Taggeld für Temporärarbeitnehmer: Keine Sonderberechnung bei kurzem Einsatz, massgebend ist letzter Lohn (Art. 15 Abs. 2 UVG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 139 V 464 · ATF 139 V 464 · DTF 139 V 464
- Datum
- 12.07.2013
- Geschäftsnummer
- BGE 139 V 464
- Ausgang
- Rückweisung
Tragende Normen
Art. 22 OAINF Art. 23 OAINF Art. 22 OLAA Art. 23 OLAA Art. 15 UVG Art. 22 UVV Art. 23 UVV
Zusammenfassung
Ein 1971 geborener Heizungsmonteur trat am ersten Arbeitstag einer durch eine Personalausleihfirma vermittelten Stelle in einem Einsatzbetrieb an und verletzte sich dabei an der Hand. Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA) qualifizierte ihn als unregelmässig Beschäftigten und berechnete das Taggeld basierend auf einem Durchschnittslohn der letzten drei Monate, wobei sie Zeiten ohne Einkommen vor Antritt der neuen Stelle einbezog. Der Versicherte focht diese Berechnung an und verlangte ein höheres Taggeld gestützt auf den tatsächlichen Lohn des ersten Arbeitstages.
Das Bundesgericht hiess die Beschwerde gut und wies die Sache zur Neuberechnung an die SUVA zurück. Es stellte fest, dass die Voraussetzungen für die Sonderregelung des angemessenen Durchschnittslohnes gemäss Art. 23 Abs. 3 UVV nicht erfüllt waren. Im konkreten Arbeitsverhältnis beim Einsatzbetrieb lag eine regelmässige Erwerbstätigkeit vor, da vertraglich ein Vollzeitpensum vereinbart wurde und keine Hinweise auf Aushilfs- oder Gelegenheitsarbeit bestanden. Zudem fehlten starke Lohnschwankungen, da der Monteur zu einem fixen Stundenlohn arbeitete.
Die Vorinstanz hatte zu Unrecht auf die voraussichtliche Dauer des befristeten Arbeitsverhältnisses abgestellt und Zeiten vor Antritt der Stelle in die Berechnung einbezogen. Das Gericht betonte, dass bei der Taggeldbemessung die effektive Dauer der Beschäftigung keine Rolle spielt und nur die Verhältnisse im konkreten Arbeitsverhältnis zum Zeitpunkt des Unfalls massgebend sind. Da die Sondernorm nicht greift, ist die Grundregel anzuwenden: Gemäss Art. 15 Abs. 2 UVG in Verbindung mit Art. 22 Abs. 3 UVV ist der letzte vor dem Unfall bezogene Lohn im konkreten Arbeitsverhältnis (hier der erste Tageslohn) für die Berechnung heranzuziehen.
Regeste
Art. 15 UVG; Art. 22 Abs. 3 und Art. 23 Abs. 3 UVV; versicherter Verdienst für die Bemessung des Taggeldes eines Temporärarbeitnehmers. Massgebender Lohn für das Taggeld bei einem Temporärarbeitnehmer, der kurz nach Antritt der Arbeitsstelle in einem Einsatzbetrieb verunfallt (E. 4). Es ist anhand der vor dem Unfall konkret ausgeübten Tätigkeit zu prüfen, ob die Merkmale von Art. 23 Abs. 3 UVV erfüllt sind (E. 4.3). Der effektiven Dauer der Beschäftigung kommt bei der Bemessung des versicherten Verdienstes für die Taggelder keine besondere Bedeutung zu (E. 4.4). Sind die Voraussetzungen von Art. 23 Abs. 3 UVV nicht erfüllt, ist der Taggeldberechnung in Anwendung von Art. 15 Abs. 2 UVG in Verbindung mit Art. 22 Abs. 3 UVV der letzte vor dem Unfall bezogene Lohn im konkreten Arbeitsverhältnis zugrunde zu legen (E. 4.5 und 4.6). Regeste Art. 15 LAA; art. 22 al. 3 et art. 23 al. 3 OLAA; gain assuré déterminant pour le calcul de l'indemnité journalière d'un travailleur temporaire. Salaire déterminant pour l'indemnité journalière en faveur d'un travailleur temporaire victime d'un accident peu après la prise du travail dans l'entreprise (consid. 4). Le point de savoir si les conditions de l'art. 23 al. 3 OLAA sont réalisées doit être examiné au regard de l'activité effectivement exercée avant l'accident (consid. 4.3). La durée effective de l'engagement n'a pas une importance particulière pour calculer le gain assuré déterminant pour les indemnités journalières (consid. 4.4). Si les conditions de l'art. 23 al. 3 OLAA ne sont pas réalisées, le dernier salaire perçu avant l'accident dans les rapports de travail effectifs est déterminant pour calculer l'indemnité journalière en vertu de l'art. 15 al. 2 LAA en liaison avec l'art. 22 al. 3 OLAA (consid. 4.5 et 4.6). Regesto Art. 15 LAINF; art. 22 cpv. 3 e art. 23 cpv. 3 OAINF; guadagno assicurato per il calcolo dell'indennità giornaliera di un lavoratore temporaneo. Salario determinante per l'indennità giornaliera di un lavoratore temporaneo che si infortuna poco dopo l'inizio del lavoro per l'impresa d'impiego (consid. 4). Va stabilito in base all'attività concretamente esercitata prima dell'infortunio se ricorrono le condizioni dell'art. 23 cpv. 3 OAINF (consid. 4.3). La durata effettiva dell'occupazione non è di particolare rilievo per il calcolo del guadagno assicurato determinante per le indennità giornaliere (consid. 4.4). Se non ricorrono le condizioni dell'art. 23 cpv. 3 OAINF, l'indennità giornaliera è calcolata in base all'ultimo salario ricevuto prima dell'infortunio nel concreto rapporto di lavoro in applicazione dell'art. 15 cpv. 2 LAINF in relazione con l'art. 22 cpv. 3 OAINF (consid. 4.5 e 4.6).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.