfolgt. Damit erfüllen die Beiträge alle Anforderungen an steuerfreie Mitgliederbeiträge gemäss Art. 66 Abs. 1 DBG. Art. 23 Abs. 3 BV (negative Koalitionsfreiheit) rechtfertigt die indirekte Beitragsstruktur, da niemand gezwungen werden darf, einer Vereinigung beizutreten, der er nicht angehören will. Die Beiträge sind daher nicht zum steuerbaren Gewinn zu rechnen.
Regeste
Art. 66 Abs. 1 DBG. Steuerrecht; Beiträge von Arbeitnehmern und -gebern gestützt auf den GAV einer Berufsbranche an denjenigen Verein, welcher für die Umsetzung des GAV zuständig ist. Mitgliederbeiträge sind geldwerte Leistungen seitens der Vereinsmitglieder zur Verwirklichung des Gemeinschaftszwecks im Interesse aller Mitglieder (E. 3). Zwar sind aufgrund des GAV nur die beiden Branchenverbände unmittelbare Vereinsmitglieder der Beschwerdeführerin, nicht aber die in diesen Verbänden organisierten Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Dennoch leisten sie Beiträge zur Verwirklichung des Gemeinschaftszwecks und stellen nach Sinn und Zweck von Art. 66 Abs. 1 DBG faktische Mitglieder der Beschwerdeführerin dar (E. 4). Dasselbe gilt auch für die Angehörigen der vom GAV betroffenen Berufsbranche, die in keinem der beiden Branchenverbände Mitglieder sind (E. 5). Der Zweck der Beschwerdeführerin, im Interesse aller in der Berufsbranche tätigen Arbeitgeber und Arbeitnehmer den Vollzug und die Einhaltung des GAV sicherzustellen, ist eine typische Vereinsaufgabe und nicht eine auf Gewinnerzielung ausgerichtete wirtschaftliche Tätigkeit. Somit erfüllen die Leistungen der Personen nach E. 4 und 5 die Anforderungen, die Mitgliederbeiträge an einen Verein erfüllen müssen, und sind nicht zum steuerbaren Gewinn zu rechnen (E. 6). Regeste Art. 66 al. 1 LIFD. Droit fiscal; cotisations versées par les salariés et les employeurs conformément à la CCT d'un secteur professionnel à l'association compétente pour la mise en oeuvre de la CCT. Les cotisations de membres sont des prestations en argent versées aux associations par leurs membres pour la poursuite du but commun dans l'intérêt de tous les membres (consid. 3). Il est vrai que, d'après la CCT, seules les deux associations de la branche sont membres directement de la recourante, et non les salariés et employeurs membres de ces associations. Ceux-ci versent cependant des cotisations pour la poursuite du but commun, de sorte qu'ils constituent de fait des membres de la recourante, selon le sens et la portée de l'art. 66 al. 1 LIFD (consid. 4). Il en va de même des personnes appartenant à d'autres branches professionnelles concernées par la CCT, qui ne sont membres d'aucune des deux associations de la branche (consid. 5). Le but de la recourante, qui vise à garantir la mise en oeuvre et le respect de la CCT dans l'intérêt de tous les employeurs et salariés actifs dans la branche professionnelle, constitue un devoir typique de l'association et non une activité financière visant à la réalisation d'un bénéfice. Les prestations versées par les personnes concernées aux consid. 4 et 5 remplissent les conditions que les cotisations de membres versées à une association doivent remplir, et ne font pas partie du bénéfice imposable (consid. 6). Regesto Art. 66 cpv. 1 LIFD. Diritto fiscale; contributi versati dai lavoratori e dai datori di lavoro sulla base del CCL di un ramo professionale all'associazione competente per l'attuazione del CCL. I contributi dei membri sono delle prestazioni in denaro versate alle associazioni dai loro membri per la realizzazione dello scopo comune nell'interesse di tutti i membri (consid. 3). È vero che, secondo il CCL, solo le due associazioni del ramo sono direttamente membri della ricorrente, non invece i lavoratori e i datori di lavori affiliati a dette associazioni. Questi ultimi versano però dei contributi per la realizzazione dello scopo comune di modo che, secondo il senso e la portata dell'art. 66 cpv. 1 LIFD, di fatto sono dei membri della ricorrente (consid. 4). Lo stesso dicasi per le persone che appartengono ad altri rami professionali interessati dal CCL ma che non sono membri di nessuna delle due associazioni del ramo (consid. 5). Lo scopo della ricorrente, volto a garantire l'attuazione e il rispetto del CCL nell'interesse di tutti i datori di lavori e lavoratori attivi nel ramo professionale, costituisce un tipico compito di un'associazione, non un'attività lucrativa tesa a realizzare un beneficio. Le prestazioni versate dalle persone indicate ai consid.i 4 e 5 adempiono pertanto le esigenze che devono essere soddisfatte dai contributi versati a un'associazione e non fanno parte dell'utile imponibile (consid. 6).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
Verwandte Entscheide
- Holdinggesellschaft veräussert im Mitarbeiterbeteiligungsprogramm zurückgekaufte eigene Aktien: Differenz zwischen Zuteilungswert und Anschaffungskosten ist kein steuerbarer Kapitalgewinn (Art. 60 lit. a DBG)
- Wohnbaugenossenschaft bucht Forderungsverzicht ihres Präsidenten erfolgsneutral: Steuerwirksamer Sanierungserfolg trotz Nahestehendenbezug, Bilanzänderung nach Steuererklärung unzulässig (Art. 18 Abs. 3 DBG)
- Aktiengesellschaft verrechnet Erbschaftssteuer und gesamten Erbschaftswert bei Gewinnsteuer: Abzugsfähigkeit der Steuer ja, Bruttoabzug des Erbes nein (Art. 59 Abs. 1 lit. a und Art. 60 lit. c DBG)