Amtshilfe an US-Börsenaufsicht SEC wegen Insiderverdacht verweigert: ungenügende Vertraulichkeitsgarantien (Art. 38 Abs. 2 BEHG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 126 II 126 · ATF 126 II 126 · DTF 126 II 126
- Datum
- 01.05.2000
- Geschäftsnummer
- BGE 126 II 126
- Ausgang
- Gutgeheissen
Tragende Normen
Zusammenfassung
Die Beschwerdeführer A., B., C. und D.X. wenden sich gegen einen Entscheid der Eidgenössischen Bankenkommission, welcher der amerikanischen Securities and Exchange Commission (SEC) im Rahmen eines Verdachts auf Insiderhandel Aktiendaten zur Verfügung stellte. Die SEC hatte um Amtshilfe nach dem Börsengesetz ersucht, da vor einem Übernahmeangebot auffällige Käufe von Elsag-Bailey-Aktien getätigt worden waren. Die Beschwerdeführer rügen eine Verletzung des Datenschutzgesetzes und des Börsengesetzes, da die SEC Informationen in öffentlichen Gerichtsverfahren oder via Internet veröffentlichen könnte.
Das Bundesgericht heisst die Verwaltungsgerichtsbeschwerde gut und hebt den angefochtenen Amtshilfeentscheid auf. Die von der SEC erteilten Zusicherungen bezüglich der Vertraulichkeit der erhaltenen Angaben genügen den Anforderungen von Art. 38 Abs. 2 lit. b und c BEHG nicht. Zwar unterliegen SEC-Mitarbeiter Geheimhaltungspflichten, doch finden Anhörungen grundsätzlich öffentlich statt. Die SEC behält sich vor, ohne vorherige Zustimmung der Schweizer Behörde Informationen offenzulegen, wenn dies nach amerikanischem Recht zwingend erforderlich sei oder eine sofortige Antwort verlangt werde. Diese Ausnahmen sind nicht konkretisiert und bieten keinen genügenden Handlungsspielraum.
Zudem plant die SEC, im Falle einer Enforcement Action Namen und Informationen als Teil des öffentlichen Aktenbestands sowie via Litigation Release auf ihrer Website weltweit zugänglich zu machen. Dies würde das Prinzip der langen Hand und die Zweckbindung verletzen, da die Daten damit Dritten wie Steuerbehörden offenstünden. Das Börsengesetz schliesst eine solche Weitergabe an Dritte ohne ausdrückliche Zustimmung aus. Da die Möglichkeit der Wahrung des Spezialitätsgrundsatzes, des Prinzips der langen Hand und der Vertraulichkeit gestützt auf die vorliegenden Auskünfte zurzeit nicht hinreichend sichergestellt erscheint, ist die Amtshilfe zu verweigern. Gemäss Art. 156 Abs. 2 OG werden keine Kosten erhoben, und die Eidgenössische Bankenkommission hat die Beschwerdeführer gemäss Art. 159 OG angemessen zu entschädigen.
Regeste
Art. 38 Abs. 2 und Art. 39 BEHG; Art. 1, Art. 2 Abs. 2 lit. c, Art. 6 Abs. 1, Art. 17, Art. 19 und Art. 25 Abs. 5 in Verbindung mit Art. 33 Abs. 1 DSG; Art. 96 Abs. 2 OG bzw. Art. 8 VwVG; Amtshilfe nach Börsengesetz an die amerikanische Securities and Exchange Commission (SEC) zur Klärung des Verdachts des Vorliegens eines Insiderdelikts. Zuständigkeit der Eidgenössischen Datenschutzkommission. Das Bundesgericht führt ein Meinungsaustauschverfahren grundsätzlich nur, soweit neben seiner eigenen eine allfällige andere letztinstanzliche Zuständigkeit gegeben sein könnte (E. 3). Das Datenschutzgesetz und seine Verfahrensbestimmungen finden auf die Eidgenössische Bankenkommission soweit Anwendung, als der Betroffene selbständige datenschutzrechtliche Ansprüche geltend macht. Hinsichtlich der börsengesetzlichen Amtshilfe hat der Gesetzgeber indessen eine spezifische Regelung geschaffen, deren Beurteilung aus einer börsen- und datenschutzrechtlichen Gesamtsicht zu erfolgen hat, weshalb gegen entsprechende Entscheide ausschliesslich und direkt an das Bundesgericht zu gelangen ist (E. 4 u. 5). Die von der SEC der Eidgenössischen Bankenkommission erteilten Zusicherungen bezüglich der Vertraulichkeit der von dieser in Amtshilfe erhaltenen Angaben und Unterlagen genügen den Anforderungen von Art. 38 Abs. 2 BEHG nicht, weshalb die Amtshilfe zurzeit zu verweigern ist (E. 6). Regeste Art. 38 al. 2 et 39 LBVM; art. 1, art. 2 al. 2 let. c, art. 6 al. 1, art. 17, art. 19 et art. 25 al. 5 en relation avec l'art. 33 al. 1 LPD; art. 96 al. 2 OJ, respectivement art. 8 PA; entraide administrative selon la loi sur les bourses en faveur de la Securities and Exchange Commission (SEC) américaine en raison d'un soupçon de délit d'initié. Compétence de la Commission fédérale de la protection des données. Le Tribunal fédéral ne mène en principe une procédure d'échange de vues que si la compétence d'une autre autorité de dernière instance pourrait exister (consid. 3). La loi fédérale sur la protection des données et ses dispositions de procédure sont applicables à la Commission fédérale des banques dans la mesure où l'intéressé fait valoir des prétentions indépendantes en matière de droit de protection des données. S'agissant de l'entraide administrative en matière de bourses, le législateur a toutefois établi une réglementation spécifique dont l'appréciation nécessite une vue d'ensemble du droit des bourses et de celui de la protection des données, de sorte que les décisions en la matière doivent être attaquées directement et exclusivement devant le Tribunal fédéral (consid. 4 et 5). Les assurances données par la SEC à la Commission fédérale des banques en rapport avec la confidentialité des informations et des documents reçus dans la procédure d'entraide administrative ne satisfont pas aux exigences de l'art. 38 al. 2 LBVM, de sorte que l'entraide administrative doit actuellement être refusée (consid. 6). Regesto Art. 38 cpv. 2 e 39 LBVM; art. 1, art. 2 cpv. 2 lett. c, art. 6 cpv. 1, art. 17, art. 19 e art. 25 cpv. 5 in relazione con l'art. 33 cpv. 1 LPD; art. 96 cpv. 2 OG, rispettivamente art. 8 PA; assistenza amministrativa in base alla legge sulle borse in favore della Securities and Exchange Commission (SEC) americana per far luce sul sospetto di un reato d'iniziati. Competenza della Commissione federale della protezione dei dati. Di principio, il Tribunale federale dà avvio ad una procedura di scambio d'opinioni soltanto nei casi in cui potrebbe sussistere anche la competenza di un'altra autorità di ultima istanza (consid. 3). La legge federale sulla protezione dei dati e le sue disposizioni di procedura sono applicabili da parte della Commissione federale delle banche qualora l'interessato abbia fatto valere delle pretese indipendenti che concernono il diritto sulla protezione dei dati. Per quanto attiene all'assistenza amministrativa in materia di borse, il legislatore ha tuttavia fissato delle regole specifiche, per l'apprezzamento delle quali è necessario disporre di una vista d'insieme sul diritto concernente le borse e su quello inerente alla protezione dei dati, per cui contro le decisioni rese in questo ambito dev'essere inoltrato ricorso direttamente ed esclusivamente davanti al Tribunale federale (consid. 4 e 5). Le garanzie fornite dalla SEC alla Commissione federale delle banche in merito al trattamento confidenziale delle informazioni e dei documenti ricevuti nell'ambito di un procedimento di assistenza amministrativa, non soddisfano le esigenze poste dall'art. 38 cpv. 2 LBVM, ragione per la quale, allo stato attuale delle cose, non può essere prestata collaborazione alla predetta autorità estera in questo settore (consid. 6).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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