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Justizze. Art. 49 WRG

Bundesgericht

Wasserzinserhöhung am Hochrhein ohne Abstimmung mit Baden-Württemberg unzulässig (Art. 49 Abs. 1 Satz 3 WRG)

BGE / ATF / DTF
BGE 129 II 114 · ATF 129 II 114 · DTF 129 II 114
Datum
10.10.2002
Geschäftsnummer
BGE 129 II 114
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 49 WRG

Zusammenfassung

Die Kraftwerk Reckingen AG wehrt sich gegen die Erhöhung des Wasserzinses durch den Kanton Zürich auf den neuen gesetzlichen Höchstansatz von 80 Franken pro Kilowatt Bruttoleistung. Der Kanton stützt die Forderung auf die Revision des Bundesgesetzes über die Nutzbarmachung der Wasserkräfte. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass eine solche Erhöhung mangels vorheriger internationaler Abstimmung mit dem deutschen Nachbarland Baden-Württemberg rechtswidrig sei. Das Bundesgericht prüft die Auslegung der entsprechenden Bestimmung unter Berücksichtigung des Wortlauts in allen Amtssprachen sowie der völkerrechtlichen Praxis am Hochrhein.

Das Bundesgericht heisst die Verwaltungsgerichtsbeschwerde der Kraftwerk Reckingen AG gut und stellt fest, dass die Wasserzinserhöhung einer Abstimmung mit dem Land Baden-Württemberg bedarf. Die Auslegung von Art. 49 Abs. 1 Satz 3 WRG ergibt aus dem französischen und italienischen Wortlaut eindeutig, dass jede Änderung des Wasserzinsmaximums Gegenstand eines internationalen Abkommens oder Einvernehmens sein muss; das deutsche Adjektiv "notwendig" ändert daran nichts, da es in den anderen Sprachfassungen fehlt und die Entstehungsgeschichte eine generelle Abstimmungspflicht bestätigt. Zudem besteht aufgrund langjähriger Praxis und vertraglicher Grundlagen wie dem Vertrag vom 28. März 1929 zwischen der Schweiz und Deutschland über die Regulierung des Rheins ein nachbarrechtliches Gemeinschaftsverhältnis, das einseitige fiskalische Massnahmen ohne Zustimmung des anderen Staates ausschliesst. Da ein solches Einvernehmen trotz eingeleiteter Verhandlungen bisher nicht erzielt wurde, darf der Kanton Zürich den höheren Wasserzins nicht einfordern. Die Beschwerde wird daher im Sinne der Erwägungen gutgeheissen.

Regeste

Art. 49 Abs. 1 Satz 3 des Bundesgesetzes vom 22. Dezember 1916 über die Nutzbarmachung der Wasserkräfte (WRG); Änderung des Wasserzinses; notwendige Abstimmung im internationalen Verhältnis. Was ist unter "notwendiger Abstimmung" gemäss Art. 49 Abs. 1 Satz 3 WRG zu verstehen? Auslegung dieser Bestimmung nach dem Wortlaut (insbesondere des französischen und italienischen Textes), der Entstehungsgeschichte (E. 3) sowie aufgrund der gewohnheits- und völkerrechtlichen Verpflichtungen betreffend die Wassernutzung am Hochrhein (E. 4). Die Wasserzinse für das Kraftwerk Reckingen AG können grundsätzlich nur im Einvernehmen mit dem Land Baden-Württemberg erhöht werden. Gutheissung der Beschwerde. Regeste Art. 49 al. 1 3e phrase de la loi fédérale du 22 décembre 1916 sur l'utilisation des forces hydrauliques (LFH); modification de la redevance hydraulique; nécessité d'un accord dans les rapports internationaux. Notion d'accord international contenue à l'art. 49 al. 1 3e phrase LFH. Interprétation de cette disposition d'après son texte (en particulier dans la version française et italienne),tel qu'il a été voulu par le législateur (consid. 3), ainsi que sur la base des engagements internationaux et coutumiers en matière d'exploitation des eaux du Rhin (consid. 4). Les redevances hydrauliques à la charge des forces motrices Reckingen SA ne peuvent en principe être augmentées qu'en accord avec le Land du Bade-Wurtemberg. Admission du recours. Regesto Art. 49 cpv. 1 terza frase della legge federale del 22 dicembre 1916 sull'utilizzazione delle forze idriche (LUFI); modifica del canone idrico; necessità di un accordo nei rapporti internazionali. Nozione di "accordo internazionale" ai sensi dell'art. 49 cpv. 1 terza frase LUFI. Interpretazione di questo disposto secondo il tenore letterale (segnatamente nella versione francese ed italiana), la genesi (consid. 3), così come in base agli impegni internazionali e consuetudinari concernenti lo sfruttamento delle acque dell'alto Reno (consid. 4). I canoni idrici a carico della centrale elettrica Reckingen SA possono, in linea di principio, essere aumentati solo con l'accordo del Land del Baden-Württemberg. Accoglimento del ricorso.

Originalentscheid beim Gericht ↗

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