Justizze.

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Justizze. Art. 18a DSG

Bundesgericht

Eidgenössische Steuerverwaltung muss Drittpersonen bei Amtshilfe nicht generell vorab informieren: Spezialgesetzliche Grundlage nach Art. 4 Abs. 3 StAhiG entbindet von Informationspflicht nach Art. 18a Abs. 4 lit. a DSG

BGE / ATF / DTF
BGE 148 II 349 · ATF 148 II 349 · DTF 148 II 349
Datum
01.01.2021
Geschäftsnummer
BGE 148 II 349
Abteilung
CH_BGE_004
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 17 DSG Art. 18a DSG Art. 4 LAAF Art. 14 LAAF Art. 19 LAAF Art. 4 StAhiG Art. 14 StAhiG Art. 19 StAhiG

Zusammenfassung

Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) wollte im Rahmen eines Amtshilfeersuchens des amerikanischen Internal Revenue Service (IRS) die Namen von über 100 Personen offen an die US-Steuerbehörden übermitteln. Es war strittig, ob diese Personen vom Amtshilfeverfahren nicht direkt betroffen waren und lediglich zufällig in den Akten erschienen. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) verlangte, dass sämtliche vom Amtshilfeersuchen nicht formell betroffenen Personen vor der Übermittlung informiert werden müssten, um ihr Beschwerderecht gemäss Art. 19 Abs. 2 StAhiG ausüben zu können. Die ESTV lehnte dies ab, weil sie dies für mit den völkerrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz unvereinbar hielt. Das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) bestätigte die Ablehnung, doch das Bundesverwaltungsgericht hob diese Verfügung auf und wies die Sache zur Neubeurteilung zurück. Vor dem Bundesgericht bestritt die ESTV, dass sie grundsätzlich Drittpersonen vorab informieren müsse.

Das Bundesgericht hob das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts auf und bestätigte die Haltung der ESTV: Eine vorgängige Information von Drittpersonen ist nicht generell erforderlich. Die ESTV darf gemäss Art. 18a Abs. 4 lit. a DSG von der Informationspflicht absehen, weil Art. 4 Abs. 3 StAhiG ausdrücklich die Übermittlung voraussichtlich relevanter Daten von Personen vorsieht, die nicht direkt vom Amtshilfeverfahren betroffen sind. Dieser spezialgesetzlichen Grundlage kommt Vorrang vor der allgemeinen Informationspflicht des Datenschutzgesetzes. Der Eingriff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ist im vorliegenden Fall nicht besonders schwer, da es sich um Geschäftsdaten handelt, die im Sinne von Art. 3 lit. c DSG nicht als besonders schützenswert gelten. Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat klargestellt, dass Art. 8 EMRK nicht verlangt, alle potentiell involvierten Personen vorab über den rechtmässigen Austausch steuerbezogener Daten zu informieren. Die Entscheidung stellt klar, dass die Informationspflicht nach Art. 18a DSG im Amtshilfebereich durch die spezialgesetzliche Regelung des StAhiG verdrängt wird, sofern die Daten nicht besonders sensibel sind. Im Einzelfall kann jedoch eine vorgängige Information geboten sein, wenn sich die zu übermittelnden Daten als besonders schützenswert erweisen.

Die Entscheidung ist bemerkenswert, weil sie die Verhältnismässigkeit und Bestimmtheit einer spezialgesetzlichen Grundlage im datenschutzrechtlichen Kontext konkretisiert und klärt, unter welchen Voraussetzungen die allgemeine Informationspflicht des Datenschutzgesetzes zugunsten einer effektiven internationalen Steueramtshilfe entfallen kann.

Regeste

Art. 4 Abs. 3, Art. 14 Abs. 2 und Art. 19 Abs. 2 StAhiG; Art. 18a DSG; Art. 13 BV; Art. 8 EMRK; Art. 17 UNO-Pakt II; Frage, ob die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) sämtliche vom Amtshilfeersuchen nicht direkt betroffenen Personen (d.h. Drittpersonen), über welche Informationen an die ersuchende Behörde übermittelt werden sollen, vorgängig der Übermittlung zu informieren hat. Bundesorgane sind gemäss Art. 18a Abs. 1 DSG verpflichtet, die betroffene Person über die Beschaffung von Personendaten zu informieren; diese Informationspflicht gilt auch dann, wenn die Daten bei Dritten beschafft werden. Die Informationspflicht entfällt nach Art. 18a Abs. 4 lit. a DSG, wenn eine spezialgesetzliche Grundlage die Bekanntgabe von Daten ausdrücklich vorsieht. Mit Art. 4 Abs. 3 StAhiG, der die Übermittlung von voraussichtlich relevanten Daten von durch das Amtshilfeverfahren nicht unmittelbar betroffenen Personen vorsieht, liegt eine solche spezialgesetzliche Grundlage vor (E. 4). Die spezialgesetzliche Grundlage erfüllt die grundrechtlichen Anforderungen an die Bestimmtheit der Norm, da vorliegend der Eingriff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung im Zusammenhang mit den bei der Amtshilfe zu erhebenden Daten in aller Regel nicht besonders schwer wiegt. Folglich entfällt vorliegend die generelle Informationspflicht der ESTV gestützt auf Art. 18a Abs. 4 lit. a DSG i.V.m. Art. 4 Abs. 3 StAhiG. Dies gilt im Allgemeinen, doch kann im Einzelfall, falls sich die zu übermittelnden Daten als besonders schützenswert erweisen, eine vorgängige Information der Drittperson erforderlich werden (E. 5). Regeste Art. 4 al. 3, art. 14 al. 2 et art. 19 al. 2 LAAF; art. 18a LPD; art. 13 Cst.; art. 8 CEDH; art. 17 Pacte ONU II; question de savoir si l'Administration fédérale des contributions (AFC) doit informer, préalablement à la transmission, toutes les personnes qui ne sont pas directement concernées (soit les tiers) par la demande d'assistance administrative, et au sujet desquelles des informations doivent être transmises à l'autorité requérante. En vertu de l'art. 18a al. 1 LPD, l'organe fédéral a l'obligation d'informer la personne concernée de toute collecte de données la concernant, qu'elle soit effectuée directement auprès d'elle ou auprès d'un tiers. L'organe fédéral est délié de son devoir d'informer, selon l'art. 18a al. 4 let. a LPD, lorsque la communication est expressément prévue par une base légale spécifique. L'art. 4 al. 3 LAAF, qui prévoit la transmission de données vraisemblablement pertinentes de personnes qui ne sont pas directement concernées par la procédure d'assistance administrative, constitue une telle base légale (consid. 4). Celle-ci remplit les exigences en matière de droits fondamentaux s'agissant de la précision de la norme, car l'atteinte au droit à l'autodétermination informationnelle en lien avec les données à collecter n'est en général pas particulièrement grave. En conséquence, l'AFC est déliée de son devoir général d'informer basé sur l'art. 18a al. 4 let. a LPD en lien avec l'art. 4 al. 3 LAAF. Il s'agit de la règle générale; l'information préalable du tiers peut cependant s'avérer nécessaire dans un cas particulier, si les données à transmettre se révèlent être particulièrement sensibles (consid. 5). Regesto Art. 4 cpv. 3, art. 14 cpv. 2 e art. 19 cpv. 2 LAAF; art. 18a LPD; art. 13 Cost.; art. 8 CEDU; art. 17 Patto ONU II; questione a sapere se l'Amministrazione federale delle contribuzioni (AFC) deve informare, prima della trasmissione, tutte le persone che non sono direttamente toccate (cioè i terzi) da una domanda di assistenza amministrativa, riguardo a quali informazioni devono essere trasmesse all'autorità richiedente. Giusta l'art. 18a cpv. 1 LPD, gli organi federali sono obbligati a informare le persone interessate in merito alla raccolta di dati personali; questo obbligo di informazione vale anche quando i dati vengono raccolti presso terzi. Giusta l'art. 18a cpv. 4 lett. a LPD, l'obbligo di informazione decade quando una base legale specifica prevede espressamente la comunicazione di dati. L'art. 4 cpv. 3 LAAF, che prevede la trasmissione di dati presumibilmente pertinenti di persone che non sono direttamente toccate dalla procedura d'assistenza amministrativa, costituisce una base legale specifica in tal senso (consid. 4). Siccome, in relazione ai dati da raccogliere nell'ambito di una procedura di assistenza amministrativa, la limitazione del diritto all'autodeterminazione in materia di informazione non è di regola particolarmente grave, la base legale specifica adempie alle esigenze di precisione della norma valide in ambito di diritti fondamentali. Di conseguenza, in base all'art. 18a cpv. 4 lett. a LPD in relazione con l'art. 4 cpv. 3 LAAF, l'AFC è esonerata dal suo dovere generale di informazione. Ciò vale quale regola; tuttavia, se i dati da trasmettere necessitano di una protezione particolare, un'informazione preventiva dei terzi può rivelarsi necessaria (consid. 5).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.