Justizze.

Die Schweizer Rechtsdatenbank mit KI.

Justizze. Art. 14 StHG

Bundesgericht

Kanton Bern setzt Ziel-Medianwert von 70 Prozent des Verkehrswerts für amtliche Werte fest: Bundesgericht hebt Regelung auf, weil sie gegen Art. 14 StHG verstösst

BGE / ATF / DTF
BGE 148 I 210 · ATF 148 I 210 · DTF 148 I 210
Datum
09.03.2020
Geschäftsnummer
BGE 148 I 210
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 2 AND/BE Art. 8 BV Art. 108 BV Art. 127 BV Art. 2 DEG/BE Art. 56 LI/BE Art. 56 StG/BE Art. 182 StG/BE Art. 13 StHG Art. 14 StHG

Zusammenfassung

Der Beschwerdeführer erhob beim Bundesgericht Beschwerde gegen eine Neufassung des Art. 2 Abs. 4 des Dekrets über die allgemeine Neubewertung der nichtlandwirtschaftlichen Grundstücke und Wasserkräfte des Kantons Bern (AND/BE), die einen Ziel-Medianwert im Bereich von 70 Prozent der Verkehrswerte vorsah. Er rügte, diese Norm verstoße gegen Bundesrecht, insbesondere gegen das Steuerharmonisierungsgesetz (StHG) und die Bundesverfassung. Der Kanton Bern argumentierte, die Berücksichtigung der Belastung durch die fakultative kommunale Liegenschaftssteuer rechtfertige den niedrigeren Median.

Das Bundesgericht hob die angefochtene Bestimmung auf, weil sie gegen Art. 14 Abs. 1 StHG verstösst. Der Verkehrswert ist nach dieser Norm zwingend massgebend für die Bewertung unbeweglichen Vermögens; der Ertragswert darf nur angemessen berücksichtigt werden. Ein Ziel-Medianwert von 70 Prozent führt systematisch zu einer unzulässigen Unterbewertung, da selbst unter Berücksichtigung eines weiten kantonalen Gestaltungsspielraums und eigentumspolitischer Ziele ein solcher Median nicht mit Art. 14 StHG vereinbar ist. Die vom Kanton geltend gemachte Notwendigkeit, die Belastung durch die Liegenschaftssteuer zu kompensieren, ist irrelevant, weil diese Objektsteuer bei der Festsetzung der Bemessungsgrundlage für die harmonisierte Vermögenssteuer nicht berücksichtigt werden darf. Die Liegenschaftssteuer beruht zwar auf denselben amtlichen Werten, ist aber eine rein kantonale oder kommunale Steuer und muss daher von der bundesrechtlich harmonisierten Bemessungsgrundlage getrennt bleiben. Damit verstösst Art. 2 Abs. 4 AND/BE gegen den Grundsatz des Vorrangs des Bundesrechts (Art. 108 Abs. 1 BV) und gegen Art. 8 Abs. 1 BV, da die Rechtsgleichheit verletzt würde. Das Bundesgericht stützte seine Entscheidung auf Art. 14 Abs. 1 StHG, Art. 108 Abs. 1 BV, Art. 127 Abs. 1 BV, Art. 8 Abs. 1 BV, Art. 56 Abs. 1 lit. d StG/BE, Art. 182 Abs. 1 StG/BE und Art. 2 Abs. 4 AND/BE. Die Entscheidung ist bemerkenswert, weil sie klärt, dass ein Medianwert als Bewertungsziel nicht automatisch zulässig ist, sondern anhand seiner konkreten Auswirkungen auf die Durchschnittsbewertung geprüft werden muss – und dass kantonale Steuern wie die Liegenschaftssteuer keine Rechtfertigung für Abweichungen von der bundesrechtlich vorgeschriebenen Verkehrswertbewertung darstellen.

Regeste

Art. 8 Abs. 1, Art. 49, Art. 108 Abs. 1, Art. 127 Abs. 1 BV; Art. 14 Abs. 1 StHG; Art. 56 Abs. 1 lit. d und Art. 182 Abs. 1 StG/BE bzw. Art. 2 Abs. 4 AND/BE, je in der Fassung vom 9. März 2020; verfassungsrechtliche Unhaltbarkeit eines Medians im Bereich von 70 Prozent des Verkehrswerts unbeweglichen Vermögens. Das Harmonisierungsrecht eröffnet den Kantonen und Gemeinden im Bereich der Bemessung des unbeweglichen Vermögens zwar einen weiten Gestaltungsspielraum. Auch unter Berücksichtigung desselben ist ein Ziel-Medianwert von 70 Prozent mit Art. 14 StHG nicht vereinbar; der Grundsatz des Vorrangs des Bundesrechts ist verletzt (E. 4.1-4.5). Die fakultative kommunale Liegenschaftssteuer des Kantons Bern, bei welcher es sich um eine Objektsteuer handelt, darf bei der Bemessung des unbeweglichen Vermögens nicht berücksichtigt werden, da das Vermögen zum Verkehrswert zu bewerten ist (E. 4.6). Aufhebung von Art. 2 Abs. 4 AND/BE, wonach für die Festsetzung der amtlichen Werte ein Ziel-Medianwert im Bereich von 70 Prozent der Verkehrswerte anzustreben ist (E. 4.7). Regeste Art. 8 al. 1, art. 49, art. 108 al. 1, art. 127 al. 1 Cst.; art. 14 al. 1 LHID; art. 56 al. 1 let. d et art. 182 al. 1 LI/BE respectivement art. 2 al. 4 DEG/BE, chacun dans leur teneur au 9 mars 2020; fixer une médiane à 70 pour cent de la valeur vénale des biens immobiliers est inconstitutionnel. Le droit harmonisé offre effectivement aux cantons et aux communes une autonomie importante dans le domaine de l'évaluation de la fortune immobilière. Néanmoins, même en prenant en considération cette autonomie, une valeur médiane cible de 70 pour cent n'est pas compatible avec l'art. 14 LHID; le principe de la primauté du droit fédéral est violé (consid. 4.1-4.5). L'impôt foncier communal facultatif du canton de Berne, qui est un impôt réel, ne doit pas être pris en compte dans le calcul de la fortune immobilière, car la fortune doit être évaluée à la valeur vénale (consid. 4.6). Abrogation de l'art. 2 al. 4 DEG/BE, selon lequel la valeur cible à atteindre pour fixer les valeurs officielles est une médiane proche de 70 pour cent des valeurs vénales (consid. 4.7). Regesto Art. 8 cpv. 1, art. 49, art. 108 cpv. 1, art. 127 cpv. 1 Cost.; art. 14 cpv. 1 LAID; art. 56 cpv. 1 lett. d e art. 182 cpv. 1 della legge tributaria del Canton Berna rispettivamente art. 2 cpv. 4 del decreto sulla valutazione generale degli immobili non agricoli e delle forze idrauliche, ciascuno nel suo tenore in vigore il 9 marzo 2020; una mediana nell'ordine del 70 per cento del valore venale dei beni immobili è incostituzionale. In relazione alla stima della sostanza immobiliare, il diritto armonizzato riconosce ai Cantoni e ai Comuni un margine di manovra importante. Anche tenendo conto di ciò, un valore mediano di riferimento del 70 per cento non è tuttavia compatibile con l'art. 14 LAID; il principio dela preminenza del diritto federale è violato (consid. 4.1-4.5). L'imposta fondiaria comunale facoltativa del Canton Berna, che è un'imposta reale, non può essere presa in considerazione nella stima della sostanza immobiliare, perché la sostanza deve essere valutata in base al suo valore venale (consid. 4.6). Abrogazione del'art. 2 cpv. 4 del decreto sulla valutazione generale degli immobili non agricoli e delle forze idrauliche, secondo cui per fissare i valori ufficiali occorre mirare ad una mediana prossima al 70 per cento del valore venale (consid. 4.7).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.