Wasserzinserhöhung auf bundesrechtliches Maximum trotz Konzessionsvorbehalt: Auslegung ergibt Zustimmung zu Anpassung, Beschwerde abgewiesen (Art. 49 Abs. 1 WRG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 126 II 171 · ATF 126 II 171 · DTF 126 II 171
- Datum
- 13.04.2000
- Geschäftsnummer
- BGE 126 II 171
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Zusammenfassung
Die Kraftwerke Oberhasli AG erhielt 1962 eine Gesamtkonzession zur Wasserkraftnutzung im Kanton Bern mit einem festgelegten Wasserzins von bis zu Fr. 6.- pro PS brutto. Die Konzession enthielt einen allgemeinen Vorbehalt zugunsten der gegenwärtigen und zukünftigen Gesetzgebung. Seit 1968 wendete der Kanton jeweils das aktuelle bundesrechtliche Maximum an, was die Konzessionärin bis 1997 klaglos akzeptierte. Nach einer Revision des Wasserrechtsgesetzes erhöhte sich das Maximum per 1. Mai 1997 auf Fr. 80.- pro kW Bruttoleistung. Das kantonale Amt forderte die Differenz für das Jahr 1997 nach. Die Konzessionärin wehrte sich dagegen und berief sich auf verletzte wohlerworbene Rechte aus der Konzession. Das Verwaltungsgericht wies die Beschwerde ab.
Das Bundesgericht weist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ab. Es beurteilt die Zulässigkeit der Beschwerde gestützt auf Art. 71 Abs. 1 WRG sowie Art. 97 ff., 104 lit. a und 114 Abs. 1 OG, da es sich um eine Streitigkeit aus dem Verleihungsverhältnis handelt.
Der Wasserzins gehört zwar grundsätzlich zu den wohlerworbenen Rechten gemäss Art. 43 Abs. 1 WRG. Eine Erhöhung ist jedoch zulässig, wenn die Konzession dies vorsieht oder die Parteien einen entsprechenden Vorbehalt so verstanden haben. Angesichts der vertragsähnlichen Natur der Konzession ist massgebend, wie der allgemeine Gesetzesvorbehalt im konkreten Fall verstanden wurde. Das Bundesgericht überprüft diese Auslegung als Rechtsfrage frei.
Entscheidend ist das Verhalten der Beschwerdeführerin nach Konzessionserteilung. Sie hat frühere Erhöhungen des Wasserzinses, insbesondere die massive Steigerung von Fr. 20.- auf Fr. 40.- ab 1986 und auf Fr. 54.- ab 1990, stets ohne Vorbehalt akzeptiert. Dies lässt sich nicht mehr allein mit der Teuerung erklären, sondern zeigt, dass sie den Vorbehalt in Ziff. V/21 der Konzessionsurkunde so verstand, dass Anpassungen an das gesetzliche Maximum zulässig sind. Da keine gegenteilige Erklärung gegenüber der Behörde erfolgte, liegt kein Eingriff in die Substanz des wohlerworbenen Rechts vor. Die Erhöhung auf Fr. 80.- pro kW gemäss Art. 49 Abs. 1 WRG verstösst somit nicht gegen Art. 43 Abs. 1 WRG.
Regeste
Art. 43 Abs. 1, 49 Abs. 1, 71 Abs. 1 und 74 Abs. 3bis WRG; Erhöhung des in der Konzessionsurkunde festgesetzten Wasserzinses auf den bundesrechtlichen Höchstansatz. Das Bundesgericht beurteilt Streitigkeiten über die Erhöhung des Wasserzinses grundsätzlich im Verfahren der Verwaltungsgerichtsbeschwerde (E. 1). Der Wasserzins ist in der Konzession festzusetzen und gehört zu den wohlerworbenen Rechten (E. 3). Das verleihende Gemeinwesen kann sich die spätere Erhöhung des Zinses allerdings in der Konzession vorbehalten (E. 4a und b). Wie ein Vorbehalt der künftigen Gesetzgebung zu verstehen ist, lässt sich nicht allgemein sagen. Angesichts der vertragsähnlichen Natur der Konzession kommt es darauf an, wie der Vorbehalt von den Beteiligten verstanden wurde. Grundsätze für Ermittlung des massgeblichen Parteiwillens, Kognition des Bundesgerichts. Die Auslegung im konkreten Fall ergibt, dass die Anpassung an das bundesrechtliche Zinsmaximum (Art. 49 Abs. 1 WRG) zulässig ist (E. 4c). Regeste Art. 43 al. 1, 49 al. 1, 71 al. 1 et 74 al. 3bis LFH; augmentation de la redevance hydraulique fixée dans l'acte de concession au taux maximum prévu par le droit fédéral. Le Tribunal fédéral statue sur les litiges relatifs à l'augmentation de la redevance hydraulique en principe selon la procédure du recours de droit administratif (consid. 1). La redevance hydraulique doit être fixée dans la concession et relève des droits acquis (consid. 3). La communauté concédante peut toutefois se réserver dans la concession une augmentation ultérieure de la redevance (consid. 4a et b). Ce que signifie la réserve d'une législation future ne peut être résolu de manière générale. La concession étant de nature quasi-contractuelle, cela dépend de la manière dont les parties ont compris cette réserve. Principes applicables à la détermination de la volonté des parties, pouvoir d'examen du Tribunal fédéral. En l'espèce, l'interprétation conduit à admettre une adaptation de la redevance au taux maximum prévu par le droit fédéral (art. 49 al. 1 LFH) (consid. 4c). Regesto Art. 43 cpv. 1, 49 cpv. 1, 71 cpv. 1 e 74 cpv. 3bis LUFI; aumento fino all'aliquota massima prevista dal diritto federale del canone idrico fissato nell'atto di concessione. Il Tribunale federale si pronuncia sui litigi concernenti l'aumento del canone idrico in principio nel procedura di ricorso di diritto amministrativo (consid. 1). Il canone idrico dev'essere fissato nella concessione e fa parte dei diritti acquisiti (consid. 3). La comunità concedente può tuttavia riservarsi nella concessione un aumento ulteriore del canone (consid. 4a e b). Il significato da attribuire alla riserva in favore di una legislazione futura non può essere risolto in modo generale. Ciò dipende del modo in cui le parti hanno inteso detta riserva, dal momento che la concessione è di natura quasi-contrattuale. Principi applicabili al fine di accertare la volontà delle parti, potere d'esame del Tribunale federale. Nel caso concreto, l'interpretazione porta ad ammettere un adattamento del canone fino all'aliquota massima prevista dal diritto federale (art. 49 cpv. 1 LUFI) (consid. 4c).
Originalentscheid beim Gericht ↗
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