Justizze.

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Justizze. Art. 37b DBG

Bundesgericht

Selbstständiger Arzt mit Invalidität seit 2004 gibt Praxis 2012 definitiv auf: Privilegierte Besteuerung der stillen Reserven zulässig trotz zeitlichem Abstand (Art. 37b DBG)

BGE / ATF / DTF
BGE 143 II 661 · ATF 143 II 661 · DTF 143 II 661
Datum
05.10.2017
Geschäftsnummer
BGE 143 II 661
Abteilung
CH_BGE_004
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 8 ATSG Art. 18 DBG Art. 37b DBG Art. 4 IVG Art. 1 LGBV Art. 2 LGBV

Zusammenfassung

Ein selbstständiger Hausarzt erlitt 2004 einen Hirnschlag und wurde daraufhin zu 80 Prozent erwerbsunfähig. Trotz ärztlich attestierter Rest-Erwerbsfähigkeit von 20 Prozent führte er seine Praxis bis 2012 weiter und gab sie dann definitiv auf. Er beantragte die gesonderte, privilegierte Besteuerung der aus der Praxisaufgabe resultierenden stillen Reserven nach Art. 37b DBG. Die kantonale Steuerbehörde und das kantonale Steuergericht lehnten dies ab, weil zwischen Eintritt der Invalidität und Geschäftsaufgabe acht Jahre lagen und sie einen Kausalzusammenhang verneinten. Der Beschwerdeführer erhob beim Bundesgericht Beschwerde.

Das Bundesgericht hob das kantonale Urteil auf und wies die kantonale Steuerbehörde an, die Veranlagung neu vorzunehmen mit getrennter Besteuerung des Liquidationsgewinns. Es stellte fest, dass die vier kumulativen Voraussetzungen für die privilegierte Besteuerung nach Art. 37b DBG erfüllt sind: Die Invalidität trat 2004 ein gemäss Art. 8 ATSG und Art. 4 IVG; die selbstständige Erwerbstätigkeit wurde 2012 definitiv aufgegeben gemäss Art. 37b DBG und Art. 1 LGBV; es besteht ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang zwischen der Invalidität und der Geschäftsaufgabe, da der Hirnschlag nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge geeignet war, zur Erwerbsunfähigkeit zu führen, und dieser Zusammenhang nicht durch andere Umstände unterbrochen wurde; und die privilegierte Besteuerung wird erstmals in Anspruch genommen gemäss Art. 1 Abs. 3 lit. b LGBV. Das Gericht betonte, dass Art. 37b DBG und Art. 1 LGBV an die Kausalität keine strengeren Anforderungen stellen als die allgemeinen Grundsätze des Haftpflichtrechts und insbesondere keine zeitliche Nähe zwischen Invaliditätseintritt und Geschäftsaufgabe verlangen. Die Argumente der Steuerbehörde, wonach der Weggang der Praxisassistentin und der Schuldenabbau die Geschäftsaufgabe verursacht hätten, wurden zurückgewiesen, da diese Umstände bei wertender Betrachtung nicht als ausschlaggebend erscheinen. Auch die Tatsache, dass die stillen Reserven erst im Laufe der Jahre bis 2012 durch Abschreibungen entstanden, steht der privilegierten Besteuerung nicht entgegen, da wiedereingebrachte Abschreibungen typische stille Reserven sind, die nach Art. 37b DBG gesondert besteuert werden können. Die Entscheidung klärt, dass eine zeitliche Verzögerung zwischen Invaliditätseintritt und definitiver Geschäftsaufgabe die Anwendung der Privilegierung nicht ausschliesst, solange der Kausalzusammenhang nach den allgemeinen haftpflichtrechtlichen Grundsätzen gegeben ist.

Regeste

Art. 18 Abs. 2 und Art. 37b DBG, Art. 1 und 2 LGBV; vom übrigen Einkommen getrennte und damit privilegierte Besteuerung der in den letzten zwei Geschäftsjahren realisierten stillen Reserven bei definitiver Aufgabe der selbstständigen Erwerbstätigkeit nach dem vollendeten 55. Altersjahr oder wegen Unfähigkeit zur Weiterführung infolge Invalidität. Art. 37b DBG und Art. 1 LGBV knüpfen die privilegierte Besteuerung von Liquidationsgewinnen an vier kumulative Bedingungen: Eintritt einer Invalidität im Sinne von Art. 8 ATSG bzw. Art. 4 IVG, definitive Aufgabe der selbstständigen Erwerbstätigkeit, Kausalzusammenhang zwischen Invalidität und Geschäftsaufgabe und erstmalige Inanspruchnahme der privilegierten Besteuerung (E. 2 und 3). Fall eines Steuerpflichtigen, bei dem die Invalidität im Jahre 2004 eintrat, der in der Folge aufgrund einer ärztlich attestierten Rest-Erwerbsfähigkeit von 20 % bis 2012 in diesem Rahmen selbstständig erwerbstätig blieb und die Tätigkeit 2012 definitiv aufgab (E. 4). Für die streitige Frage der Kausalität sind die allgemeinen Grundsätze des Haftpflichtrechts und die hierzu ergangene Rechtsprechung heranzuziehen (E. 5). Art. 37b DBG und Art. 1 LGBV stellen an die Kausalität keine strengeren Anforderungen, als sie sich aus den allgemeinen Grundsätzen des Haftpflichtrechts ergeben; namentlich ist eine zeitliche Nähe zwischen dem Eintritt der Invalidität und der definitiven Geschäftsaufgabe nicht erforderlich, sofern diesbezüglich der natürliche und der adäquate Kausalzusammenhang erstellt ist (E. 6). Auch lagen im beurteilten Fall keine Unterbrechungsgründe vor (E. 7), was zur Gutheissung der Beschwerde führt (E. 8). Regeste Art. 18 al. 2 et art. 37b LIFD, art. 1 et 2 OIBL; imposition séparée des autres revenus et partant privilégiée des réserves latentes réalisées durant les deux derniers exercices commerciaux si le contribuable cesse d'exercer son activité lucrative indépendante après l'âge de 55 ans révolus ou pour cause d'invalidité. L'art. 37b LIFD et l'art. 1 OIBL soumettent l'imposition privilégiée des bénéfices de liquidation à quatre conditions cumulatives: début d'une invalidité au sens des art. 8 LPGA et 4 LAI, cessation définitive de l'activité lucrative indépendante, lien de causalité entre l'invalidité, la cessation de l'activité et la première mise en oeuvre de l'imposition privilégiée (consid. 2 et 3). Cas d'un contribuable, dont l'invalidité a débuté en 2004, qui a néanmoins maintenu son activité lucrative indépendante jusqu'en 2012 à un taux correspondant à une capacité de travail résiduelle médicalement attestée de 20 %, puis définitivement cessé celle-ci en 2012 (consid. 4). La question de la causalité doit être résolue en application des principes généraux du droit de la responsabilité civile et de la jurisprudence rendue en la matière (consid. 5). Les art. 37b LIFD et 1 OIBL ne posent pas d'exigences plus sévères pour l'admission du lien de causalité que celles qui résultent des principes généraux du droit de la responsabilité civile; en particulier, ils n'exigent pas de connexité temporelle entre le début de l'invalidité et la cessation définitive de l'activité lucrative, lorsque les rapports de causalité naturelle et adéquate sont établis (consid. 6). Comme en l'espèce il n'y avait en outre aucun motif d'interruption du lien de causalité (consid. 7), le recours a été admis (consid. 8). Regesto Art. 18 cpv. 2 e art. 37b LIFD, art. 1 e 2 OULiq; imposizione separata dagli altri redditi e, quindi, privilegiata delle riserve occulte realizzate nel corso degli ultimi due esercizi commerciali in caso di cessazione definitiva dell'attività lucrativa indipendente dopo il compimento dei 55 anni o per incapacità di esercitare tale attività in seguito a invalidità. Gli artt. 37b LIFD e 1 OULiq subordinano l'imposizione privilegiata degli utili di liquidazione a quattro condizioni cumulative: insorgenza di un'invalidità ai sensi dell'art. 8 LPGA rispettivamente dell'art. 4 LAI, cessazione definitiva dell'attività lucrativa indipendente, nesso di causalità tra l'invalidità e la cessazione dell'attività e prima attuazione dell'imposizione privilegiata (consid. 2 e 3). Caso di un contribuente, la cui invalidità è insorta nel 2004, che ha nondimeno continuato ad esercitare la propria attività lucrativa indipendente fino nel 2012 ad un tasso corrispondente ad una capacità lavorativa residua medicalmente attestata del 20 % e che ha definitivamente cessato di svolgerla nel 2012 (consid. 4). La controversa questione della causalità dev'essere risolta in applicazione dei principi generali del diritto della responsabilità civile e della relativa giurisprudenza (consid. 5). Gli artt. 37b LIFD e 1 OULiq non pongono esigenze più severe per ammettere il nesso di causalità rispetto a quelle risultanti dai principi generali del diritto della responsabilità civile; in particolare non è necessaria una connessione temporale tra l'inizio dell'invalidità e la cessazione definitiva dell'attività lucrativa purché il nesso di causalità naturale e adeguato sia accertato (consid. 6). Nel caso di specie non sono stati riscontrati motivi d'interruzione del nesso di causalità (consid. 7), ragione per cui il ricorso è stato accolto (consid. 8).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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