Justizze.

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Justizze. Art. 13a ANAG

Bundesgericht

Kantonale Wegweisung genügt als Grundlage für Ausschaffungshaft ohne vorherige Ausdehnung auf ganze Schweiz (Art. 12 Abs. 3 ANAG)

BGE / ATF / DTF
BGE 129 II 1 · ATF 129 II 1 · DTF 129 II 1
Datum
29.08.2002
Geschäftsnummer
BGE 129 II 1
Abteilung
CH_BGE_004
Ausgang
Rückweisung

Tragende Normen

Art. 12 ANAG Art. 13a ANAG Art. 13b ANAG Art. 14 ANAG Art. 17 ANAV Art. 5 EMRK Art. 14 OV-EJPD

Zusammenfassung

Ein mazedonischer Staatsangehöriger wurde nach Verbüssung einer vierjährigen Zuchthausstrafe wegen Drogendelikten und Landesverweisung aus dem Strafvollzug entlassen. Das kantonale Migrationsamt verfügte daraufhin die Nichtverlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung und ordnete die Ausschaffungshaft an, beantragte beim Bundesamt für Ausländerfragen jedoch noch keine Ausdehnung der kantonalen Wegweisung auf das gesamte Bundesgebiet. Der zuständige Haftrichter wies den Antrag auf Genehmigung der Ausschaffungshaft ab, da er eine bundesweite Wegweisungsverfügung als zwingende Voraussetzung erachtete. Gegen diesen Entscheid erhob das Bundesamt für Ausländerfragen Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Bundesgericht.

Das Bundesgericht hiess die Beschwerde des Bundesamtes für Ausländerfragen gut und hob den angefochtenen Entscheid des Haftrichters auf. Es stellte fest, dass eine kantonale Wegweisung gemäss Art. 12 Abs. 3 ANAG grundsätzlich als ausreichende Grundlage für die Anordnung von Ausschaffungshaft dient, auch wenn das Bundesamt die Ausdehnung auf die ganze Schweiz noch nicht verfügt hat. Dies gelte insbesondere dann, wenn der Betroffene kein Gesuch um eine Aufenthaltsbewilligung in einem anderen Kanton gestellt habe und ein solches aufgrund schwerwiegender Vorstrafen sowie des bisherigen Lebensmittelpunkts im wegweisenden Kanton als aussichtslos erscheine. Da im vorliegenden Fall davon auszugehen sei, dass die Wegweisung innert absehbarer Frist rechtskräftig werde und die Ausdehnung folge, waren die Voraussetzungen für die Haft erfüllt. Der Haftrichter hätte zudem subsidiär prüfen müssen, ob die Haft allenfalls als Vorbereitungshaft nach Art. 13b Abs. 1 lit. b ANAG hätte genehmigt werden können, da die materiellen Haftgründe identisch sein können. Eine Rückweisung an den Haftrichter erfolgte nicht, da der Beschwerdeführer bereits freigelassen worden war und die Entscheidung über eine erneute Verhaftung nun Sache der kantonalen Behörden ist.

Die Beschwerde des Bundesamtes für Ausländerfragen war zulässig, da dieses gemäss Art. 14 Abs. 2 OV-EJPD zur Führung von Verwaltungsgerichtsbeschwerden berechtigt ist und ein konkretes Interesse an der Klärung der Rechtsfrage bestand. Zwar verletzte der Haftrichter seine Pflicht zur Zustellung des Entscheids an eine beschwerdeberechtigte Bundesbehörde gemäss Art. 103 lit. b OG, doch hatte dies im konkreten Fall keine nachteiligen Folgen für die Beschwerdeführung.

Regeste

Art. 12 Abs. 3 und Art. 13b Abs. 1 ANAG, Art. 17 Abs. 2 ANAV, Art. 5 Ziff. 1 lit. f EMRK, Art. 103 lit. b OG, Art. 14 Abs. 2 OV-EJPD; Ausschaffungshaft. Befugnis des Bundesamts für Ausländerfragen zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen den Entscheid eines Haftrichters, die verfügte Ausschaffungshaft nicht zu genehmigen (E. 1.1). Pflicht des Haftrichters, den Haftentscheid einer eidgenössischen Behörde mitzuteilen (E. 1.2). Wegweisung aus dem Kanton als Grundlage für die Ausschaffungshaft (E. 3). Pflicht des Haftrichters, eine unter falschem Titel verfügte Haft im Hinblick auf die richtige Gesetzesanwendung zu prüfen (E. 4). Folgen der Gutheissung der Behördenbeschwerde gegen einen Haftrichterentscheid, mit welchem der Häftling freigelassen worden ist (E. 5). Regeste Art. 12 al. 3 et 13b al. 1 LSEE, art. 17 al. 2 RSEE, art. 5 par. 1 let. f CEDH, art. 103 let. b OJ, art. 14 al. 2 Org DFJP; détention en vue de refoulement. Compétence de l'Office fédéral des étrangers pour former un recours de droit administratif contre la décision du juge de la détention de ne pas approuver l'ordre de mise en détention en vue de refoulement (consid. 1.1). Obligation du juge de la détention de communiquer la décision concernant la détention à une autorité fédérale (consid. 1.2). Décision de renvoi d'un canton comme motif de détention en vue de refoulement (consid. 3). Obligation du juge de la détention d'examiner une détention ordonnée sur la base d'un motif erroné sous l'angle d'une application correcte de la loi (consid. 4). Conséquences de l'admission du recours de l'autorité contre la décision du juge de la détention par laquelle le détenu a été mis en liberté (consid. 5). Regesto Art. 12 cpv. 3 e art. 13b cpv. 1 LDDS, art. 17 cpv. 2 ODDS, art. 5 n. 1 lett. f CEDU, art. 103 lett. b OG, art. 14 cpv. 2 Org-DFGP; detenzione in vista di sfratto. Competenza dell'Ufficio federale degli stranieri ad introdurre un ricorso di diritto amministrativo contro la decisione del giudice dell'arresto di non confermare un ordine di messa in detenzione in vista di sfratto (consid. 1.1). Obbligo del giudice dell'arresto di comunicare la decisione relativa alla detenzione ad un'autorità federale (consid. 1.2). Decisione di rinvio pronunciata da un cantone quale motivo della messa in detenzione in vista di sfratto (consid. 3). Obbligo del giudice dell'arresto di esaminare, dal profilo di una corretta applicazione del diritto, un ordine di detenzione pronunciato in base ad un motivo errato (consid. 4). Conseguenze dell'accoglimento del ricorso presentato dalle autorità contro una decisione del giudice dell'arresto con cui la persona detenuta è stata posta in libertà (consid. 5).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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