Geschäftsführer einer GmbH und Verwaltungsratsmitglied einer AG erhält keine doppelte Corona-Erwerbsausfallentschädigung: Höchstbetrag von Fr. 196.– pro Tag gilt gesamthaft für alle arbeitgeberähnlichen Stellungen (Art. 5 Abs. 3 Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 150 V 1 · ATF 150 V 1 · DTF 150 V 1
- Datum
- 17.09.2020
- Geschäftsnummer
- BGE 150 V 1
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Art. 12 ATSG Art. 31 AVIG Art. 5 Covid-19-Gesetz Art. 15 Covid-19-Gesetz Art. 11 EOG Art. 16f EOG
Zusammenfassung
Die A. GmbH erhob Beschwerde gegen die Rückforderung von Corona-Erwerbsausfallentschädigung, die die Ausgleichskasse Basel-Stadt für ihren Geschäftsführer B. geleistet hatte. B. war gleichzeitig als Verwaltungsratsmitglied einer anderen Gesellschaft bei einer zweiten Ausgleichskasse entschädigt worden. Die Ausgleichskasse Basel-Stadt hatte nachträglich festgestellt, dass die Summe der beiden Taggelder den gesetzlichen Höchstbetrag von Fr. 196.– pro Tag überschritten hatte, und forderte einen Teil der Leistung zurück. Die Vorinstanz wies die Einsprache der A. GmbH ab. Streitpunkt war, ob eine Person in arbeitgeberähnlicher Stellung für jede solche Tätigkeit separat den Höchstbetrag beanspruchen kann oder ob die Beträge aus allen arbeitgeberähnlichen Stellungen zusammenzurechnen sind.
Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab und bestätigte die Rückforderung. Es stellte fest, dass B. zeitgleich in arbeitgeberähnlicher Stellung bei zwei Gesellschaften tätig war: als einziger Gesellschafter und einzelunterschriftsberechtigter Geschäftsführer der A. GmbH sowie als einziges Mitglied des Verwaltungsrats mit Einzelunterschrift der C. AG. Für diesen Zeitraum vom 17. September 2020 bis 30. Juni 2021 erhielt B. von der Ausgleichskasse Basel-Stadt täglich Fr. 132.80 und von der Ausgleichskasse Aargau täglich Fr. 191.20, also insgesamt Fr. 324.– pro Tag – deutlich mehr als der gesetzliche Höchstbetrag von Fr. 196.– pro Tag nach Art. 5 Abs. 3 Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall. Das Bundesgericht folgte der Vorinstanz, wonach die Einkommen aus allen arbeitgeberähnlichen Stellungen zusammenzurechnen sind, da weder das Covid-19-Gesetz noch die Verordnung eine gesonderte Behandlung vorsehen und eine andere Auslegung zu einer sachlich unbegründeten Ungleichbehandlung gegenüber Arbeitnehmern ohne arbeitgeberähnliche Stellung führen würde. Diese Schlussfolgerung stützte sich auf Art. 15 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 Covid-19-Gesetz, Art. 2 Abs. 3 bis Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall sowie Art. 5 Abs. 3 Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall, ergänzt durch die Auslegungshilfen im Kreisschreiben des BSV (Rz. 1058, 1060) und den Merkblättern der AHV/IV. Auch Art. 12 ATSG, Art. 31 Abs. 3 lit. b AVIG, Art. 11 Abs. 1 EOG und Art. 16f EOG wurden herangezogen, um den Status als Person in arbeitgeberähnlicher Stellung und die Berechnungsgrundlage zu klären. Die Entscheidung betont, dass der Corona-Erwerbsersatz lediglich zur Überbrückung finanzieller Engpässe dient und daher restriktiv auszulegen ist.
Regeste
Art. 15 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 Covid-19-Gesetz; Art. 2 Abs. 3 bis und Art. 5 Abs. 3 Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (sämtliche Bestimmungen in den vom 17. September 2020 bis 30. Juni 2021 geltenden Fassungen); arbeitgeberähnliche Stellung. Eine arbeitnehmende Person, die zeitgleich in verschiedenen Gesellschaften über eine arbeitgeberähnliche Stellung verfügt, hat nicht in Bezug auf jede dieser Tätigkeiten Anspruch auf den Höchstbetrag der Erwerbsausfallentschädigung gemäss Art. 5 Abs. 3 Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (E. 6). Regeste Art. 15 al. 1, 1 re phrase, et al. 2 de la loi COVID-19; art. 2 al. 3 bis et art. 5 al. 3 de l'ordonnance sur les pertes de gain COVID-19 (dans leur version en vigueur du 17 septembre 2020 au 30 juin 2021); position assimilable à celle d'un employeur. Un travailleur occupant simultanément une position assimilable à celle d'un employeur au sein de différentes sociétés n'a pas droit, pour chacune de ces activités, au montant maximal de l'allocation pour perte de gain selon l'art. 5 al. 3 de l'ordonnance sur les pertes de gain COVID-19 (consid. 6). Regesto Art. 15 cpv. 1, prima frase, e cpv. 2 della legge COVID-19; art. 2 cpv. 3 bis e art. 5 cpv. 3 dell'ordinanza COVID-19 perdita di guadagno (tutte le disposizioni nelle versioni in vigore dal 17 settembre 2020 al 30 giugno 2021); posizione assimilabile a quella di un datore di lavoro. Un lavoratore che ricopre contemporaneamente in diverse società una posizione assimilabile a quella di un datore di lavoro non ha diritto, per ciascuna di queste attività, all'importo massimo dell'indennità di perdita di guadagno nel senso dell'art. 5 cpv. 3 dell'ordinanza COVID-19 perdita di guadagno (consid. 6).
Originalentscheid beim Gericht ↗
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