Justizze.

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Justizze. Art. 79b StGB

Bundesgericht

Alleinerziehende Mutter mit zwei minderjährigen Kindern verurteilt zu 4 Jahren und 6 Monaten Freiheitsstrafe: Kein Anspruch auf Vollzug in der Nähe der Kinder oder auf Halbgefangenschaft (Art. 80 StGB)

BGE / ATF / DTF
BGE 146 IV 267 · ATF 146 IV 267 · DTF 146 IV 267
Datum
17.08.2020
Geschäftsnummer
BGE 146 IV 267
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 81 BGG Art. 5 EMRK Art. 3 KRK Art. 4 KRK Art. 9 KRK Art. 37 KRK Art. 75 StGB Art. 77b StGB Art. 79b StGB Art. 80 StGB Art. 92 StGB Art. 372 StGB Art. 439 StPO Art. 307 ZGB

Zusammenfassung

Eine alleinerziehende Mutter mit einem 6-jährigen Sohn und einer 13-jährigen Tochter wurde rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 6 Monaten wegen schwerer Drogenhandels- und Geldwäschereidelikte verurteilt. Sie erhob Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen den Vollzugsbefehl und beantragte, den Vollzug aufzuschieben oder alternative Vollzugsformen wie offenen Vollzug mittels Fussfessel oder Unterbringung in einer Haftanstalt in der Nähe der Kinder anzuordnen, um das Kindeswohl zu wahren. Sie berief sich auf Verfassungs- und Völkerrechtsnormen, insbesondere die Kinderrechtskonvention und die Europäische Menschenrechtskonvention.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab. Es stellte fest, dass der Strafvollzug die zwingende gesetzliche Rechtsfolge der Straftat ist und die Trennung der Mutter von ihren Kindern eine zwangsläufige, unmittelbar gesetzmässige Folge des Vollzugs der Freiheitsstrafe darstellt. Die Beschwerdeführerin wurde zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 6 Monaten verurteilt, wodurch die beantragten alternativen Vollzugsformen wie Halbgefangenschaft (Art. 77b StGB) oder elektronische Überwachung (Art. 79b StGB) ausscheiden, da diese nur für kürzere Strafen vorgesehen sind. Auch Art. 80 StGB bietet keine Grundlage für eine Abweichung vom Normalvollzug, da die Beschwerdeführerin weder Mutter von Kleinkindern im Sinne von Art. 80 Abs. 1 lit. c StGB ist noch eine Krankheit oder Schwangerschaft vorliegt, die eine andere Vollzugsform nach Art. 80 Abs. 1 lit. a oder b StGB erfordern würde. Die Beschwerdeführerin ist nicht berechtigt, Rechte ihrer Kinder in eigenem Namen geltend zu machen, da ihr das rechtlich geschützte Interesse gemäss Art. 81 Abs. 1 lit. b BGG fehlt. Die Vollzugsbehörde wies sie in die Frauen-Vollzugsanstalt Hindelbank ein, weil dort ein progressiver Vollzug möglich ist, während die JVA Grosshof in Luzern nur für kürzere Strafdauern ausgelegt ist. Die Beschwerdeführerin hatte sich zudem geweigert, mit der Beiständin bei der Organisation einer Betreuungslösung für ihre Kinder zusammenzuarbeiten. Die Vorinstanz war ihrer Amtsermittlungspflicht vollumfänglich nachgekommen, und die Vollzugsverfügung erwies sich unter keinem Titel als willkürlich (Art. 9 BV). Die Kostenentscheidung der Vorinstanz blieb unangetastet.

Regeste

Art. 5 Ziff. 1 EMRK; Art. 11 BV; Art. 3 Abs. 1 und Art. 4 KRK; Art. 372 Abs. 1 und 3 StGB; Art. 439 Abs. 2 StPO; Strafvollzug, Vollzugsbefehl, Kindeswohl. Der Strafvollzug ist die zwingende gesetzliche Rechtsfolge der Straftat (E. 3.2.1). Die Trennung der Mutter von ihrem Kind ist eine zwangsläufige, unmittelbar gesetzmässige Folge des Vollzugs der Freiheitsstrafe und der damit verbundenen Nebenfolgen (E. 3.2.2). Das StGB und das kantonale Konkordatsrecht kennen zahlreiche Vollzugsformen für Freiheitsstrafen (E. 3.2.4). Weder die Bestimmungen der BV noch jene der KRK und der anderen menschenrechtlichen Übereinkommen hindern den Vollzug der gesetzmässigen Freiheitsstrafe. Der verurteilte Elternteil ist nicht berechtigt, gegen die Vollzugsverfügung Rechte der Kinder in eigenem Namen geltend zu machen (E. 3.3.3). Soweit die verurteilte Person nicht selber eine Betreuung ihrer Kinder organisiert, wird dies Aufgabe der Kindesschutzbehörde (KESB) sein. Das ist keine Frage des Vollzugsrechts (E. 3.4.3). Regeste Art. 5 par. 1 CEDH; art. 11 Cst.; art. 3 al. 1 et art. 4 CDE; art. 372 al. 1 et 3 CP; art. 439 al. 2 CPP; exécution des peines, ordre d'exécution, bien de l'enfant. L'exécution de la peine est la conséquence juridique impérative de l'infraction pénale (consid. 3.2.1). La séparation de la mère et de son enfant est une conséquence accessoire inévitable, conforme au droit, de l'exécution par la première d'une peine privative de liberté (consid. 3.2.2). Le code pénal et le droit concordataire prévoient de nombreuses formes d'exécution de la peine privative de liberté (consid. 3.2.4). Ni les dispositions de la Constitution ni celles de la Convention relative aux droits de l'enfant (CDE) ou d'autres conventions relatives aux droits humains ne font obstacle à l'exécution d'une peine privative de liberté conforme à la loi. Le parent condamné n'est pas légitimé à faire valoir en son nom propre des droits appartenant à l'enfant contre la décision d'exécution (consid. 3.3.3). Si la personne condamnée n'organise pas elle-même la prise en charge de l'enfant concerné, il appartient à l'autorité de protection de l'enfant d'y pourvoir. La question ne ressortit pas au droit de l'exécution des peines (consid. 3.4.3). Regesto Art. 5 n. 1 CEDU; art. 11 Cost.; art. 3 cpv. 1 e art. 4 CDF; art. 372 cpv. 1 e 3 CP; art. 439 cpv. 2 CPP; esecuzione delle pene, ordine d'esecuzione, bene del figlio. L'esecuzione della pena è la conseguenza giuridica obbligata del reato (consid. 3.2.1). La separazione della madre dal proprio figlio è un effetto diretto, inevitabile e conforme al diritto dell'esecuzione della pena detentiva e delle connesse conseguenze accessorie (consid. 3.2.2). Il CP e il diritto concordatario cantonale contemplano numerose forme di esecuzione delle pene detentive (consid. 3.2.4). Né le disposizioni della Costituzione né quelle della CDF o di altre convenzioni sui diritti umani ostano all'esecuzione di pene detentive conformi alla legge. Il genitore condannato non è legittimato a invocare, in nome proprio, i diritti dei figli contro la decisione di esecuzione (consid. 3.3.3). Nella misura in cui il condannato non organizza personalmente la presa a carico dei propri figli, spetta all'autorità di protezione dei minori provvedervi. La problematica non attiene al diritto dell'esecuzione delle pene (consid. 3.4.3).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.