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Justizze. Art. 56 SBG

Bundesgericht

Betrieb von Spielautomaten ohne ESBK-Qualifizierung: Keine Strafbarkeit nach Spielbankengesetz mangels Feststellungsverfügung (Art. 56 Abs. 1 lit. a SBG)

BGE / ATF / DTF
BGE 138 IV 106 · ATF 138 IV 106 · DTF 138 IV 106
Datum
16.03.2012
Geschäftsnummer
BGE 138 IV 106
Abteilung
CH_BGE_006
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 3 SBG Art. 56 SBG Art. 61 VSBG Art. 64 VSBG

Zusammenfassung

Die Eidgenössische Spielbankenkommission beschuldigte X., als Verwaltungsratsmitglied der Y. AG zwischen März und Mai 2006 in drei Luzerner Gaststätten Spielautomaten des Typs "Tropical Shop" betrieben und Gewinne bar ausgezahlt zu haben. Die Kommission verhängte eine Busse sowie eine Ersatzforderung gegen die Y. AG. Das Obergericht Luzern sprach X. frei und hob die Einziehungsverfügung auf, woraufhin die Kommission Beschwerde beim Bundesgericht erhob und die Bestätigung der erstinstanzlichen Verurteilung beantragte.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde der Eidgenössischen Spielbankenkommission ab, da der Tatbestand des gewerbsmässigen Betreibens von Glücksspielen ausserhalb konzessionierter Spielbanken gemäss Art. 56 Abs. 1 lit. a SBG für den fraglichen Zeitraum nicht erfüllt war.

Entscheidend war, dass während des Betriebs der Automaten vom März bis zum 16. Mai 2006 noch keine Feststellungsverfügung der Eidgenössischen Spielbankenkommission vorlag, welche die Geräte als Glücksspielautomaten qualifizierte. Eine solche Verfügung erging erst am 2. August 2006. Gemäss der gesetzlichen Systematik des Spielbankengesetzes und der Spielbankenverordnung obliegt die Prüfung und Entscheidung über die Qualifikation eines Automaten ausschliesslich der Fachbehörde. Wer einen Geldspielautomaten in Verkehr setzen will, muss ihn der Kommission vorführen (Art. 61 Abs. 1 VSBG), welche aufgrund der Unterlagen entscheidet (Art. 64 Abs. 1 VSBG) und ihre Entscheide veröffentlicht (Art. 64 Abs. 3 VSBG).

Da diese administrative Vorabklärung fehlte, konnte der Straftatbestand von Art. 56 Abs. 1 lit. a SBG vor Erlass der Verfügung nicht erfüllt sein. Es kann nicht Aufgabe des Strafrichters sein, bei Fehlen einer entsprechenden Verfügung der Eidgenössischen Spielbankenkommission vorfrageweise selbst zu beurteilen, ob ein Gerät als Glücks- oder Geschicklichkeitsspielautomat zu qualifizieren ist. Dies würde dem Risiko widersprüchlicher Entscheide entgegenstehen. Ob allenfalls andere Tatbestände wie das Aufstellen ohne Prüfung (Art. 56 Abs. 1 lit. c SBG) erfüllt wären, blieb offen, da diese weder angeklagt noch Gegenstand des Verfahrens waren.

Regeste

Organisieren oder gewerbsmässiges Betreiben von Glücksspielen ausserhalb konzessionierter Spielbanken (Art. 56 Abs. 1 lit. a SBG). Der Betrieb eines Spielautomaten ausserhalb einer konzessionierten Spielbank kann diesen Straftatbestand nur erfüllen, wenn der Automat durch Verfügung der Eidgenössischen Spielbankenkommission als Glücksspielautomat qualifiziert worden ist und allfällige Rechtsmittel gegen diese Verfügung keine aufschiebende Wirkung haben. Fehlt eine Verfügung der Eidgenössischen Spielbankenkommission, kann es nicht die Aufgabe des Strafrichters sein, vorfrageweise darüber zu entscheiden, ob das Gerät als Glücksspielautomat zu qualifizieren ist (E. 5.3.2). Regeste Organisation ou exploitation par métier de jeux de hasard à l'extérieur d'une maison de jeu (art. 56 al. 1 let. a LMJ). L'exploitation d'une machine à sous hors d'une maison de jeu ne peut réaliser cette infraction que si l'automate a été qualifié comme appareil à sous servant aux jeux de hasard par une décision de la Commission fédérale des maisons de jeu, et que le recours éventuel contre cette décision n'ait pas d'effet suspensif. En l'absence de décision de la Commission fédérale des maisons de jeu, il ne peut incomber au juge pénal d'examiner à titre préjudiciel si la machine doit être qualifiée comme appareil à sous servant aux jeux de hasard (consid. 5.3.2). Regesto Organizzazione o gestione per mestiere di giochi d'azzardo al di fuori delle case da gioco concessionarie (art. 56 cpv. 1 lett. a LCG). La gestione di un apparecchio automatico da gioco al di fuori di una casa da gioco concessionaria può adempiere questa fattispecie penale solo se l'apparecchio è stato qualificato come apparecchio automatico per i giochi d'azzardo con decisione della Commissione federale delle case da gioco e gli eventuali rimedi giuridici contro questa decisione non hanno effetto sospensivo. In mancanza di una decisione della Commissione federale delle case da gioco, non spetta al giudice penale decidere in via pregiudiziale se l'apparecchio dev'essere qualificato come apparecchio automatico per i giochi d'azzardo (consid. 5.3.2).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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