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Justizze. Art. 35 URG

Bundesgericht

Tarifgenehmigung: ESchK muss umstrittene Vergütungspflicht klären; Rückweisung an Vorinstanz (Art. 46, 59 URG)

BGE / ATF / DTF
BGE 140 II 483 · ATF 140 II 483 · DTF 140 II 483
Datum
09.10.2014
Geschäftsnummer
BGE 140 II 483
Abteilung
CH_BGE_004
Ausgang
Rückweisung

Tragende Normen

Art. 22c URG Art. 24b URG Art. 35 URG Art. 46 URG Art. 59 URG

Zusammenfassung

Swissperform focht die Streichung zweier Bestimmungen aus dem von ihr eingereichten Tarifentwurf A Radio 2013-2016 an. Die Eidgenössische Schiedskommission (ESchK) hatte Ziffern gestrichen, die den Schutzumfang bestimmter Aufnahmen (insbesondere US-Repertoire) und Berechnungsregeln für mehrere Verbreitungsvektoren definierten. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte diese Streichung mit der Begründung, es handle sich um rein zivilrechtliche Vorfragen, die nicht in das verwaltungsrechtliche Genehmigungsverfahren gehörten, da sie die Angemessenheit des linearen Prozentsatzes nicht unmittelbar beeinflussten. Swissperform argumentierte, dass ohne diese Klarstellungen eine korrekte Anwendung des Tarifs unmöglich sei und ein schutzwürdiges Interesse an der Klärung bestehe, um langwierige Zivilprozesse zu vermeiden.

Das Bundesgericht heisst die Beschwerde gut und weist die Sache zur neuen Beurteilung an die ESchK zurück. Es stellt fest, dass die ESchK im Verfahren der Tariffestsetzung verpflichtet ist, umstrittene materiellrechtliche Fragen zu klären, wenn zwischen Verwertungsgesellschaften und Nutzerverbänden Streit darüber besteht, ob bestimmte Nutzungshandlungen nach Gesetz vergütungspflichtig sind. Diese Pflicht ergibt sich aus der Notwendigkeit der Rechtssicherheit und der Gesamtschau im tarifrechtlichen Verfahren, die besser als eine Einzelfallklage geeignet ist, den Geltungsbereich des Tarifs zu definieren.

Das Gericht widerlegt die Auffassung der Vorinstanzen, wonach nur solche Fragen im Genehmigungsverfahren zu prüfen seien, die sich mittelbar auf die Angemessenheit der Entschädigung auswirken. Da die Rechte nach Art. 22c Abs. 1, Art. 24b und Art. 35 Abs. 1 URG nur über zugelassene Verwertungsgesellschaften geltend gemacht werden können und deren Ausübung der Bundesaufsicht unterliegt, muss der Tarif klarstellen, auf welche Rechte er sich bezieht. Eine zivilrechtliche Feststellungsklage nach Art. 61 URG ist für die Grundsatzfrage der Vergütungspflicht nicht zulässig, da diese im Rahmen der Tarifpflicht nach Art. 46 ff. URG zu entscheiden ist. Die Tarife unterliegen daher einer doppelten und komplementären Kontrolle: Die ESchK prüft die materiellen Voraussetzungen vorfrageweise im Genehmigungsverfahren, während die Zivilgerichte die Einhaltung zwingender gesetzlicher Vorschriften im Einzelfall überwachen, ohne jedoch die Angemessenheit eines rechtskräftig genehmigten Tarifs erneut zu prüfen.

Regeste

Art. 35, 46 und 59 URG; Angemessenheit des Tarifentwurfs A Radio 2013-2016; Bedeutung der Genehmigung durch die Eidgenössische Schiedskommission (ESchK). Ein von der ESchK genehmigter Tarif schafft nicht in dem Sinne zivilrechtliche Verbindlichkeit, dass eine darin enthaltene Regelung zwangsläufig rechtens ist. Die Prüfung materiellrechtlicher Fragen durch die ESchK erfolgt nur vorfrageweise (E. 5). Ist zwischen den Verwertungsgesellschaften und den Nutzerverbänden umstritten, ob bestimmte Nutzungshandlungen nach Gesetz vergütungspflichtig sind oder nicht, hat die ESchK im Verfahren der Tariffestsetzung (Art. 46 bzw. 59 URG) über diese materiellrechtliche Frage zu entscheiden. Die Tarife der Verwertungsgesellschaften unterliegen somit einer doppelten und komplementären Kontrolle durch die ESchK und die Zivilgerichte (E. 6). Regeste Art. 35, 46 et 59 LDA; équité du projet de tarif A radio 2013-2016; portée de l'approbation par la Commission arbitrale fédérale (CAF). Un tarif approuvé par la CAF n'est pas contraignant d'un point de vue civil, en ce sens que la réglementation prévue serait forcément conforme au droit. L'examen des questions matérielles par la CAF n'intervient qu'à titre préjudiciel (consid. 5). S'il existe un désaccord entre les sociétés de gestion et les associations d'utilisateurs quant à la question de savoir si certains actes d'utilisation sont de par la loi soumis à rémunération ou non, la CAF est tenue de statuer sur cette question matérielle dans la procédure d'établissement des tarifs (art. 46 resp. 59 LDA). Les tarifs des sociétés de gestion sont ainsi soumis à un contrôle double et complémentaire, par la CAF et les tribunaux civils (consid. 6). Regesto Art. 35, 46 e 59 LDA; adeguatezza del progetto di tariffa A radio 2013-2016; portata dell'approvazione da parte della Commissione arbitrale federale (CAF). L'approvazione di una tariffa da parte della CAF non comporta, dal punto di vista civilistico, il riconoscimento vincolante del fatto che la regolamentazione in essa contenuta è conforme al diritto. L'esame di questioni di diritto materiale da parte della CAF interviene solo a titolo pregiudiziale (consid. 5). Se esiste un disaccordo tra società di gestione e associazioni che rappresentano gli utenti in merito alla questione a sapere se, per legge, determinate attività di utilizzazione sottostanno a compenso, la CAF è tenuta a statuire su questo aspetto di carattere materiale nell'ambito della procedura di fissazione delle tariffe (art. 46 risp. 59 LDA). Le tariffe delle società di gestione sono così sottoposte a un controllo doppio e complementare, da parte della CAF e dei tribunali civili (consid. 6).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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