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Justizze. Art. 80 BGG

Bundesgericht

Österreichisches Strafurteil soll in der Schweiz vollstreckt werden: Exequaturverfahren muss zweistufig sein und als Urteil ergehen, rechtliches Gehör verletzt (Art. 105 und 106 IRSG)

BGE / ATF / DTF
BGE 142 IV 170 · ATF 142 IV 170 · DTF 142 IV 170
Datum
01.03.2016
Geschäftsnummer
6B_346/2015
Abteilung
Strafrechtliche Abteilung
Ausgang
Rückweisung

Tragende Normen

Art. 80 BGG Art. 104 IRSG Art. 105 IRSG Art. 106 IRSG Art. 55 StPO

Zusammenfassung

Ein in Österreich rechtskräftig verurteilter Schweizer beantragte beim Bundesgericht die Aufhebung eines Beschlusses des Obergerichts des Kantons Bern, mit dem österreichische Urteile für vollstreckbar erklärt worden waren. Der Beschwerdeführer rügte, er sei im Exequaturverfahren nicht angehört worden und ihm stehe ein kantonales Rechtsmittel zur Verfügung. Die Generalstaatsanwaltschaft verzichtete auf eine Vernehmlassung. Es war streitig, ob das Exequaturverfahren nach schweizerischem Recht einstufungs- und formgerecht durchgeführt wurde und ob der Beschwerdeführer rechtliches Gehör hatte.

Das Bundesgericht hob den Beschluss des Obergerichts des Kantons Bern auf und wies die Sache zur Neubeurteilung zurück. Die Vorinstanz hatte in erster und einziger Instanz über das Exequaturbegehren entschieden, was Art. 106 Abs. 3 Satz 2 IRSG und Art. 80 Abs. 2 BGG widerspricht, da ein zweistufiger kantonaler Instanzenzug vorgeschrieben ist. Zudem erfolgte der Entscheid nicht als begründetes Urteil gemäss Art. 106 Abs. 3 Satz 1 IRSG, sondern als Beschluss. Ferner verletzte die Vorinstanz Art. 105 IRSG, indem sie den Beschwerdeführer und seinen Rechtsbeistand vor dem Entscheid nicht anhörte. Art. 55 Abs. 4 StPO ist nicht vorrangig gegenüber Art. 106 IRSG, weil Art. 54 StPO klare Vorrangregelungen zugunsten anderer Bundesgesetze wie des IRSG enthält. Das Bundesgericht stellte fest, dass Art. 106 IRSG die lex specialis darstellt und der Gesetzgeber vom zweistufigen kantonalen Instanzenzug im Exequaturverfahren nicht abweichen wollte. Es wurden keine Gerichtskosten erhoben, und der Kanton Bern hat den Beschwerdeführer mit Fr. 3'000.-- zu entschädigen. Die Entscheidung präzisiert die strikte Anwendung des zweistufigen kantonalen Rechtswegs im Exequaturverfahren und die Unabdingbarkeit des rechtlichen Gehörs gemäss IRSG.

Regeste

Art. 106 Abs. 3 IRSG; Art. 80 Abs. 2 BGG; Art. 55 Abs. 4 StPO; Instanzenzug im Exequaturverfahren. Art. 106 Abs. 3 Satz 2 IRSG und Art. 80 Abs. 2 BGG sehen im Exequaturverfahren einen zweistufigen kantonalen Instanzenzug vor. Mit dem Inkrafttreten der StPO hat sich daran nichts geändert. Die Regelung von Art. 55 Abs. 4 StPO, wonach die Beschwerdeinstanz zuständig ist, wenn das Bundesrecht Aufgaben der internationalen Rechtshilfe einer richterlichen Behörde zuweist, tritt hinter die lex specialis zurück. Der Entscheid über das Exequaturbegehren hat in der Form eines begründeten Urteils zu ergehen. Gegen den erstinstanzlichen Exequaturentscheid kann Berufung geführt werden (E. 1.3.2.). Regeste Art. 106 al. 3 EIMP; art. 80 al. 2 LTF; art. 55 al. 4 CPP; voies de droit dans la procédure d'exequatur. Les art. 106 al. 3, 2 e phrase, EIMP et 80 al. 2 LTF prévoient une double instance cantonale dans le cadre de la procédure d'exequatur. L'entrée en vigueur du CPP n'y change rien. La lex specialis l'emporte sur l'art. 55 al. 4 CPP, à teneur duquel l'autorité de recours est compétente lorsque le droit fédéral confère des tâches d'entraide judiciaire internationale à une autorité judiciaire. La décision d'exequatur est rendue sous forme d'un jugement motivé. La décision d'exequatur de première instance peut faire l'objet d'un appel (consid. 1.3.2). Regesto Art. 106 cpv. 3 AIMP; art. 80 cpv. 2 LTF; art. 55 cpv. 4 CPP; corso delle istanze nella procedura d'exequatur. L'art. 106 cpv. 3 secondo periodo AIMP e l'art. 80 cpv. 2 LTF prevedono un doppio grado di giudizio cantonale nella procedura d'exequatur. L'entrata in vigore del CPP nulla ha mutato al riguardo. La lex specialis prevale sulla regolamentazione dell'art. 55 cpv. 4 CPP secondo cui, se il diritto federale assegna compiti di assistenza giudiziaria a un'autorità giudiziaria, è competente la giurisdizione di reclamo. La decisione sull'istanza d'exequatur dev'essere emanata in forma di sentenza motivata. La decisione d'exequatur di prima istanza può essere impugnata mediante appello (consid. 1.3.2).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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