Justizze.

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Justizze. Art. 8 ZGB

Bundesgericht

Internationaler Kaufvertrag über Spinnerei: Rückzahlungspflicht bestätigt, Beweislast für Nichtlieferung korrigiert, Sache zurückgewiesen (Art. 8 ZGB, Art. 51 CISG)

BGE / ATF / DTF
BGE 138 III 601 · ATF 138 III 601 · DTF 138 III 601
Datum
16.07.2012
Geschäftsnummer
4A_753/2011
Abteilung
I. Zivilrechtliche Abteilung
Ausgang
Teilweise gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 105 BGG Art. 9 BV Art. 29 BV Art. 1 CISG Art. 3 CISG Art. 4 CISG Art. 8 CISG Art. 39 CISG Art. 49 CISG Art. 50 CISG Art. 51 CISG Art. 76 CISG Art. 3 IPRG Art. 117 IPRG Art. 118 IPRG Art. 20 OR Art. 127 OR Art. 190 OR Art. 210 OR Art. 8 ZGB

Zusammenfassung

Eine Schweizer Aktiengesellschaft verkaufte eine komplette Spinnerei an eine indonesische Gesellschaft. Der offizielle Kaufpreis betrug CHF 17,3 Millionen, wobei ein handschriftlicher Zusatz zum Vertrag eine Rückzahlung von CHF 7 Millionen vorsah. Die Verkäuferin zahlte Teile dieses Betrags auf ein Privatkonto des Verwaltungsratspräsidenten der Käuferin. Später forderte die Käuferin (bzw. deren Rechtsnachfolgerin) die restlichen CHF 5,25 Millionen sowie Schadenersatz für angeblich nicht gelieferte Maschinenteile. Die Verkäuferin argumentierte, der Zusatz sei eine illegale Schwarzgeldvereinbarung zugunsten des Präsidenten und die Ansprüche seien verjährt oder widerrechtlich. Das Bundesgericht prüfte die Anwendbarkeit des UN-Kaufrechts (CISG), die Auslegung des Zusatzes, die Nichtigkeit wegen Widerrechtlichkeit sowie die Beweislastverteilung bei behaupteter unvollständiger Lieferung.

Das Bundesgericht hiess die Beschwerde teilweise gut. Es bestätigte, dass das UN-Kaufrecht (CISG) anwendbar ist, da die Parteien ihre Niederlassungen in verschiedenen Staaten hatten und die charakteristische Leistung in der Schweiz erbracht wurde. Die Rüge der Beschwerdeführerin, die Vorinstanz habe willkürlich entschieden, dass der Zusatz zum Agreement keine Schwarzgeldvereinbarung zugunsten des Verwaltungsratspräsidenten K.________ darstelle, sondern eine Rückzahlungsverpflichtung gegenüber der Käuferin, wurde abgewiesen. Das Gericht befand, dass das Verhalten der Parteien (Geheimhaltung gegenüber Banken, Zahlung auf Konten der Familie K.________ zur Umgehung von Devisenbeschränkungen) die Auslegung als Rückzahlung an die Käuferin nicht ausschloss. Auch die Behauptung, die Vereinbarung sei wegen Verstosses gegen indonesische Devisenvorschriften oder das UN-Korruptionsübereinkommen nichtig, wurde verworfen; die Verletzung ausländischer Devisenvorschriften führe nicht automatisch zur Sittenwidrigkeit nach schweizerischem Recht.

Im Punkt der teilweisen Nichtlieferung hob das Gericht das Urteil jedoch auf. Die Vorinstanz hatte die Beweislast für die Vollständigkeit der Lieferung fälschlicherweise der Verkäuferin auferlegt. Da die Käuferin die Ware vorbehaltlos übernommen und allein ausgepackt hatte, lag die Beweislast für die behauptete Unvollständigkeit bei ihr. Die Sache wurde zur neuen Beurteilung dieser Frage an das Obergericht zurückgewiesen. Bezüglich der Kaufpreisrückforderung von CHF 5,25 Millionen blieb es beim erstinstanzlichen Urteil, da die Mängelrügen rechtzeitig erfolgt waren und die Verjährungsfrage dank des Einredebestands nach Art. 210 OR offen bleiben konnte.

Die Gerichtskosten wurden der Beschwerdeführerin zu 9/10 auferlegt, da sie mit den Hauptargumenten unterlag, aber mit dem Punkt der Beweislast obsiegte.

Regeste

UN-Kaufrecht (CISG), Art. 51 CISG; teilweise Aufhebung des Vertrages; Vertragswidrigkeit der Ware; Verjährung; Beweislast. Das Recht des Käufers, den Vertrag gemäss Art. 51 Abs. 1 CISG hinsichtlich eines Teils der gelieferten Waren aufzuheben, setzt voraus, dass dieser Teil eine eigenständige wirtschaftliche Einheit bildet. Dies trifft bezüglich funktionsnotwendiger Bestandteile einer als Einheit verkauften Produktionsanlage nicht zu. Fehlen einer Anlage solche Bestandteile, ist sie vertragswidrig (E. 7.1-7.4). Untersteht die im CISG nicht geregelte Verjährung dem Schweizer Recht, verjähren Ansprüche aus vertragswidriger Lieferung nach Art. 210 OR. Gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung kann der Käufer verjährte Ansprüche aus einer Vertragswidrigkeit noch einredeweise geltend machen, wenn er diese dem Verkäufer gemäss Art. 39 CISG angezeigt hat (E. 7.5-7.7). Der Käufer hat nach der vorbehaltlosen Übernahme der Ware deren Vertragswidrigkeit nachzuweisen, soweit er daraus Rechte ableitet. Diese Beweislastverteilung gilt auch bezüglich der von ihm geltend gemachten Unvollständigkeit einer Lieferung (E. 8.1-8.5). Regeste Convention des Nations Unies en matière de vente (CVIM), art. 51 CVIM; résiliation partielle du contrat; défaut de conformité de la marchandise; prescription; fardeau de la preuve. L'art. 51 al. 1 CVIM, qui permet à l'acheteur de résilier le contrat à l'égard d'une partie seulement des marchandises livrées, implique que cette partie forme une unité économique indépendante. Tel n'est pas le cas des composantes nécessaires au fonctionnement d'une installation de production vendue comme une unité. Si ces composantes manquent, l'installation n'est pas conforme au contrat (consid. 7.1-7.4). Lorsque la prescription - qui n'est pas réglée par la CVIM - est soumise au droit suisse, les prétentions découlant d'une livraison non conforme au contrat se prescrivent d'après l'art. 210 CO. L'alinéa 2 de cette disposition autorise l'acheteur à invoquer par voie d'exception des prétentions prescrites issues d'un défaut de conformité, à condition qu'il ait dénoncé ce défaut au vendeur selon les exigences de l'art. 39 CVIM (consid. 7.5-7.7). L'acheteur qui n'a pas formulé de réserve à réception de la marchandise doit prouver son défaut de conformité, dans la mesure où il en déduit des droits. Cette répartition du fardeau de la preuve vaut aussi lorsqu'il se plaint du caractère incomplet d'une livraison (consid. 8.1-8.5). Regesto Convenzione delle Nazioni Unite sui contratti di compravendita internazionale di merci (CVIM), art. 51 CVIM; disdetta parziale del contratto; merce non conforme al contratto; prescrizione; onere della prova. Il diritto del compratore di dichiarare sciolto il contratto nel senso dell'art. 51 cpv. 1 CVIM con riferimento a una parte delle merci fornite presuppone che questa parte costituisca un'unità economica indipendente. Ciò non è il caso per i componenti necessari al funzionamento di un impianto di produzione venduto come un'unità. Se mancano tali componenti, l'impianto non è conforme al contratto (consid. 7.1-7.4). Le pretese derivanti dalla fornitura non conforme al contratto si prescrivono secondo l'art. 210 CO, se la prescrizione, che non è disciplinata dal CVIM, soggiace al diritto svizzero. Giusta il cpv. 2 di questa norma il compratore può far valere in forma di eccezione le pretese prescritte derivanti dal vizio di conformità, se le ha denunciate al venditore in conformità all'art. 39 CVIM (consid. 7.5-7.7). Il compratore che ha preso in consegna senza riserve la merce deve provare il vizio di conformità, nella misura in cui intende dedurne diritti. Questa ripartizione dell'onere della prova vale anche quando egli si lamenta dell'incompletezza della fornitura (consid. 8.1-8.5).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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