Steuerpflichtiger leistet Kapitaleinlage zur Finanzierung einer Überbrückungsrente bei vorzeitigem Ruhestand: Abzug trotz gleichzeitigen Bezugs des Alterskapitals zulässig (Art. 79b Abs. 3 BVG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 148 II 189 · ATF 148 II 189 · DTF 148 II 189
- Datum
- 01.01.2021
- Geschäftsnummer
- BGE 148 II 189
- Abteilung
- CH_BGE_004
- Ausgang
- Gutgeheissen
Tragende Normen
Art. 32g BPG Art. 32k BPG Art. 79b BVG Art. 33 DBG Art. 9 StHG Art. 36 VR-PUBLICA Art. 40 VR-PUBLICA Art. 62 VR-PUBLICA Art. 63 VR-PUBLICA
Zusammenfassung
Ein Steuerpflichtiger, der sich vorzeitig pensionieren liess, zahlte am 29. Mai 2015 eine Kapitaleinlage von Fr. 62'050.40 an seine Pensionskasse ein, um eine Überbrückungsrente zu finanzieren. Gleichzeitig bezog er am 3. Juli 2015 sein gesamtes Vorsorgeguthaben in Kapitalform. In seiner Steuererklärung für 2015 beantragte er den steuerlichen Abzug der Einlage. Die Veranlagungsbehörde lehnte dies ab, weil innerhalb von drei Jahren nach dem Einkauf eine Kapitalleistung bezogen wurde und daher die Sperrfrist nach Art. 79b Abs. 3 BVG greife. Das kantonale Steuergericht bestätigte diese Auffassung. Die Steuerpflichtigen erhoben daraufhin Beschwerde beim Bundesgericht.
Das Bundesgericht hob den Entscheid des kantonalen Steuergerichts auf und wies die Sache zur neuen Entscheidung an das Steueramt des Kantons Solothurn zurück. Der Einkauf diente nicht der Aufstockung des Altersguthabens, sondern spezifisch der Finanzierung einer Überbrückungsrente gemäss Art. 32k BPG, die ausschliesslich als Rente bezogen wird und mit dem ordentlichen AHV-Alter endet (Art. 62 Abs. 1 VR-PUBLICA). Diese Einlage wird nicht Teil des Altersguthabens (Art. 36 Abs. 2 VR-PUBLICA e contrario), kann nicht in Kapitalform bezogen werden (Art. 40 VR-PUBLICA) und beeinflusst die Höhe des Vorsorgekapitals nicht. Daher besteht keine Missbrauchsgefahr im Sinne von Art. 79b Abs. 3 BVG, dessen Sperrfrist nur auf Einkäufe zielt, die Teil eines gesamtheitlichen Vorsorgekapitals werden, aus dem später steuerlich privilegierte Kapitalleistungen bezogen werden können. Der Abzug nach Art. 33 Abs. 1 lit. d DBG ist daher zulässig, weil die Voraussetzungen für die Anwendung der Sperrfrist nach Art. 79b Abs. 3 Satz 1 BVG nicht erfüllt sind. Die vorinstanzliche Auslegung war bundesrechtswidrig.
Die Entscheidung klärt erstmals, dass Art. 79b Abs. 3 BVG nicht auf Einkäufe zur Finanzierung einer Überbrückungsrente anwendbar ist, da diese rechtlich und versicherungsmathematisch vom Altersguthaben getrennt sind und keinerlei Kapitalbezug ermöglichen. Damit wird eine klare Abgrenzung zwischen steuerlich missbräuchlichen Geldverschiebungen und echten Vorsorgeverbesserungen geschaffen.
Regeste
Art. 32k Abs. 1 Satz 3 BPG; Art. 33 Abs. 1 lit. d DBG; Art. 9 Abs. 2 lit. d StHG; Art. 79b Abs. 3 BVG; die Kapitaleinlage seitens der Arbeitnehmerin oder des Arbeitnehmers zwecks Äufnung einer Überbrückungsrente bei vorzeitigem Altersrücktritt ist trotz gleichzeitigen Bezugs des Alterskapitals abzugsfähig. Die Praxis zum Einkauf in das Vorsorgekapital aus beruflicher Vorsorge, das später in Kapitalform und damit steuerlich privilegiert bezogen wird, findet keine Anwendung auf den Fall, bei welchem mittels Kapitaleinlage eine Überbrückungsrente geäufnet und gleichzeitig das Alterskapital bezogen wird. Die wesentlichen Merkmale einer Überbrückungsrente seitens der Einrichtung der beruflichen Vorsorge (Befristung bis zum erreichten AHV-Alter, möglicherweise paritätische Finanzierung, Ausschluss des Bezugs in Kapitalform, ordentliche Besteuerung der Rente usw.) schliessen die Missbrauchsgefahr, der Art. 79b Abs. 3 BVG begegnen will, aus. Die Kapitaleinlage ist daher abzugsfähig (E. 3.4.5). Regeste Art. 32k al. 1, 3e phrase, LPers; art. 33 al. 1 let. d LIFD; art. 9 al. 2 let. d LHID; art. 79b al. 3 LPP; l'apport de capital effectué par le travailleur ou la travailleuse dans le but d'augmenter une rente transitoire en cas de retraite anticipée est déductible malgré le retrait simultané du capital vieillesse. La pratique relative au rachat de capital dans la prévoyance professionnelle, qui est perçu par la suite sous forme de capital et donc de manière fiscalement privilégiée, ne trouve pas application dans le cas où, par le biais d'un apport de capital, une rente transitoire est augmentée et simultanément le capital vieillesse est retiré. Les caractéristiques particulières d'une rente transitoire émanant de l'institution de prévoyance professionnelle (limitation dans le temps jusqu'à l'âge de la retraite, possibilité d'un financement paritaire, exclusion du retrait sous forme de capital, imposition ordinaire de la rente, etc.) écartent le risque d'abus que l'art. 79b al. 3 LPP veut contrer. L'apport de capital est dès lors déductible (consid. 3.4.5). Regesto Art. 32k cpv. 1 terza frase LPers; art. 33 cpv. 1 lett. d LIFD; art. 9 cpv. 2 lett. d LAID; art. 79b cpv. 3 LPP; l'apporto di capitale da parte della lavoratrice o del lavoratore al fine d'incrementare una rendita transitoria in caso di pensionamento anticipato è deducibile malgrado il ritiro simultaneo del capitale di vecchiaia. La prassi relativa al riscatto di capitale nella previdenza professionale, il quale è poi versato sotto forma di capitale ed è, quindi, fiscalmente privilegiato, non si applica nel caso in cui una rendita transitoria è incrementata con un apporto di capitale e contemporaneamente viene versato il capitale di vecchiaia. Le caratteristiche particolari di una rendita transitoria dell'istituto di previdenza professionale (limitazione nel tempo fino all'età del pensionamento, possibilità di finanziamento paritario, esclusione del versamento sotto forma di capitale, tassazione ordinaria della rendita, ecc.) escludono i rischi di abuso che l'art. 79b cpv. 3 LPP vuole evitare. L'apporto di capitale è quindi deducibile (consid. 3.4.5).
Originalentscheid beim Gericht ↗
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