Selbstständigerwerbender bestreitet Verzugszins auf Nachforderung: AHVV-Bestimmung bleibt trotz ATSG anwendbar, Fälligkeit geregelt (Art. 26 Abs. 1 ATSG, Art. 41bis AHVV)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 134 V 202 · ATF 134 V 202 · DTF 134 V 202
- Datum
- 09.04.2008
- Geschäftsnummer
- BGE 134 V 202
- Abteilung
- CH_BGE_007
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Zusammenfassung
Ein selbstständig erwerbstätiger Versicherter wurde von der Ausgleichskasse des Kantons Aargau zur Nachzahlung persönlicher AHV/IV/EO-Beiträge für das Jahr 2003 verpflichtet. Die Akontozahlungen lagen deutlich unter dem tatsächlich geschuldeten Betrag. Der Versicherte beglich den Restbetrag erst im Mai 2006, woraufhin die Ausgleichskasse Verzugszinsen in Höhe von 5 % für einen Zeitraum von 510 Tagen forderte. Der Versicherte beanstandete die Verzugszinsforderung mit der Begründung, dass nach dem neuen Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) nur fällige Beitragsforderungen verzinst werden dürften und die Verordnungsvorschrift hierzu keine Regelung treffe. Zudem machte er geltend, der Zinssatz sei überhöht und ein allfälliges Verschulden des Steueramtes bei der Einkommensermittlung müsse berücksichtigt werden.
Das Bundesgericht wies die Beschwerde des selbstständig erwerbstätigen Versicherten gegen die Verzugszinsverfügung ab. Das Gericht bestätigte, dass Art. 41bis Abs. 1 lit. f AHVV auch nach dem Inkrafttreten von Art. 26 Abs. 1 ATSG am 1. Januar 2003 weiterhin gesetzeskonform und anwendbar bleibt. Zwar verlangt das Gesetz nun explizit die Fälligkeit der Beitragsforderung für den Zinslauf, doch regeln die Ausführungsbestimmungen der AHVV diesen Zeitpunkt umfassend. Gemäss Art. 41bis Abs. 1 lit. f AHVV beginnt der Verzugszins für Selbstständigerwerbende, deren Akontozahlungen mindestens 25 % unter den geschuldeten Beiträgen liegen, automatisch am 1. Januar nach Ablauf des dem Beitragsjahr folgenden Kalenderjahres. Im vorliegenden Fall war dies der 1. Januar 2005.
Die Rüge des Beschwerdeführers, ein allfälliges Versäumnis des Steueramtes bei der Einkommensschätzung müsse die Zinspflicht ausschliessen oder mindern, wurde verworfen. Da der Verzugszins primär als pauschalierter Vorteilsausgleich für die verspätete Zahlung dient und keinen pönalen Charakter hat, ist ein Verschulden der Verwaltung oder einer anderen Behörde unerheblich. Mangels relevanter Tatsachenfeststellungen zur Schuldfrage bestand zudem kein Anlass, die Sachverhaltsermittlung der Vorinstanz gestützt auf Art. 105 Abs. 2 BGG zu ergänzen oder eine Willkür nach Art. 97 Abs. 1 BGG anzunehmen. Auch das Argument der überhöhten Renditeerwartung der öffentlichen Hand greift nicht, da der Zins nicht exakt den tatsächlichen Schaden ausgleichen muss. Schliesslich liegt es in der Hand der beitragspflichtigen Person, durch rechtzeitige Meldung höherer Einkünfte gemäss Art. 24 Abs. 4 AHVV die Entstehung solcher Verzugszinsen zu vermeiden.
Regeste
Art. 26 Abs. 1 ATSG; Art. 41bis Abs. 1 AHVV; Verzugszinsregelung nach dem Inkrafttreten des ATSG am 1. Januar 2003. Art. 41bis Abs. 1 AHVV ist gesetzeskonform und bleibt auch nach Inkrafttreten von Art. 26 Abs. 1 ATSG anwendbar (Bestätigung des Urteils des Eidg. Versicherungsgerichts H 20/04 vom 19. August 2004, publ. in: AHI 2004 S. 257). Der Umstand, dass gemäss Art. 26 Abs. 1 ATSG der Verzugszins auf fälligen Beitragsforderungen geschuldet ist, während in dem bis 31. Dezember 2002 gültig gewesenen Art. 14 Abs. 4 lit. e AHVG, auf welchem Art. 41bis Abs. 1 AHVV beruht, das Wort Fälligkeit nicht enthalten war, ändert nichts (E. 3). Regeste Art. 26 al. 1 LPGA; art. 41bis al. 1 RAVS; réglementation en matière d'intérêts moratoires après l'entrée en vigueur de la LPGA le 1er janvier 2003. L'art. 41bis al. 1 RAVS est conforme à la loi et demeure également applicable après l'entrée en vigueur de l'art. 26 al. 1 LPGA (confirmation de l'arrêt du Tribunal fédéral des assurances H 20/04 du 19 août 2004, publié in VSI 2004 p. 257). Quand bien même l'art. 14 al. 4 let. e LAVS (dans sa teneur en vigueur jusqu'au 31 décembre 2002), sur lequel est fondé l'art. 41bis al. 1 RAVS, ne faisait pas mention de la notion d'échéance, cela ne change rien au fait que, suivant l'art. 26 al. 1 LPGA, sont soumises à la perception d'intérêts moratoires les créances de cotisations échues (consid. 3). Regesto Art. 26 cpv. 1 LPGA; art. 41bis cpv. 1 OAVS; regolamentazione degli interessi di mora dopo l'entrata in vigore, il 1° gennaio 2003, della LPGA. L'art. 41bis cpv. 1 OAVS è conforme alla legge e rimane applicabile anche dopo l'entrata in vigore dell'art. 26 cpv. 1 LPGA (conferma della sentenza del Tribunale federale delle assicurazioni H 20/04 del 19 agosto 2004, pubblicata in VSI 2004 pag. 257). Non cambia nulla il fatto che per l'art. 26 cpv. 1 LPGA (soprattutto nelle versioni tedesca e francese) l'interesse di mora sia dovuto su crediti di contributi scaduti, mentre l'art. 14 cpv. 4 lett. e LAVS, in vigore fino al 31 dicembre 2002 e sul quale si fonda l'art. 41bis cpv. 1 OAVS, non contempla la nozione di scadenza (consid. 3).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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