Justizze.

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Justizze. Art. 117 StGB

Bundesgericht

Lastwagenlenker biegt rechts ab und überrollt Radfahrer: Keine fahrlässige Tötung, da Einspuren korrekt und Rechtsvorbeifahren unzulässig (Art. 117 StGB)

BGE / ATF / DTF
BGE 143 IV 138 · ATF 143 IV 138 · DTF 143 IV 138
Datum
14.03.2017
Geschäftsnummer
BGE 143 IV 138
Ausgang
Rückweisung

Tragende Normen

Art. 42 OCR Art. 26 SVG Art. 35 SVG Art. 36 SVG Art. 12 StGB Art. 117 StGB Art. 13 VRV Art. 42 VRV

Zusammenfassung

Ein Lastwagenlenker fuhr am 29. Juni 2012 auf der Luzernerstrasse in Root in Richtung Dierikon. Hinter ihm befand sich ein Radfahrer. Als der Lastwagenlenker nach rechts in die Neue Perlenstrasse abbog, überrollte er den Radfahrer, der kurz darauf starb. Das Bezirksgericht Z. verurteilte den Lastwagenlenker wegen fahrlässiger Tötung zu einer bedingten Geldstrafe und einer Verbindungsbusse. Das Kantonsgericht Luzern bestätigte das Urteil. Der Lastwagenlenker erhob Beschwerde in Strafsachen und beantragte Freispruch vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung.

Das Bundesgericht hob das Urteil auf und verwies die Sache zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurück. Es stellte fest, dass das Rechtsvorbeifahren an einem Fahrzeug mit eingeschalteter rechter Richtungsanzeige in einer sich bewegenden Kolonne unzulässig ist, weil der Radfahrer den Weg des abbiegenden Fahrzeugs hätte schneiden müssen. Der Lastwagenlenker hatte etwa 20 bis 40 Meter vor der Kreuzung den rechten Blinker gesetzt, wodurch ein gefahrloses Vorbeifahren unmöglich wurde. Der Abstand von 39 cm zwischen Lastwagen und Trottoir genügte nach Art. 36 Abs. 1 SVG für das Einspuren, da es nicht erforderlich ist, so weit rechts zu fahren, dass ein Vorbeikommen unmöglich wird; es genügt, dass vernünftigerweise nicht mehr damit gerechnet werden muss. Der Lastwagenlenker durfte daher gemäss Art. 26 Abs. 1 SVG darauf vertrauen, beim Abbiegen nicht rechts überholt zu werden. Eine Sorgfaltspflichtverletzung im Sinne von Art. 117 StGB i.V.m. Art. 12 Abs. 3 StGB lag nicht vor, weil der Lastwagenlenker sich verkehrsgemäss verhielt und die Gefährdung durch das rechtswidrige Verhalten des Radfahrers entstand. Die Entscheidung klärt die Anwendung von Art. 42 Abs. 3 VRV und Art. 35 SVG im Verhältnis zum Rechtsvorbeifahren an signalisierenden Fahrzeugen in bewegten Kolonnen und präzisiert den Umfang der Einspurpflicht nach Art. 36 Abs. 1 SVG.

Regeste

Art. 117 StGB; Art. 35 SVG; Art. 42 Abs. 3 VRV; Art. 36 Abs. 1 SVG; fahrlässige Tötung, Sorgfaltspflichtverletzung; Rechtsvorbeifahren an einer Motorfahrzeugkolonne; Einspuren. Nach Art. 42 Abs. 3 VRV dürfen Radfahrer an einer Motorfahrzeugkolonne vorbeifahren, wenn genügend freier Raum vorhanden ist. In einer sich bewegenden Kolonne ist das Rechtsvorbeifahren an einem Fahrzeug mit eingeschalteter rechter Richtungsanzeige unzulässig (E. 2.2.1). Nach Art. 36 Abs. 1 SVG hat sich an den rechten Strassenrand zu halten, wer rechts abbiegen will. Es ist nicht erforderlich, derart rechts zu fahren, dass ein Vorbeikommen an der rechten Seite unmöglich ist. Es genügt, wenn der Abstand derart ist, dass vernünftigerweise nicht mehr damit gerechnet werden muss (E. 2.2.3). Regeste Art. 117 CP; art. 35 LCR; art. 42 al. 3 OCR; art. 36 al. 1 LCR; homicide par négligence, violation du devoir de prudence; dépassement par la droite d'une colonne de véhicules automobiles; position de présélection. Selon l'art. 42 al. 3 OCR, les cyclistes peuvent devancer une file de véhicules automobiles par la droite lorsqu'ils disposent d'un espace libre suffisant. Dans une colonne en mouvement, ils ne peuvent pas devancer par la droite un véhicule qui a signalé son intention de tourner à droite au moyen de son indicateur de direction (consid. 2.2.1). Selon l'art. 36 al. 1 LCR, le conducteur qui veut obliquer à droite serrera le bord droit de la chaussée. Il n'est pas nécessaire de se rapprocher du bord droit de manière telle que tout dépassement par la droite devienne impossible. Il suffit que l'espace soit tel que l'on ne puisse raisonnablement plus s'attendre à un dépassement par la droite (consid. 2.2.3). Regesto Art. 117 CP; art. 35 LCStr; art. 42 cpv. 3 ONC; art. 36 cpv. 1 LCStr; omicidio colposo, violazione del dovere di diligenza; superamento a destra di una colonna di veicoli a motore; preselezione. Giusta l'art. 42 cpv. 3 ONC, i ciclisti possono avanzare sulla destra di una colonna di veicoli a motore se vi è sufficiente spazio libero. In una colonna in movimento, non possono avanzare sulla destra di un veicolo che ha indicato la sua intenzione di voltare a destra mediante l'indicatore di direzione (consid. 2.2.1). Secondo l'art. 36 cpv. 1 LCStr, chi vuole voltare a destra deve tenersi sul margine destro della carreggiata. Non è necessario tenersi a tal punto sul margine destro da impedire qualsiasi passaggio sul lato destro. È sufficiente che lo spazio sia tale da non dover ragionevolmente più aspettarsi un superamento a destra (consid. 2.2.3).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.