Stimmrechtsbeschwerde: Referendumsbegehren in Aarau scheitert an Unterschriftenzahl; Frist und Quorum verfassungsgemäss (Art. 34 BV)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 140 I 58 · ATF 140 I 58 · DTF 140 I 58
- Datum
- 13.12.2013
- Geschäftsnummer
- 1C_705/2013
- Abteilung
- I. Öffentlich-rechtliche Abteilung
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Art. 42 BGG Art. 82 BGG Art. 88 BGG Art. 89 BGG Art. 90 BGG Art. 95 BGG Art. 5 BV Art. 8 BV Art. 34 BV Art. 39 BV Art. 51 BV Art. 17 GG Art. 18 GG Art. 30 GG Art. 31 GG Art. 58 GG Art. 26 GO Art. 38 GO Art. 63 KV Art. 13 PuG
Zusammenfassung
Ein Stimmberechtigter focht vor Bundesgericht die Ungültigkeitserklärung von fünf kommunalen Referendumsbegehren in der Stadt Aarau an. Die Begehren waren mit jeweils nur sechs gültigen Unterschriften eingereicht worden, während nach kantonalem Recht zehn Prozent der Stimmberechtigten erforderlich sind. Der Beschwerdeführer rügte, die Anforderungen seien prohibitiv, die Referendumsfrist von 30 Tagen zu kurz und durch elektronische Publikation sowie Schulferien verkürzt. Er verlangte zudem generelle Weisungen an die Behörden zur Ausgestaltung des Referendumsverfahrens.
Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab, soweit es darauf eintrat. Es trat nicht auf die Rüge ein, die Beschlüsse hätten dem obligatorischen Referendum unterstellt werden müssen, da dies Gegenstand eines separaten Verfahrens war, und ebenso wenig auf die Forderung nach generellen Aufsichtsweisungen an die Gemeindebehörden.
In der Sache prüfte das Gericht die Verfassungsmässigkeit der kantonalen Regelungen gemäss Art. 34 Abs. 1 BV i.V.m. Art. 39 Abs. 1 BV und Art. 51 BV. Das Erfordernis von zehn Prozent der Stimmberechtigten (hier 1'376 Unterschriften) wurde als nicht überhöht beurteilt, da es die kollektive Natur des Referendumsrechts wahrt und interkommunal eine Wertgleichheit gewährleistet. Die 30-tägige Frist wurde trotz Kollision mit Schulferien als zumutbar erachtet, da Referendumswillige sich organisieren müssen und die Fristlänge im Vergleich zu individualrechtlichen Beschwerdefristen angemessen ist.
Entscheidend war zudem, dass der Beschwerdeführer lediglich sechs Unterschriften gesammelt hatte, was kein ernsthaftes Bemühen erkennen liess. Ein erfolgreiches Referendum in derselben Gemeinde mit über 2'000 Unterschriften bestätigte die Machbarkeit der gesetzlichen Vorgaben. Die angefochtene Nichtzustandekommen-Erklärung hielt vor Bundesrecht stand.
Regeste
Art. 5 Abs. 2, Art. 8 Abs. 1, Art. 34 Abs. 1, Art. 39 Abs. 1 und Art. 51 Abs. 1 BV; Ausgestaltung eines kommunalen Referendumsrechts. Sieht ein Kanton die Möglichkeit der Ergreifung eines fakultativen Referendums gegen Gemeindebeschlüsse vor, darf er dafür nicht prohibitive Voraussetzungen verlangen. Diese müssen vielmehr kohärent sein und realistische Chancen zur Wahrnehmung der gewährten Referendumsrechte eröffnen (E. 3). Prüfung der Regelung des Kantons Aargau, wonach für das fakultative Referendum gegen Beschlüsse eines Einwohnerrates die Unterschriften von zehn Prozent der Stimmberechtigten in einer Frist von 30 Tagen erforderlich ist, in einem Anwendungsfall der Stadt Aarau auf Vereinbarkeit mit dem Bundesrecht (E. 4). Regeste Art. 5 al. 2, art. 8 al. 1, art. 34 al. 1, art. 39 al. 1 et art. 51 al. 1 Cst.; mise en oeuvre d'un droit de référendum communal. Un canton qui prévoit la possibilité d'introduire un référendum facultatif contre des décisions communales ne doit pas poser des conditions prohibitives à son exercice. Celles-ci doivent au contraire être cohérentes et offrir des chances réelles de concrétiser les droits de référendum (consid. 3). Contrôle de la conformité au droit fédéral de la réglementation du canton d'Argovie qui exige les signatures de dix pour-cent des votants dans un délai de 30 jours pour le référendum facultatif contre les décisions d'un Conseil d'habitants, dans un cas d'application concernant la ville d'Aarau (consid. 4). Regesto Art. 5 cpv. 2, art. 8 cpv. 1, art. 34 cpv. 1, art. 39 cpv. 1 e art. 51 cpv. 1 Cost.; modalità di ordinamento di un diritto di referendum comunale. Un Cantone che prevede la possibilità di un referendum facoltativo contro decisioni comunali non può porre condizioni proibitive al suo esercizio. Queste devono piuttosto essere coerenti e offrire reali possibilità di attuare i diritti di referendum garantiti (consid. 3). Esame, in un caso di applicazione concernente la città di Aarau, della conformità al diritto federale della regolamentazione del Cantone di Argovia, che esige la raccolta delle firme del dieci per cento dei cittadini entro un termine di 30 giorni per il referendum facoltativo contro decisioni del Consiglio degli abitanti (consid. 4).
Originalentscheid beim Gericht ↗
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