Justizze.

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Justizze. Art. 70 LwG

Bundesgericht

Landwirt verliert tierbezogene Direktzahlungen wegen Tierschutzverstössen, Flächenbeiträge bleiben streitig, Sache zur Neubeurteilung zurückgewiesen (Art. 70 LwG)

BGE / ATF / DTF
BGE 137 II 366 · ATF 137 II 366 · DTF 137 II 366
Datum
18.06.2011
Geschäftsnummer
2C_560/2010
Abteilung
II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Rückweisung

Tragende Normen

Art. 2 DZV Art. 4 DZV Art. 5 DZV Art. 16 DZV Art. 27 DZV Art. 28 DZV Art. 40 DZV Art. 59 DZV Art. 63 DZV Art. 64 DZV Art. 65 DZV Art. 66 DZV Art. 70 DZV Art. 1 LwG Art. 2 LwG Art. 70 LwG Art. 72 LwG Art. 73 LwG Art. 74 LwG Art. 76 LwG Art. 76a LwG Art. 170 LwG Art. 178 LwG Art. 181 LwG Art. 24 SuG Art. 2 VKIL Art. 65 VwVG Art. 2 ÖQV

Zusammenfassung

Ein Landwirt im Kanton Thurgau beantragte für das Jahr 2008 Direktzahlungen, darunter Flächenbeiträge, RGVE-Beiträge, Beiträge für den ökologischen Ausgleich und Ethobeiträge. Das Landwirtschaftsamt wies das Gesuch ab, da im Jahr 2008 keine ÖLN-Kontrolle stattfand und der Landwirt wegen Tierschutzverstössen strafrechtlich verurteilt worden war. Der Landwirt machte geltend, er habe sich auf die behördliche Praxis verlassen dürfen, wonach Kontrollen von Amtes wegen durchgeführt wurden, und die fehlende Kontrolle sei ihm nicht anzulasten. Zudem fehle ein sachlicher Zusammenhang zwischen den Tierschutzverstössen und den flächenbezogenen Beiträgen. Das Bundesverwaltungsgericht wies die Beschwerde ab. Der Landwirt erhob daraufhin Beschwerde ans Bundesgericht und beantragte teilweise Aufhebung des Urteils sowie Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung.

Das Bundesgericht hiess die Beschwerde teilweise gut und hob das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts insoweit auf, als damit Flächenbeiträge und ökologische Ausgleichsbeiträge für das Jahr 2008 verweigert wurden. Die Sache wurde an das Landwirtschaftsamt des Kantons Thurgau zur Neubeurteilung zurückgewiesen.

Hinsichtlich der RGVE-Beiträge und Ethobeiträge erwies sich die Beschwerde als unbegründet. Der Landwirt wurde wegen mehrfacher Übertretung des Tierschutzgesetzes rechtskräftig verurteilt, wobei die Verstösse zwar vor 2008 stattfanden, aber gemäss Art. 29 Abs. 1 lit. a DZV für die Beitragsberechtigung massgeblich sind. Da diese Beiträge die tiergerechte Haltung voraussetzen, waren die Voraussetzungen aufgrund der Tierschutzverstösse nicht erfüllt. Dies ergibt sich aus Art. 70 Abs. 4 LwG und Art. 5 DZV, welche die Einhaltung der Tierschutzgesetzgebung zur Voraussetzung machen.

Für die Flächenbeiträge und Beiträge für den ökologischen Ausgleich fehlt hingegen ein sachlicher Zusammenhang mit den Tierschutzverstössen. Diese Beiträge dienen der Bewirtschaftung von Flächen unabhängig von der Tierhaltung. Gemäss Art. 72 LwG und Art. 4 sowie 27 DZV werden Flächenbeiträge für die blosse Bewirtschaftung ausgerichtet. Ebenso stehen ökologische Ausgleichsbeiträge nach Art. 76 LwG und Art. 40 ff. DZV in keinem Zusammenhang mit der Nutztierhaltung. Eine Verweigerung allein aufgrund von Tierschutzverstössen ist daher unzulässig.

Bezüglich der fehlenden ÖLN-Kontrolle im Jahr 2008 stellte das Bundesgericht fest, dass gemäss Art. 2 Abs. 3 lit. a VKIL eine Inspektion nicht zwingend jährlich, sondern mindestens alle vier Jahre erfolgen muss. Zudem hatte der Landwirt aufgrund der bisherigen Praxis, wonach Kontrollen von Amtes wegen durchgeführt wurden, und eines Schreibens des Landwirtschaftsamts, welches die Anmeldung als gültig bestätigte, vertrauen dürfen, dass auch 2008 eine Kontrolle stattfinden würde. Dass die Behörden ohne Mitteilung an den Landwirt beschlossen hatten, keine Kontrollen durchzuführen, und dies erst nachträglich als Grund für die Beitragsverweigerung anführten, erschien widersprüchlich. Hätte die KOL die Kontrolle abgelehnt, hätte dies dem Landwirt rechtzeitig mitgeteilt werden müssen, damit er innerhalb der Frist nach Art. 66 Abs. 1bis DZV eine andere Inspektionsstelle hätte beauftragen können.

Da rechtskräftige Entscheide über allfällige Gewässerschutzverstösse, die für die noch streitigen Beiträge relevant sein könnten, nicht aktenkundig waren, konnte das Bundesgericht die Frage nicht abschliessend beurteilen. Gemäss Art. 70 Abs. 2 DZV ist für eine Kürzung oder Verweigerung wegen Nichteinhaltung von Gewässerschutzvorschriften ein rechtskräftiger Entscheid erforderlich. Die Sache wurde daher zur Prüfung dieser Frage an das Landwirtschaftamt zurückgewiesen.

Die subsidiäre Verfassungsbeschwerde wurde mangels Zuständigkeit nicht behandelt. Die unentgeltliche Rechtspflege wurde abgewiesen, soweit sie nicht gegenstandslos geworden war. Der Kanton Thurgau wurde verpflichtet, dem Landwirt eine reduzierte Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- zu bezahlen, während die Gerichtskosten hälftig dem Landwirt auferlegt wurden.

Regeste

Art. 70 Abs. 3 lit. b und Abs. 4, Art. 72, 73 Abs. 1, Art. 76 und 76a LwG; Art. 4, 5, 27, 28 Abs. 1, Art. 40 ff., 59 Abs. 1 und Art. 70 Abs. 1 lit. e DZV; Art. 2 ff. ÖQV; Kürzung oder Verweigerung von Direktzahlungen wegen Verletzung von Tierschutzvorschriften. Mit der Missachtung von Tierschutzvorschriften kann nicht die Verweigerung jeder Art von Direktzahlungen begründet werden. Es muss vielmehr ein Zusammenhang zwischen der Sanktion (Beitragskürzung oder -verweigerung) und der verletzten Bestimmung bestehen (E. 3.1 und 3.2). Die Voraussetzungen für die Ausrichtung von Beiträgen für die Haltung Raufutter verzehrender Nutztiere sowie Ethobeiträgen sind nicht erfüllt, wenn Tierschutzvorschriften missachtet werden (E. 3.3.1). Demgegenüber fehlt es an einem sachlichen Zusammenhang zwischen der Verletzung von Tierschutzvorschriften und Flächenbeiträgen, Beiträgen für den ökologischen Ausgleich und Öko-Qualitätsbeiträgen; diese dürfen nicht mit der Begründung verweigert werden, es seien Tierschutzvorschriften verletzt worden (E. 3.3.2). Regeste Art. 70 al. 3 let. b et al. 4, art. 72, 73 al. 1, art. 76 et 76a LAgr; art. 4, 5, 27, 28 al. 1, art. 40 ss, 59 al. 1 et art. 70 al. 1 let. e OPD; art. 2 ss OQE; réduction ou refus des paiements directs pour violation des prescriptions en matière de protection des animaux. L'inobservation des prescriptions en matière de protection des animaux ne permet pas de justifier le refus de n'importe quel type de paiements directs. Il faut encore qu'il existe un rapport entre la sanction (réduction ou refus de la contribution) et la violation de la disposition incriminée (consid. 3.1 et 3.2). Les conditions pour l'octroi des contributions pour la garde d'animaux consommant des fourrages grossiers et pour l'octroi des contributions éthologiques ne sont pas remplies en cas d'inobservation des prescriptions en matière de protection des animaux (consid. 3.3.1). En revanche, les contributions à la surface, les contributions de compensation écologique et les contributions à la qualité écologique ne peuvent pas être refusées en raison de la violation de telles prescriptions, faute de lien objectif entre la violation et les contributions en cause (consid. 3.3.2). Regesto Art. 70 cpv. 3 lett. b e cpv. 4, art. 72, 73 cpv. 1, art. 76 e 76a LAgr; art. 4, 5, 27, 28 cpv. 1, art. 40 segg., 59 cpv. 1 e art. 70 cpv. 1 lett. e OPD; art. 2 segg. OQE; riduzione o rifiuto di pagamenti diretti a causa della violazione di prescrizioni in materia di protezione degli animali. La mancata osservanza di prescrizioni in materia di protezione degli animali non permette di giustificare il rifiuto di ogni tipo di pagamento diretto. Occorre in effetti che esista un rapporto tra la sanzione (riduzione o diniego del contributo) e la disposizione lesa (consid. 3.1 e 3.2). In caso d'inosservanza delle prescrizioni in materia di protezione degli animali, le condizioni per la concessione di contributi per la detenzione di animali da reddito che consumano foraggio greggio come pure di contributi etologici non sono adempiute (consid. 3.3.1). Per contro, manca un legame oggettivo tra la violazione di prescrizioni in materia di protezione degli animali e contributi di superficie, contributi per la compensazione ecologica e contributi per la qualità ecologica; con la motivazione della violazione di prescrizioni in materia di protezione degli animali, questi contributi non possono venire rifiutati (consid. 3.3.2).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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