Justizze.

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Justizze. Art. 15 FZG

Bundesgericht

Freizügigkeitsguthaben: Keine Kürzung wegen Unterdeckung, aber keine Überweisung an liechtensteinisches Freizügigkeitskonto (Art. 13 Abs. 5 FZV)

BGE / ATF / DTF
BGE 140 V 476 · ATF 140 V 476 · DTF 140 V 476
Datum
21.08.2014
Geschäftsnummer
BGE 140 V 476
Abteilung
CH_BGE_007
Ausgang
Teilweise gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 2 FZG Art. 3 FZG Art. 4 FZG Art. 15 FZG Art. 10 FZV Art. 12 FZV Art. 13 FZV Art. 19 FZV Art. 19a FZV

Zusammenfassung

Ein im Fürstentum Liechtenstein wohnhafter Versicherte liess sein Freizügigkeitskonto bei einer schweizerischen Vorsorgestiftung aufheben und beantragte die Überweisung des Guthabens auf ein neu eröffnetes Freizügigkeitskonto bei einer liechtensteinischen Bank. Die Vorsorgestiftung nahm vor der Auszahlung eine Bewertungskorrektur von Fr. 6'849.50 vor, da sie durch geänderte Anlagevorschriften Verluste erlitten hatte. Der Versicherte klagte beim kantonalen Gericht auf Auszahlung des gekürzten Betrages auf das liechtensteinische Konto. Das Verwaltungsgericht hiess die Klage gut und verpflichtete die Stiftung zur Zahlung auf das liechtensteinische Freizügigkeitskonto. Dagegen erhoben sowohl die Vorsorgestiftung als auch das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bundesgericht.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde der Vorsorgestiftung ab, hiess jedoch die Beschwerde des BSV gut. Es entschied, dass die von der Stiftung vorgenommene Bewertungskorrektur unzulässig war. Bei einem Freizügigkeitskonto in Form einer reinen Sparlösung entspricht die Höhe des Vorsorgekapitals gemäss Art. 13 Abs. 5 FZV der eingebrachten Austrittsleistung mit Zins. Eine Kürzung wegen versicherungstechnischer Unterdeckung ist hier gesetzlich ausgeschlossen. Auch wenn man die Situation als anlagegebundene Sparlösung (Wertschriftensparen) betrachten würde, wäre die Korrektur sachlich unbegründet, da die neuen Anlagevorschriften (Art. 19 f. FZV) nur reine Sparlösungen betreffen und bei Wertschriftensparen der aktuelle Anlagenwert massgebend wäre, was eine solche pauschale Korrektur erübrigen würde. Die Stiftung konnte sich auch nicht erfolgreich auf eine analoge Anwendung der Regeln zur Teilliquidation berufen, da die Anpassung an neue Anlagevorschriften keine belegschaftliche oder unternehmensstrukturelle Veränderung darstellt.

Hingegen gab das Bundesgericht dem BSV recht bezüglich des Zielkontos. Eine grenzüberschreitende Übertragung von Freizügigkeitsmitteln ist nur im Verhältnis zu Liechtenstein gestützt auf das Zweite Zusatzabkommen zum Sozialversicherungsabkommen von 1989 (Ziff. 20 Schlussprotokoll) möglich. Diese Bestimmung verlangt zwingend, dass die berufliche Vorsorge aus Anlass eines Stellenwechsels in der zuständigen liechtensteinischen *Vorsorgeeinrichtung* (nicht in einer Freizügigkeitseinrichtung) unmittelbar weitergeführt wird. Da der Versicherte die Überweisung auf ein liechtensteinisches *Freizügigkeitskonto* verlangte, fehlte es an einer Rechtsgrundlage. Das Guthaben muss daher auf ein Freizügigkeitskonto bei einer in der Schweiz domizilierten Einrichtung überwiesen werden.

Regeste

a Art. 4 FZG; Art. 10, Art. 13 Abs. 5 und Art. 19 FZV; Überweisung eines Freizügigkeitsguthabens von einer Freizügigkeitseinrichtung an eine andere. Eine Bewertungskorrektur der Freizügigkeitsleistung wegen versicherungstechnischer Unterdeckung ist jedenfalls unzulässig: bei einer reinen Sparlösung aufgrund des Wortlautes von Art. 13 Abs. 5 FZV; im Falle einer anlagegebundenen Sparlösung (Wertschriftensparen) infolge sachlicher Unbegründetheit (E. 2). Regeste b Art. 3 Abs.1 FZG; Ziff. 20 lit. a Schlussprotokoll des Abkommens vom 8. März 1989 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und dem Fürstentum Liechtenstein über Soziale Sicherheit. Eine Rechtsgrundlage für die grenzüberschreitende Übertragung von Freizügigkeitsmitteln (Austrittsleistungen nach Art. 2 FZG und Guthaben nach Art. 10 FZV) besteht nur im Verhältnis zu Liechtenstein. Erforderlich ist, dass die berufliche Vorsorge aus Anlass eines Stellenwechsels in der (nach dem liechtensteinischen Gesetz vom 20. Oktober 1987 über die betriebliche Personalvorsorge) zuständigen Vorsorgeeinrichtung - und somit nicht in einer Freizügigkeitseinrichtung - unmittelbar weitergeführt wird (E. 3). Regeste a Art. 4 LFLP; art. 10, art. 13 al. 5 et art. 19 OLP; transfert de l'avoir de libre passage d'une institution de libre passage à une autre. Une correction de valeur apportée à la prestation de libre passage en raison d'un découvert actuariel est de toute façon inadmissible, dans un cas d'épargne pure à cause de la teneur de l'art. 13 al. 5 OLP et dans un cas d'épargne liée (épargne-titres) par suite d'absence de fondement objectif (consid. 2). Regeste b Art. 3 al. 1 LFLP; ch. 20 let. a du Protocole final de la Convention de sécurité sociale du 8 mars 1989 entre la Confédération suisse et la Principauté de Liechtenstein. Une base juridique portant sur le transfert transfrontalier des avoirs de libre passage (prestation de sortie selon l'art. 2 LFLP et avoir selon l'art. 10 OLP) n'existe que dans les relations avec le Liechtenstein. A l'occasion d'un changement d'emploi, il est nécessaire que la prévoyance professionnelle soit maintenue sans interruption dans l'institution de prévoyance compétente (selon la loi liechtensteinoise du 20 octobre 1987 sur la prévoyance d'entreprise) et, partant, pas dans une institution de libre passage (consid. 3). Regesto a Art. 4 LFLP; art. 10, art. 13 cpv. 5 e art. 19 OLP; trasferimento dell'avere di libero passaggio da un istituto di libero passaggio a un altro. Una rettifica di valutazione della prestazione di libero passaggio in ragione di una sottocopertura tecnica è in ogni caso inammissibile nel caso di conto di libero passaggio sotto forma di risparmio puro in virtù dell'art. 13 cpv. 5 OLP e nel caso di conto di libero passaggio sotto forma di risparmio vincolato a investimenti (risparmio in titoli) per l'assenza di un motivo oggettivo (consid. 2). Regesto b Art. 3 cpv. 1 LFLP; cifra 20 lett. a del Protocollo finale della Convenzione di sicurezza sociale conclusa l'8 marzo 1989 tra la Confederazione Svizzera e il Principato del Liechtenstein. Una base legale relativa al trasferimento transfrontaliero di prestazioni di libero passaggio (prestazioni di uscita secondo l'art. 2 LFLP e averi secondo l'art. 10 OLP) esiste solo per rapporto al Liechtenstein. In occasione di un cambiamento di impiego, è necessario che la previdenza professionale sia mantenuta senza interruzione nell'istituto di previdenza competente (secondo la legge del Liechtenstein del 20 ottobre 1987 sulla previdenza delle imprese) e pertanto non in un istituto di libero passaggio (consid. 3).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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