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Justizze. Art. 23 HKsÜ

Bundesgericht

SUVA verweigert Auszahlung der Waisenrente ins Ausland: Kosovarische Vormundschaft verletzt Schweizer Ordre Public (Art. 30 UVG)

BGE / ATF / DTF
BGE 140 V 136 · ATF 140 V 136 · DTF 140 V 136
Datum
10.03.2014
Geschäftsnummer
BGE 140 V 136
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 42 BGG Art. 97 BGG Art. 105 BGG Art. 9 ESÜ Art. 10 ESÜ Art. 23 HKsÜ Art. 27 IPRG Art. 85 IPRG Art. 16 MSA Art. 30 UVG Art. 297 ZGB

Zusammenfassung

Die Grossmutter eines bei einem Unfall getöteten Versicherten verlangt von der SUVA die Auszahlung der Halbwaisenrenten ihrer Enkel an sie selbst im Kosovo. Sie beruft sich auf eine Verfügung einer kosovarischen Sozialbehörde, wonach ihr die Vormundschaft übertragen wurde. Die Mutter der Kinder lebt jedoch weiterhin in der Schweiz und beansprucht die Renten für sich.

Das Bundesgericht weist die Beschwerde ab, soweit es darauf eintritt. Für das ältere Kind tritt das Gericht mangels hinreichender Begründung der Beschwerde gegen den vorinstanzlichen Entscheid nicht ein. Im Übrigen bestätigt das Gericht, dass die SUVA die Auszahlung der Waisenrente für das jüngere Kind zu Recht an die in der Schweiz lebende Mutter statt an die Grossmutter im Kosovo geleistet hat.

Entscheidend war, dass die von der Beschwerdeführerin angerufene kosovarische Verfügung über die Bestellung als Vormund den schweizerischen Ordre Public verletzt. Die Verfügung ging davon aus, die Mutter habe das Kind im Stich gelassen, was durch die Aktenlage widerlegt wurde; zudem wurde die Mutter in das Verfahren vor der kosovarischen Behörde nicht einbezogen und erhielt keine rechtliche Gehörsmöglichkeit. Dies verstösst gegen fundamentale Grundsätze der Schweizer Rechtsordnung. Gestützt auf Art. 27 Abs. 1 IPRG sowie die relevanten Bestimmungen des Europäischen Sorgerechtsübereinkommens (ESÜ), des MSA und des HKsÜ wurde die Anerkennung dieses ausländischen Entscheids verweigert.

Da die elterliche Sorge nach Schweizer Recht (Art. 297 Abs. 3 ZGB) beim Tod eines Elternteils auf den Überlebenden übergeht, blieb die Mutter Inhaberin der elterlichen Sorge. Die Voraussetzungen für eine Drittauszahlung gemäss Art. 20 Abs. 1 ATSG waren nicht erfüllt, da keine Zweckentfremdung nachgewiesen wurde und die SUVA ihr Ermessen rechtsfehlerfrei ausgeübt hatte. Die Beschwerde der Grossmutter bleibt somit erfolglos.

Regeste

a Art. 97 Abs. 1 und 2, Art. 105 Abs. 2 und 3 BGG; Kognition. Das Bundesgericht urteilt mit eingeschränkter Kognition, wenn lediglich die Auszahlungsmodalität einer unbestrittenen Geldleistung (Waisenrente) streitig ist (E. 1.2). Regeste b Art. 30 UVG; Art. 297 Abs. 3, Art. 311 f. und Art. 318 Abs. 1 ZGB; Art. 27 Abs. 1 und Art. 85 Abs. 1 IPRG; Art. 9 Abs. 1 lit. a und Art. 10 Abs. 1 lit. a des Europäischen Übereinkommens vom 20. Mai 1980 über die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen über das Sorgerecht für Kinder und die Wiederherstellung des Sorgerechts. Die SUVA hat zu Recht die Auszahlung einer (unbestrittenen) Waisenrente ins Ausland verweigert und die weitere Ausrichtung an die in der Schweiz lebende Mutter angeordnet, da der ausländische "Entscheid" über die Bestellung eines Vormunds für die Halbwaise in casu den schweizerischen ordre public verletzt (E. 4 und 5). Regeste a Art. 97 al. 1 et 2, art. 105 al. 2 et 3 LTF; pouvoir d'examen. Le Tribunal fédéral statue avec un pouvoir d'examen restreint lorsque sont uniquement litigieuses les modalités de paiement de la prestation en espèces (rente d'orphelin) qui, en tant que telle, n'est pas contestée (consid. 1.2). Regeste b Art. 30 LAA; art. 297 al. 3, art. 311 s. et art. 318 al. 1 CC; art. 27 al. 1 et art. 85 al. 1 LDIP; art. 9 par. 1 let. a et art. 10 par. 1 let. a de la Convention européenne du 20 mai 1980 sur la reconnaissance et l'exécution des décisions en matière de garde des enfants et le rétablissement de la garde des enfants. La CNA est en droit de refuser de verser la rente d'orphelin (non contestée) à l'étranger et à en poursuivre le versement à la mère qui vit en Suisse, dès lors que la "décision" rendue à l'étranger instituant une tutelle sur l'orphelin du père est en l'espèce contraire à l'ordre public suisse (consid. 4 et 5). Regesto a Art. 97 cpv. 1 e 2, art. 105 cpv. 2 e 3 LTF; potere di esame. Il Tribunale federale statuisce con potere di esame limitato le controversie che riguardano unicamente le modalità di pagamento di una, in quanto tale, incontestata prestazione pecuniaria (rendita d'orfano; consid. 1.2). Regesto b Art. 30 LAINF; art. 297 cpv. 3, art. 311 seg. e art. 318 cpv. 1 CC; art. 27 cpv. 1 e art. 85 cpv. 1 LDIP; art. 9 par. 1 lett. a e art. 10 par. 1 lett. a della Convenzione europea del 20 maggio 1980 sul riconoscimento e l'esecuzione delle decisioni in materia di affidamento di minori e sul ristabilimento dell'affidamento. Poiché la "decisione" estera che istituisce una tutela in favore dell'orfano di padre è nella fattispecie contraria all'ordine pubblico svizzero, l'INSAI ha giustamente negato il pagamento all'estero di una rendita d'orfano (in quanto tale incontestata) e ordinato l'ulteriore versamento alla madre residente in Svizzera (consid. 4 e 5).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.