Invalidenrente am ersten Werktag gefordert: Verordnung erlaubt Zahlung bis zum 20., kein Verstoss gegen Vorschussprinzip (Art. 44 Abs. 1 AHVG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 127 V 1 · ATF 127 V 1 · DTF 127 V 1
- Datum
- 08.02.2001
- Geschäftsnummer
- BGE 127 V 1
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Zusammenfassung
Eine Bezügerin einer Invalidenrente verlangt von der Ausgleichskasse des Kantons Zürich, dass ihre Rente künftig so rechtzeitig ausgerichtet wird, dass die Gutschrift auf ihrem Konto spätestens am ersten Werktag des Monats erfolgt. Sie begründet dies damit, dass die aktuelle Praxis, wonach die Rente zwischen dem fünften und siebten Postarbeitstag gutgeschrieben wird, sowie die gesetzliche Regelung, welche eine Auszahlung bis zum 20. Tag des Monats zulässt, dem gesetzlichen Gebot der vorschüssigen Rentenauszahlung widerspreche. Die Ausgleichskasse und das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich haben das Begehren abgewiesen. Die Versicherte rekurriert ans Bundesgericht mit dem Antrag, der kantonale Entscheid sei aufzuheben und die Ausgleichskasse zur Ausrichtung der Rente am ersten Werktag zu verpflichten.
Das Bundesgericht weist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ab und bestätigt die Rechtmässigkeit der aktuellen Auszahlungspraxis. Zwar besteht ein schutzwürdiges Interesse an der Vorverlegung des Termins, da eine frühere Gutschrift den Barwert der Rente erhöht und der Versicherten ermöglicht, früher über das Geld zu verfügen oder es zinsbringend anzulegen. Das Gericht stellt jedoch fest, dass der Begriff "im Voraus" in Art. 44 Abs. 1 AHVG nicht zwingend eine Gutschrift am ersten Werktag bedeutet, sondern dahingehend auszulegen ist, dass die Rente in der Regel in der ersten Phase des Monats auszurichten ist.
Der Bundesrat hat mit Art. 72 AHVV einen weiten Ermessensspielraum erhalten, um den Auszahlungstermin konkret zu regeln. Die Festlegung des 20. Monatstags als spätestmöglicher Termin hält sich innerhalb der gesetzlichen Kompetenzgrenzen und verstösst nicht gegen Art. 8 Abs. 1 BV. Praktische Erwägungen stützen diese Regelung: Bei einer Massenversicherung mit monatlich rund 1,7 Millionen Rentenzahlungen wäre eine garantierte Gutschrift am ersten Werktag mit vernünftigem Aufwand nicht realisierbar. Zudem müssten die Ausgleichskassen bei einer früheren Fälligkeit noch vor Ende des Vormonats Zahlungsaufträge erteilen, was die Berücksichtigung von Mutationen unmöglich machen und zu vermehrten rückwirkenden Korrekturen führen würde. Die tatsächliche Praxis, wonach die meisten Renten zwischen dem fünften und zehnten Tag ausgezahlt werden, unterscheidet sich nur unwesentlich von anderen Versicherungszweigen.
Regeste
Art. 103 lit. a in Verbindung mit Art. 132 OG: Anfechtung des Rentenauszahlungstermins. Das schutzwürdige Interesse an der Vorverlegung des Termins für die Auszahlung einer Invalidenrente vom fünften bis siebten auf den ersten Werktag des Monats ist zu bejahen. Art. 44 Abs. 1 AHVG und Art. 72 AHVV (im Bereich der Invalidenversicherung sinngemäss anwendbar gemäss Art. 47 Abs. 3 IVG und Art. 82 IVV): Termin für Rentenauszahlung. Gemäss Art. 72 AHVV erteilen die Ausgleichskassen die Zahlungsaufträge der Post oder der Bank rechtzeitig, sodass die Auszahlung bis zum 20. Tag des Monats erfolgen kann. Diese Bestimmung widerspricht Art. 44 Abs. 1 AHVG, wonach die Renten "in der Regel monatlich und zum Voraus" ausbezahlt werden, nicht. Regeste Art. 103 let. a en liaison avec l'art. 132 OJ: Contestation portant sur le terme du paiement de la rente. Il existe un intérêt digne de protection à ce que le terme du paiement d'une rente d'invalidité soit avancé de la période du cinquième au septième jour ouvrable, au premier jour. Art. 44 al. 1 LAVS et art. 72 RAVS (applicables par analogie en matière d'assurance-invalidité en vertu des art. 47 al. 3 LAI et 82 RAI): Terme du paiement de la rente. Selon l'art. 72 RAVS, les caisses de compensation donnent les ordres de paiement à la poste ou à la banque à temps pour que le paiement puisse être effectué jusqu'au vingtième jour du mois. Cette réglementation n'est pas contraire à l'art. 44 al. 1 LAVS, selon lequel les rentes sont payées, "en règle générale, mensuellement et d'avance". Regesto Art. 103 lett. a in relazione con l'art. 132 OG: Contestazione circa il termine entro il quale deve essere pagata una rendita. Esiste interesse degno di protezione a che il termine entro il quale deve essere pagata una rendita d'invalidità sia fissato al primo giorno lavorativo, anziché nel periodo intercorrente tra il quinto e il settimo giorno. Art. 44 cpv. 1 LAVS e art. 72 OAVS (applicabile per analogia in materia di assicurazione per l'invalidità giusta gli art. 47 cpv. 3 LAI e 82 OAI): Termine entro il quale deve essere pagata una rendita. Conformemente all'art. 72 OAVS le casse di compensazione impartiscono per tempo alla posta o alla banca gli ordini di pagamento, in modo che il pagamento possa essere effettuato entro il ventesimo giorno del mese. Questo disciplinamento non è in contrasto con l'art. 44 cpv. 1 LAVS, per il quale le rendite sono pagate "di regola... in anticipo mese per mese".
Originalentscheid beim Gericht ↗
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