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Justizze. Art. 61 BGBB

Bundesgericht

Erwerb eines landwirtschaftlichen Gewerbes durch AG trotz umgezontem Grundstück: Bewilligung verweigert wegen drohender Umgehung, Sache zurückgewiesen (Art. 61 ff. BGBB)

BGE / ATF / DTF
BGE 140 II 233 · ATF 140 II 233 · DTF 140 II 233
Datum
18.03.2014
Geschäftsnummer
2C_212/2013
Abteilung
II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Rückweisung

Tragende Normen

Art. 2 BGBB Art. 4 BGBB Art. 7 BGBB Art. 61 BGBB Art. 63 BGBB Art. 64 BGBB

Zusammenfassung

Ein Landwirt und seine neu gegründete Aktiengesellschaft beantragten beim kantonalen Landwirtschaftsamt die Bewilligung zum Erwerb seines landwirtschaftlichen Gewebes. Ein Teilgrundstück war zuvor in die Wohnzone umgezont worden. Die Vorinstanzen lehnten die Bewilligung ab, da befürchtet wurde, dass das Hauptaktivum der Gesellschaft nicht mehr aus einem landwirtschaftlichen Gewerbe bestehe und dies zu einer Umgehung des bäuerlichen Bodenrechts führen könnte. Die Beschwerdeführer rügten diese Begründung als unzutreffend.

Das Bundesgericht heisst die Beschwerde gut und weist die Sache zur neuen Beurteilung an das Amt für Landwirtschaft zurück. Es hält fest, dass die Verweigerung der Bewilligung wegen einer bloss theoretischen Möglichkeit einer künftigen Gesetzesumgehung nicht zulässig ist.

Entscheidend ist, dass das umgezonte Grundstück Q.________ nach Art. 2 Abs. 2 lit. c BGBB weiterhin dem Geltungsbereich des Gesetzes unterliegt und somit von Gesetzes wegen Bestandteil des landwirtschaftlichen Gewerbes bleibt (Art. 7 Abs. 3 BGBB). Solange keine konstitutive Ausnahmebewilligung nach Art. 60 BGBB erteilt wurde, besteht kein Grund, das Hauptaktivum der Gesellschaft als nicht-landwirtschaftlich einzustufen. Die Vorinstanz hatte diese Frage zwar offengelassen, ihre Annahme einer drohenden Umgehung basierte jedoch auf falschen Prämissen.

Das Gericht betont zudem, dass auch ohne Anwendung von Art. 4 Abs. 2 BGBB jede Übertragung von Aktien einer Gesellschaft, die ein landwirtschaftliches Gewerbe besitzt, als Rechtsgeschäft gilt, das wirtschaftlich einer Eigentumsübertragung gleichkommt. Gemäss Art. 61 Abs. 3 BGBB unterliegt daher auch die Veräusserung solcher Anteile der Bewilligungspflicht nach Art. 61 ff. BGBB. In diesem Verfahren sind die Schutzziele des Gesetzes, insbesondere das Selbstbewirtschafterprinzip (Art. 63 Abs. 1 lit. a BGBB), zu prüfen. Eine Umgehung liegt nicht vor, wenn der Mehrheitsaktionär selbstbewirtschaftet; die Gefahr einer späteren Umgehung durch Nichtselbstbewirtschafter kann durch Auflagen verhindert werden.

Zur Sicherstellung der Kontrolle ordnet das Gericht an, dass die Bewilligung mit Auflagen zu versehen sei, insbesondere dass das Kapital der Aktiengesellschaft ausschliesslich aus Namenaktien bestehen muss, die von natürlichen Personen gehalten werden. Dies schliesst Holdingstrukturen aus, welche die Kontrolle gefährden könnten. Die Sache geht zurück, damit diese Auflagen verfügt und die bisher nicht materiell beurteilten Gesuchspunkte behandelt werden.

Regeste

Art. 4 Abs. 2 und Art. 61 ff. (insbesondere Art. 61 Abs. 3 und Art. 63) BGBB: Auch juristische Personen können, sofern sie als Selbstbewirtschafter gelten, landwirtschaftliche Gewerbe erwerben und veräussern. Jede Veräusserung von Anteilen an einer juristischen Person, die ein landwirtschaftliches Gewerbe besitzt, unterliegt der Bewilligungspflicht von Art. 61 ff. BGBB. Geltungsbereich des BGBB für juristische Personen (E. 3). Soll zusammen mit einem landwirtschaftlichen Gewerbe ein Baulandgrundstück in eine Aktiengesellschaft überführt werden, das für sich allein viel mehr Wert hat als das ganze übrige landwirtschaftliche Gewerbe zusammen, kann der Gesellschaft die Erwerbsbewilligung nicht wegen einer bloss theoretischen Möglichkeit einer allfälligen künftigen Gesetzes-umgehung verweigert werden. Die Bewilligung ist vielmehr - unter Auflagen - zu erteilen. Für die Erwerberin gilt aber, sofern sie ihre Aktien zu einem späteren Zeitpunkt ganz oder teilweise veräussert: Jede Übertragung von Anteilen einer Gesellschaft, die ein landwirtschaftliches Gewerbe besitzt, kommt wirtschaftlich einer teilweisen Eigentumsübertragung desselben gleich und untersteht unabhängig von Art. 4 Abs. 2 BGBB in jedem Fall der Bewilligungspflicht und einem entsprechenden Verfahren nach Art. 61 ff. BGBB. Damit können die Anforderungen von Art. 63 BGBB und die damit verbundenen gesetzlichen Ziele weiterhin durchgesetzt werden (E. 4 und 5). Regeste Art. 4 al. 2 et art. 61 ss (en particulier art. 61 al. 3 et art. 63) LDFR: les personnes morales peuvent également acquérir et aliéner des entreprises agricoles, dès lors qu'elles sont réputées être des exploitants à titre personnel. Toute aliénation de parts d'une personne morale détenant une entreprise agricole est soumise à l'autorisation prévue aux art. 61 ss LDFR. Champ d'application de la LDFR pour les personnes morales (consid. 3). Si un terrain à bâtir est transféré avec une entreprise agricole à une société anonyme et que ce terrain représente à lui seul bien plus de valeur que toute l'entreprise agricole restante, la société ne peut se voir refuser l'autorisation d'acquérir en raison d'une simple possibilité théorique d'un abus de droit futur. L'autorisation doit au contraire être accordée, sous conditions. Pour l'acquéreuse qui aliène partiellement ou totalement ses actions ultérieurement: chaque transfert de parts à une société qui détient une entreprise agricole équivaut économiquement à un transfert partiel de propriété assujetti à chaque fois, indépendamment de l'art. 4 al. 2 LDFR, à autorisation et à la procédure correspondante des art. 61 ss LDFR. C'est ainsi que les exigences de l'art. 63 LDFR et les objectifs légaux qui y sont liés peuvent être mis en oeuvre (consid. 4 et 5). Regesto Art. 4 cpv. 2 e art. 61 segg. (in particolare art. 61 cpv. 3 e art. 63) LDFR: nella misura in cui valgano quali coltivatori diretti, anche le persone giuridiche possono acquistare e alienare aziende agricole. Ogni alienazione di parti di una persona giuridica che detiene un'azienda agricola sottostà all'autorizzazione prevista dall'art. 61 segg. LDFR. Campo d'applicazione della LDFR per le persone giuridiche (consid. 3). Se, insieme ad un'azienda agricola, viene trasferito ad una società anonima anche un terreno edificabile, che ha per sé solo molto più valore di tutta l'azienda agricola restante nel suo complesso, alla società non può venire rifiutata l'autorizzazione d'acquisto in ragione di una semplice possibilità teorica di un'eventuale futura elusione della legge. L'autorizzazione deve al contrario essere accordata, vincolandola al rispetto di condizioni. Se, in un secondo tempo, l'acquirente vende parzialmente o totalmente le sue azioni, vale però: ogni trasferimento di parti di una società che detiene un'azienda agricola equivale economicamente a un trasferimento parziale di proprietà della stessa e sottostà in ogni caso, indipendentemente dall'art. 4 cpv. 2 LDFR, all'obbligo di autorizzazione e alla corrispondente procedura secondo l'art. 61 segg. LDFR. In questo modo, le condizioni previste dall'art. 63 LDFR e gli obiettivi legali che sottendono allo stesso possono continuare ad essere rispettati (consid. 4 e 5).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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