Sanierung eines Wasserkraftwerks mit ehehaftem Wasserrecht: Konzession nach heutigem Recht ist Voraussetzung für Baubewilligung (Art. 80 Abs. 1 GSchG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 145 II 140 · ATF 145 II 140 · DTF 145 II 140
- Datum
- 29.03.2019
- Geschäftsnummer
- 1C_631/2017
- Abteilung
- I. Öffentlich-rechtliche Abteilung
- Ausgang
- Rückweisung
Tragende Normen
Art. 95 BGG Art. 76 BV Art. 31 GSchG Art. 32 GSchG Art. 33 GSchG Art. 80 GSchG
Zusammenfassung
Der WWF Schweiz erhob Beschwerde gegen einen kantonalen Entscheid, der Baubewilligungen für die Sanierung des Wasserkraftwerks Hammer erteilt hatte. Streit war, ob das bestehende ehehafte Wassernutzungsrecht des Eigentümers ein wohlerworbenes Recht darstellt, das eine entschädigungslose Anpassung an die heutigen Restwasservorschriften ausschliesst, und ob die vorgesehenen Fischwanderhilfen ausreichend sind. Der Regierungsrat des Kantons Zug hatte eine Restwassermenge von 400 l/s festgelegt und verschiedene Bewilligungen erteilt, ohne dass eine neue Wasserrechtskonzession vorlag.
Das Bundesgericht hob den kantonalen Entscheid auf und wies die Sache an den Regierungsrat des Kantons Zug zurück. Es stellte fest, dass ehehafte Wasserrechte nach Ablauf von 80 Jahren grundsätzlich entschädigungslos den heute geltenden Vorschriften unterstellt werden müssen und durch eine befristete Konzession nach heutigem Recht abgelöst werden müssen. Da die Sanierung des Kraftwerks Hammer eine Erneuerung der Anlagen darstellt, ist die Erteilung einer neuen Konzession Voraussetzung für alle Bau- und Ausnahmebewilligungen. Diese Voraussetzung war nicht erfüllt. Das Bundesgericht folgte damit der Rechtsprechung zu altrechtlichen Konzessionen (BGE 127 II 69) und stellte klar, dass auch ehehafte Rechte – wie Personalservituten – nach 80 Jahren an das geltende Recht anzupassen sind. Für die Beurteilung der Fischwanderhilfen hielt das Bundesgericht fest, dass das Potenzial der Unteren Lorze für die Seeforelle als gering einzustufen sei, weil die Sohlverfestigung (innere Kolmation) und die hohe Wassertemperatur geeignete Laichhabitate verhindern. Eine umfassende Sanierung des Geschiebehaushalts wäre Voraussetzung für eine Verbesserung, doch fehlen hierfür im vorliegenden Verfahren die nötigen Entscheidgrundlagen. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen wurden dem Beschwerdegegner auferlegt. Die Entscheidung ist bemerkenswert, weil sie die Anwendbarkeit der Restwasservorschriften auf ehehafte Wasserrechte klärt und die Konzessionspflicht als zwingende Voraussetzung für Sanierungsprojekte bestätigt.
Regeste
Erneuerung und Sanierung eines bestehenden Wasserkraftwerks, das sich auf ein ehehaftes Wasserrecht stützt (Art. 31 ff. und 80 GSchG; Art. 43, 54 lit. e und 58 WRG). Streitig ist, ob das 1967 vom Kanton anerkannte ehehafte Wasserrecht einer integralen Restwassersanierung des bestehenden Kraftwerks entgegensteht (E. 2 und 3). Überblick über Rechtsprechung und Literatur zu den wohlerworbenen Rechten (E. 4) und den ehehaften Rechten (E. 5). Sondernutzungskonzessionen ohne zeitliche Begrenzung sind verfassungswidrig (E. 4.4). Das ehehafte Wasserrecht des Beschwerdegegners gewährt ein Sondernutzungsrecht an einem öffentlichen Gewässer (E. 6.3), das nicht unbefristet gelten kann, sondern nur bis zur Amortisation der getätigten Investitionen, längstens für 80 Jahre (E. 6.4). Es ist daher heute (entschädigungslos) dem aktuellen Recht zu unterstellen. Für die Fortführung der Wassernutzung bedarf es deshalb einer Konzession; einzuhalten sind die gesetzlichen Vorschriften für Neuanlagen, einschliesslich der Restwasservorschriften (E. 6.5). Regeste Rénovation et assainissement d'une centrale hydroélectrique qui bénéficie d'un droit d'eau immémorial (art. 31 ss et 80 LEaux; art. 43, 54 let. e et 58 LFH). La contestation porte sur le point de savoir si le droit d'eau immémorial accordé en 1967 par le canton fait obstacle à un assainissement intégral du débit résiduel de la centrale hydroélectrique (consid. 2 et 3). Rappel de la jurisprudence et de la doctrine relatives aux droits acquis (consid. 4) et aux droits immémoriaux (consid. 5). L'octroi de concessions d'usage privatif sans limite de temps est anticonstitutionnel (consid. 4.4). Le droit d'eau immémorial dont bénéficie l'intimé garantit un droit d'usage privatif sur un cours d'eau public (consid. 6.3), dont la durée ne saurait être illimitée, mais qui prend fin une fois les investissements engagés amortis et au plus tard 80 ans après son octroi (consid. 6.4). Il est soumis aujourd'hui (sans indemnité) au droit actuel. La poursuite de l'utilisation des eaux nécessite une concession; les prescriptions applicables aux installations nouvelles doivent être respectées, y compris celles relatives aux débits résiduels (consid. 6.5). Regesto Rinnovo e risanamento di una centrale idroelettrica esistente che beneficia di un diritto d'acqua immemorabile (art. 31 segg. e 80 LPAc; art. 43, 54 lett. e e 58 LUFI). È litigiosa la questione di sapere se il diritto d'acqua immemorabile riconosciuto nel 1967 dal Cantone osta a un risanamento integrale del deflusso residuale della centrale idroelettrica esistente (consid. 2 e 3). Richiamo della giurisprudenza e della dottrina relative ai diritti acquisiti (consid. 4) e ai diritti immemoriali (consid. 5). Il rilascio di concessioni d'uso esclusivo senza limitazioni temporali è anticostituzionale (consid. 4.4). Il diritto d'acqua immemorabile di cui beneficia l'opponente garantisce un diritto d'uso esclusivo su un corso d'acqua pubblico (consid. 6.3), che non può essere di durata illimitata, ma può valere solo fino all'ammortamento degli investimenti eseguiti, al massimo per 80 anni (consid. 6.4). Deve perciò essere oggi sottoposto (senza indennizzo) al diritto attuale. Per continuare l'utilizzazione delle acque occorre quindi una concessione; devono essere rispettate le disposizioni legali applicabili ai nuovi impianti, comprese quelle relative ai deflussi residuali (consid. 6.5).
Originalentscheid beim Gericht ↗
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