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Justizze. Art. 10 URG

Bundesgericht

Hotels müssen für Radio- und Fernsehempfang in Gästezimmern Vergütung zahlen: Weitersendung ist keine freie Nutzung nach Art. 22 Abs. 2 URG (Art. 10 Abs. 2 lit. e URG)

BGE / ATF / DTF
BGE 143 II 617 · ATF 143 II 617 · DTF 143 II 617
Datum
01.01.2017
Geschäftsnummer
BGE 143 II 617
Abteilung
CH_BGE_004
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 11bis RBÜ Art. 10 URG Art. 19 URG Art. 22 URG Art. 35 URG Art. 8 WCT Art. 6 WIPO-Vertrag

Zusammenfassung

Die Verwertungsgesellschaften Suissimage und Mitb. beantragten bei der Eidgenössischen Schiedskommission für die Verwertung von Urheberrechten die Genehmigung eines Zusatztarifs zum Gemeinsamen Tarif 3a für den Sendeempfang in Hotelzimmern. Die Schiedskommission genehmigte den Tarif. GastroSuisse und hotelleriesuisse erhoben dagegen Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht, das diese abwies. Daraufhin legten die beiden Verbände Beschwerde beim Bundesgericht ein. Streitig war, ob der Empfang von Radio- und Fernsehprogrammen in Hotelzimmern vergütungspflichtig ist oder ob er unter die Ausnahmeregelung für Weitersendungen über technische Einrichtungen mit kleiner Empfängerzahl fällt.

Das Bundesgericht hob das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts auf und wies die Sache zur Neuentscheidung zurück. Es stellte fest, dass die Signalweiterleitung durch ein Hotel mittels eigener Antenne eine Weitersendung im Sinne von Art. 10 Abs. 2 lit. e URG darstellt und nicht als Wahrnehmbarmachen nach Art. 10 Abs. 2 lit. f URG zu qualifizieren ist. Damit greift die Ausnahmeregelung nach Art. 22 Abs. 2 URG nicht, weil diese nur auf Weitersendungen Anwendung findet und die Weitersendung in Hotelzimmern keine „kleine Empfängerzahl“ im Sinne des Gesetzes darstellt – insbesondere angesichts der Kritik in der Lehre, des Wortlauts, der seit 1993 weiter entwickelten völkerrechtlichen Verpflichtungen (Art. 11bis Abs. 1 RBÜ, Art. 8 WCT) und der Rechtsprechung des EuGH. Zudem stellte das Gericht klar, dass der Konsum in Hotelzimmern keinen entschädigungsfreien Privatgebrauch nach Art. 19 Abs. 1 lit. a URG darstellt, weil der Werkverwender nicht der Gast, sondern der gewinnorientierte Hotelier ist. Die Entscheidung bedeutet einen teilweisen Bruch mit BGE 119 II 51 und klärt die urheberrechtliche Behandlung von Hotel-TV- und -Radioanlagen endgültig zugunsten der Urheberrechtsverwertungsgesellschaften.

Regeste

Art. 1 Abs. 2, 10 Abs. 1 und 2 lit. e und f, 19 Abs. 1 lit. a, 22 Abs. 2 URG; Art. 11 bis Abs. 1 Ziff. 2 und 3 RBÜ; Art. 8 WCT; Gemeinsamer Tarif 3a Zusatz betreffend die Entschädigung für den Sendeempfang in Gästezimmern von Hotels; entschädigungsfreier Privatgebrauch. Wenn ein Hotel mittels eigener Antenne Radio- oder TV-Programme empfängt und diese in die Hotelzimmer weiterleitet, liegt eine Weitersendung im Sinne von Art. 10 Abs. 2 lit. e URG (und nicht ein Wahrnehmbarmachen im Sinne von Art. 10 Abs. 2 lit. f URG) vor (E. 5.1). Aufgrund der Kritik in der Lehre (E. 5.2.2), des Wortlautes der Bestimmung (E. 5.2.3), der seit 1993 weiter entwickelten völkerrechtlichen Verpflichtungen (E. 5.2.4) und der entsprechenden Rechtsprechung (E. 5.2.5) ergibt sich (in teilweiser Abkehr von BGE 119 II 51), dass die Weitersendung von Werken in Gästezimmer von Hotels eine öffentliche Wiedergabe im Sinne von Art. 11 bis Abs. 1 RBÜ darstellt, weshalb Art. 22 Abs. 2 URG nicht anwendbar ist (E. 5.2.6). Der Konsum von Radio- und Fernsehsendungen in Hotelzimmern stellt auch keinen entschädigungsfreien Privatgebrauch im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. a URG dar (E. 5.3). Regeste Art. 1 al. 2, 10 al. 1 et 2 let. e et f, 19 al. 1 let. a, 22 al. 2 LDA; art. 11 bis al. 1 ch. 2 et 3 de la Convention de Berne; art. 8 WCT; tarif complémentaire au tarif commun 3a concernant la redevance pour la réception dans des chambres d'hôtel; usage privé non soumis à la redevance. Lorsqu'un hôtel réceptionne au moyen de sa propre antenne des programmes radio ou télévisés et les transmet dans les chambres, il s'agit d'une retransmission au sens de l'art. 10 al. 2 let. e LDA (et non du fait de faire voir ou entendre au sens de l'art. 10 al. 2 let. f LDA) (consid. 5.1). Compte tenu des critiques de la doctrine (consid. 5.2.2), du libellé de la disposition (consid. 5.2.3), du développement des engagements internationaux depuis 1993 (consid. 5.2.4) et de la jurisprudence y relative (consid. 5.2.5), il y a lieu de retenir que la retransmission d'oeuvres dans des chambres d'hôtel constitue une communication publique au sens de l'art. 11 bis al. 1 de la Convention de Berne (revirement partiel par rapport à l' ATF 119 II 51), de sorte que l'art. 22 al. 2 LDA n'est pas applicable (consid. 5.2.6). Ecouter ou visionner des émissions radio ou télévisées dans des chambres d'hôtel ne constitue pas non plus un usage privé non soumis à la redevance au sens de l'art. 19 al. 1 let. a LDA (consid. 5.3). Regesto Art. 1 cpv. 2, 10 cpv. 1 e 2 lett. e ed f, 19 cpv. 1 lett. a, 22 cpv. 2 LDA; art. 11 bis cpv. 1 cifre 2 e 3 della Convenzione di Berna; art. 8 WCT; tariffa comune 3a, supplemento concernente l'indennità per la ricezione nelle camere d'hotel; uso privato non sottoposto a indennità. Quando, attraverso la propria antenna, un hotel riceve dei programmi radiofonici o televisivi e li trasmette nelle camere, ha luogo una ritrasmissione ai sensi dell'art. 10 cpv. 2 lett. e LDA (e non un "far vedere o udire" ai sensi dell'art. 10 cpv. 2 lett. f LDA) (consid. 5.1). Tenuto conto delle critiche provenienti dalla dottrina (consid. 5.2.2), del tenore letterale della norma (consid. 5.2.3), dello sviluppo degli obblighi previsti dal diritto internazionale dal 1993 ad oggi (consid. 5.2.4) e della giurisprudenza in materia (consid. 5.2.5), bisogna concludere che la ritrasmissione di opere in camere d'albergo è una comunicazione al pubblico ai sensi dell'art. 11 bis cpv. 1 della Convenzione di Berna (cambiamento parziale in rapporto a quanto deciso nella DTF 119 II 51), di modo che l'art. 22 cpv. 2 LDA non è applicabile (consid. 5.2.6). Il consumo di emissioni radiofoniche o televisive nelle camere d'hotel non è nemmeno un uso privato non sottoposto a indennizzo ai sensi dell'art. 19 cpv. 1 lett. a LDA (consid. 5.3).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.