Nichtverlängerung Aufenthaltsbewilligung wegen Invalidität: Keine Diskriminierung, kein Anspruch aus Art. 8 EMRK oder Art. 11 BV (Art. 100 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 OG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 126 II 377 · ATF 126 II 377 · DTF 126 II 377
- Datum
- 11.09.2000
- Geschäftsnummer
- BGE 126 II 377
- Abteilung
- CH_BGE_004
- Ausgang
- Nichteintreten
Tragende Normen
Art. 4 ANAG Art. 5 ANAG Art. 10 ANAV Art. 8 BV Art. 9 BV Art. 11 BV Art. 8 EMRK Art. 13 EMRK Art. 100 OG
Zusammenfassung
Ein aus dem Kosovo stammender Ehemann, der seit 1991 in der Schweiz arbeitete und 1994 eine Jahresaufenthaltsbewilligung erhielt, erlitt 1995 eine Gehirnblutung und wurde zu 60% invalid. Seine Ehefrau und drei Kinder reisten im Rahmen des Familiennachzugs ein. Nach Wegfall der Erwerbstätigkeit und Bezug von IV-Renten sowie zeitweiser Fürsorgeunterstützung wies die Fremdenpolizei Zürich die Gesuche um Verlängerung der Aufenthaltsbewilligungen für die gesamte Familie ab. Die Behörden argumentierten, der Aufenthaltszweck sei erfüllt und die Voraussetzungen für den Familiennachzug seien ursprünglich durch Verschweigen der Arbeitslosigkeit nicht gegeben gewesen. Das kantonale Verwaltungsgericht trat auf die Beschwerde nicht ein, da kein Anspruch auf Bewilligungsverlängerung bestehe.
Das Bundesgericht tritt auf die Verwaltungsgerichtsbeschwerde nicht ein und weist die staatsrechtliche Beschwerde ab. Es stellt fest, dass kein Rechtsanspruch auf Erteilung oder Verlängerung der Aufenthaltsbewilligungen besteht, welcher den Zugang zum Bundesgericht via Verwaltungsgerichtsbeschwerde eröffnen würde.
Hinsichtlich des Anspruchs auf Achtung des Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV hält das Gericht an seiner Rechtsprechung fest, wonach ein solcher Anspruch nur besteht, wenn der hier weilende Familienangehörige über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügt. Da die Nichtverlängerung die ganze Familie betrifft und somit keine Familientrennung droht, liegt kein Eingriff in das Familienleben vor. Auch aus dem Recht auf Achtung des Privatlebens lassen sich keine Ansprüche ableiten; der neunjährige Aufenthalt des Ehemannes (davon vier Jahre als Saisonnier) und der fünfjährige Aufenthalt der Ehefrau genügen nicht für besonders intensive private Bindungen, die über den engsten Familienkreis hinausgehen. Die medizinischen Bedürfnisse könnten allenfalls durch eine Patientenbewilligung gedeckt werden.
Der Grundsatz von Treu und Glauben gemäss Art. 9 BV begründet keinen Anspruch, da die blosse Erteilung einer befristeten Aufenthaltsbewilligung kein schutzwürdiges Vertrauen in deren Erneuerung schafft und kein besonderer vertrauensbegründender Akt der Behörde vorlag. Eine Diskriminierung gemäss Art. 8 Abs. 2 BV wird verneint, da die Nichtverlängerung nicht an die Invalidität anknüpft, sondern am Wegfall des Erwerbszwecks der Bewilligung. Dies stellt auch keine indirekte Diskriminierung dar. Das Grundrecht auf Schutz der Kinder und Jugendlichen gemäss Art. 11 Abs. 1 BV ist zu unbestimmt, um daraus einen justiziablen Anspruch auf Aufenthaltsbewilligung abzuleiten; es verpflichtet primär den Gesetzgeber und die Behörden bei der Ermessensausübung, gewährt aber kein subjektives Recht auf Einreise oder Aufenthalt.
Da kein Anspruch im Sinne von Art. 100 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 OG besteht, ist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde unzulässig. Die staatsrechtliche Beschwerde gegen den Nichteintretensentscheid des Verwaltungsgerichts ist unbegründet, da dieser nicht willkürlich erging. Art. 13 EMRK und Art. 30 BV verlangen keinen generellen gerichtlichen Rechtsschutz in fremdenpolizeilichen Angelegenheiten ohne materiellen Anspruch. Die nachträgliche Mitanfechtung des Regierungsratsentscheids ist unzulässig bzw. würde mangels Legitimation ohnehin nicht durchdringen.
Regeste
Art. 8 Abs. 2, Art. 9, 11 Abs. 1, Art. 13 Abs. 1, Art. 29a, 30 sowie 41 Abs. 1 lit. f und g BV; Art. 8 und 13 EMRK; Art. 100 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 sowie Art. 86 Abs. 1 OG; Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Wieweit lassen sich aus den Grundrechten der Bundesverfassung vom 18. April 1999 Ansprüche auf die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung ableiten, welche den Weg ans Bundesgericht mittels Verwaltungsgerichtsbeschwerde öffnen? - aus dem Anspruch auf Achtung des Privat- und Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV: keine Änderung der Rechtsprechung (E. 2b, 2c und 7); - aus dem Grundsatz von Treu und Glauben (Art. 9 BV) unter bestimmten Voraussetzungen (E. 3); - nicht aus dem Willkürverbot gemäss Art. 9 BV (E. 4); - aus dem Grundrecht auf Schutz von Kindern und Jugendlichen gemäss Art. 11 Abs. 1 BV? Tragweite dieser Bestimmung (E. 5). Begriff der direkten und indirekten Diskriminierung gemäss Art. 8 Abs. 2 BV: Die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung eines invalid gewordenen Ausländers stellt keine Diskriminierung dar (E. 6). Erschöpfung des Instanzenzuges im Verfahren der staatsrechtlichen Beschwerde bei "anspruchsabhängigen" kantonalen Rechtsmitteln (E. 8b und 8e). Art. 13 EMRK sowie Art. 30 BV verlangen keinen generellen gerichtlichen Rechtsschutz (E. 8d/bb). Regeste Art. 8 al. 2, art. 9, 11 al. 1, art. 13 al. 1, art. 29a, 30 ainsi que 41 al. 1 let. f et g Cst.; art. 8 et 13 CEDH; art. 100 al. 1 let. b ch. 3 ainsi qu'art. 86 al. 1 OJ; non-renouvellement de l'autorisation de séjour. Dans quelle mesure peut-on déduire des droits à l'octroi d'une autorisation de séjour qui ouvrent la voie du recours de droit administratif au Tribunal fédéral de la Constitution fédérale du 18 avril 1999, en particulier: - du droit au respect de la vie privée et familiale selon l'art. 8 CEDH respectivement selon l'art. 13 al. 1 Cst.: pas de changement de jurisprudence (consid. 2b, 2c et 7); - du principe de la bonne foi (art. 9 Cst.), à certaines conditions (consid. 3); - non pas de l'interdiction de l'arbitraire selon l'art. 9 Cst. (consid. 4); - du droit fondamental à la protection des enfants et des jeunes selon l'art. 11 al. 1 Cst.? Portée de cette disposition (consid. 5). Notion de discrimination directe et indirecte selon l'art. 8 al. 2 Cst.: le non-renouvellement de l'autorisation de séjour d'un étranger devenu invalide ne constitue pas une discrimination (consid. 6). Épuisement des instances dans la procédure du recours de droit public lorsque les moyens de droit cantonaux dépendent de l'existence d'un droit (consid. 8b et 8e). Les art. 13 CEDH et 30 Cst. n'imposent pas de protection judiciaire générale (consid. 8d/bb). Regesto Art. 8 cpv. 2, art. 9, 11 cpv. 1, art. 13 cpv. 1, art. 29a, 30 nonché 41 cpv. 1 lett. f e g Cost.; art. 8 e 13 CEDU; art. 100 cpv. 1 lett. b cifra 3 e art. 86 cpv. 1 OG; mancato rinnovo del permesso di dimora. In che misura è possibile dedurre dalle garanzie fondamentali sancite dalla Costituzione federale del 18 aprile 1999 un diritto al rilascio di un permesso di dimora, suscettibile di aprire la via del ricorso di diritto amministrativo al Tribunale federale? E segnatamente: - dal diritto al rispetto della vita privata e familiare giusta l'art. 8 CEDU e, rispettivamente, giusta l'art. 13 cpv. 1 Cost.: nessuna modifica della giurisprudenza (consid. 2b, 2c e 7); - dal principio della buona fede (art. 9 Cost.): a determinate condizioni (consid. 3); - dal divieto d'arbitrio di cui all'art. 9 Cost.: nessun diritto (consid. 4); - dal diritto fondamentale alla protezione dei fanciulli e degli adolescenti previsto dall'art. 11 cpv. 1 Cost.? Portata di questa norma (consid. 5). Concetto di discriminazione diretta e indiretta secondo l'art. 8 cpv. 2 Cost.: il mancato rinnovo del permesso di dimora di uno straniero divenuto invalido non dà luogo ad una discriminazione (consid. 6). Esaurimento delle istanze nell'ambito della procedura del ricorso di diritto pubblico, allorquando le possibilità d'impugnativa a livello cantonale dipendono dall'esistenza di un diritto (consid. 8b e 8e). Gli art. 13 CEDU e 30 Cost. non sanciscono nessun diritto generale ad un controllo giudiziario delle decisioni (consid. 8d/bb). Urteilskopf 126 II 377 41. Auszug aus dem Urteil der II. öffentlichrechtlichen Abteilung vom 11. September 2000 i.S. F.A. und A.A. gegen Regierungsrat sowie Verwaltungsgericht des Kantons Zürich (Verwaltungsgerichtsbeschwerde und staatsrechtliche Beschwerde) Regeste Art. 8 Abs. 2, Art. 9, 11 Abs. 1, Art. 13 Abs. 1, Art. 29a, 30 sowie 41 Abs. 1 lit. f und g BV; Art. 8 und 13 EMRK ; Art. 100 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 sowie Art. 86 Abs. 1 OG ; Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Wieweit lassen sich aus den Grundrechten der Bundesverfassung vom 18. April 1999 Ansprüche auf die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung ableiten, welche den Weg ans Bundesgericht mittels Verwaltungsgerichtsbeschwerde öffnen? - aus dem Anspruch auf Achtung des Privat- und Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV : keine Änderung der Rechtsprechung (E. 2b, 2c und 7); - aus dem Grundsatz von Treu und Glauben ( Art. 9 BV ) unter bestimmten Voraussetzungen (E. 3); - nicht aus dem Willkürverbot gemäss Art. 9 BV (E. 4); - aus dem Grundrecht auf Schutz von Kindern und Jugendlichen gemäss Art. 11 Abs. 1 BV ? Tragweite dieser Bestimmung (E. 5). Begriff der direkten und indirekten Diskriminierung gemäss Art. 8 Abs. 2 BV : Die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung eines invalid gewordenen Ausländers stellt keine Diskriminierung dar (E. 6). Erschöpfung des Instanzenzuges im Verfahren der staatsrechtlichen Beschwerde bei "anspruchsabhängigen" kantonalen Rechtsmitteln (E. 8b und 8e). Art. 13 EMRK sowie Art. 30 BV verlangen keinen generellen gerichtlichen Rechtsschutz (E. 8d/bb).
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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