Quellbeeinträchtigung durch Tunnelbau: Kein Naturalersatz wegen Unverhältnismässigkeit (Art. 18 Abs. 1 EntG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 128 II 368 · ATF 128 II 368 · DTF 128 II 368
- Datum
- 25.09.2002
- Geschäftsnummer
- BGE 128 II 368
- Abteilung
- CH_BGE_004
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Art. 3 EBG Art. 20 EBG Art. 5 EntG Art. 7 EntG Art. 10 EntG Art. 18 EntG Art. 30 EntG Art. 35 EntG Art. 50 EntG Art. 55 EntG Art. 64 EntG
Zusammenfassung
Die Bergbrunnen-Miteigentümer Urtenen-Schönbühl erheben Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen ein Urteil der Eidgenössischen Schätzungskommission bezüglich der Beeinträchtigung ihrer Quelle durch den Bau des Grauholztunnels der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB). Die Beschwerdeführer verlangen anstelle der zugesprochenen Geldentschädigung von Fr. 100'000.- die Lieferung von qualitativ und quantitativ gleichwertigem Ersatzwasser oder alternativ die Übernahme der Kosten für eine Tieferlegung des Sickerstranges in Höhe von rund Fr. 588'000.-. Sie berufen sich dabei auf nachbarrechtliche Bestimmungen sowie auf Art. 10 des Enteignungsgesetzes (EntG) und machen geltend, dass die SBB an einer mündlichen Zusage während der Einigungsverhandlungen gebunden seien.
Das Bundesgericht weist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ab und bestätigt die Geldentschädigung. Das Gericht stellt fest, dass die nachbarrechtlichen Abwehransprüche aus Art. 706 und 707 ZGB durch das Enteignungsrecht der SBB gemäss Art. 3 Abs. 1 EBG und Art. 20 EBG verdrängt werden; es besteht somit kein Anspruch auf Wiederherstellung des früheren Zustandes nach Nachbarrecht, sondern nur auf enteignungsrechtliche Entschädigung.
Hinsichtlich des verlangten Naturalersatzes prüft das Bundesgericht ausschliesslich Art. 18 EntG, da Begehren nach Art. 10 EntG im Verfahren vor der Schätzungskommission unzulässig sind und einzig der Einsprachebehörde vorbehalten bleiben (Art. 30 Abs. 1, Art. 35, Art. 50, Art. 55 EntG). Eine allenfalls bestehende mündliche Zusage der SBB an der Einigungsverhandlung begründet keinen Anspruch, da ein gültiger Vergleich nach Art. 49 lit. c EntG schriftlich unterzeichnet sein müsste.
Gemäss Art. 18 Abs. 1 EntG ist Naturalersatz eine Ausnahme zur Geldentschädigung und setzt eine Interessenabwägung voraus. Im konkreten Fall wiegt das öffentliche Interesse am Bahnbau schwerer als das private Interesse der Beschwerdeführer. Die verbleibende Quellschüttung von 300 bis 350 l/min reicht für die aktuelle Nutzung (Brunnen, Viehtränken) aus, und ein Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung wäre problemlos möglich. Demgegenüber stehen unverhältnismässig hohe Kosten von über Fr. 500'000.- für bauliche Massnahmen zur Wiederherstellung der ursprünglichen Ergiebigkeit. Da keine lebenswichtigen Bedürfnisse betroffen sind und die Kosten den Nutzen weit übersteigen, wird der Anspruch auf Realersatz verneint.
Regeste
Beeinträchtigung einer Quelle durch den Bahnbau; Anspruch auf Realersatz im Enteignungsverfahren. Nimmt die Ergiebigkeit einer Quelle infolge eines Tunnelbaus ab, für den der Bahnunternehmung das Enteignungsrecht zusteht, so können die Quellenrechtsberechtigten aus den nachbarrechtlichen Bestimmungen von Art. 706 und Art. 707 ZGB keine Ansprüche herleiten, sondern nur Einsprache gemäss Art. 10 EntG erheben sowie eine enteignungsrechtliche Entschädigung - Geld- oder Realersatz - verlangen (E. 2). Über ein Begehren um Ersatz an Wasser im Sinne von Art. 10 EntG hat wie über alle Begehren nach den Artikeln 7-10 EntG die Einsprachebehörde zu entscheiden. Im Verfahren vor der Schätzungskommission können Begehren um Sachleistung allein gestützt auf Art. 18 EntG erhoben werden (E. 3). Naturalersatz ist nach Art. 18 EntG nur ausnahmsweise zu leisten. Die Voraussetzungen für eine Realersatzleistung von Wasser sind im vorliegenden Fall nicht erfüllt (E. 4). Regeste Atteinte à une source lors de travaux de construction du chemin de fer; droit à une prestation équivalente en nature dans la procédure d'expropriation. Lorsque le rendement d'une source diminue à la suite de la construction d'un tunnel pour lequel le droit d'expropriation a été conféré à l'entreprise de chemin de fer, les titulaires du droit de source ne peuvent déduire aucune prétention des dispositions du droit de voisinage des art. 706 et 707 CC, mais peuvent uniquement formuler une opposition fondée sur l'art. 10 LEx et exiger une indemnisation - en nature ou en espèce - selon le droit de l'expropriation (consid. 2). Il incombe à l'autorité compétente en matière d'opposition de statuer sur une demande en équivalent d'eau au sens de l'art. 10 LEx, comme sur toutes les demandes fondées sur les art. 7 à 10 LEx. Seules des demandes en réparation en nature basées sur l'art. 18 LEx peuvent être formulées dans la procédure devant la commission d'estimation (consid. 3). Une réparation en nature selon l'art. 18 LEx ne peut être accordée qu'exceptionnellement. Les conditions posées à la fourniture d'un équivalent en eau ne sont pas réalisées dans le cas particulier (consid. 4). Regesto Danni a una sorgente causati dalla costruzione di un'opera ferroviaria; diritto a una prestazione in natura nella procedura espropriativa. Se la portata di una sorgente diminuisce a causa della costruzione di una galleria, per la quale all'impresa ferroviaria è stato conferito il diritto di espropriazione, i titolari del diritto sulla sorgente non possono dedurre alcuna pretesa dalle disposizioni derivanti dai rapporti di vicinato degli art. 706 e 707 CC, ma possono soltanto inoltrare un'opposizione secondo l'art. 10 LEspr ed esigere un'indennità - in denaro o in natura - per l'espropriazione (consid. 2). L'Autorità competente a dirimere le opposizioni deve pronunciarsi, come su tutte le domande secondo gli art. 7-10 LEspr, anche sulla richiesta di una domanda per una quantità equivalente d'acqua. Nella procedura dinanzi alla commissione di stima possono essere formulate domande di prestazione in natura fondate solo sull'art. 18 LEspr (consid. 3). Una prestazione in natura secondo l'art. 18 LEspr dev'essere fornita solo eccezionalmente. Le condizioni per una fornitura equivalente d'acqua non sono adempiute nella fattispecie (consid. 4).
Originalentscheid beim Gericht ↗
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