Justizze.

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Justizze. Art. 17 BVV

Bundesgericht

Zulässigkeit von Zusatzprämien zur Finanzierung der BVG-Mindestzinsgarantie bei Kollektivversicherungsverträgen (Art. 68 Abs. 2 BVG)

BGE / ATF / DTF
BGE 130 II 258 · ATF 130 II 258 · DTF 130 II 258
Datum
12.03.2004
Geschäftsnummer
BGE 130 II 258
Abteilung
CH_BGE_004
Ausgang
Rückweisung

Tragende Normen

Art. 14 BVG Art. 15 BVG Art. 65 BVG Art. 68 BVG Art. 12 BVV Art. 17 BVV Art. 114 OG Art. 17 VAG Art. 20 VAG

Zusammenfassung

Die Schweizerische Lebensversicherungs- und Rentenanstalt (Swiss Life) beantragte beim Bundesamt für Privatversicherungen die Genehmigung einer Risikoprämie zur Finanzierung der gesetzlichen Mindestzinsgarantie und des Mindestumwandlungssatzes im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge. Das Bundesamt verweigerte die Genehmigung mit der Begründung, dies sei eine Umgehung der zwingenden gesetzlichen Vorgaben und widerspreche dem System der beruflichen Vorsorge. Die Eidgenössische Rekurskommission bestätigte diesen Entscheid. Die Versicherungsanstalt erhob daraufhin Verwaltungsgerichtsbeschwerde ans Bundesgericht.

Das Bundesgericht hiess die Verwaltungsgerichtsbeschwerde gut und wies die Sache zur neuen Beurteilung an das Bundesamt für Privatversicherungen zurück.

Das Gericht stellte fest, dass Zusatzprämien zur Finanzierung der Mindestzins- oder Umwandlungssatzgarantien nicht per se systemwidrig sind. Gemäss Art. 68 Abs. 2 BVG muss die Aufsichtsbehörde im Genehmigungsverfahren nach Art. 20 VAG prüfen, ob die Tarife auch unter dem Gesichtspunkt des Obligatoriums angebracht sind. Da Art. 14 Abs. 1 Satz 2 und Art. 15 Abs. 2 BVG sowie Art. 12 und Art. 17 Abs. 1 BVV 2 ausschliesslich die Leistungsseite definieren, wird deren Einhaltung durch zusätzliche Prämien zur Deckung eines Finanzbedarfs nicht verletzt. Vielmehr verpflichtet Art. 65 Abs. 1 und Abs. 2 BVG die Vorsorgeeinrichtungen, jederzeit die Erfüllung ihrer Verpflichtungen sicherzustellen; bei struktureller Unterdeckung sind zusätzliche Einnahmen zulässig, um eine gesetzwidrige Situation zu vermeiden.

Eine Genehmigung setzt jedoch voraus, dass keine missbräuchlichen Tarife vorliegen. Dies ist insbesondere dann gegeben, wenn die Versicherungsgesellschaft in der Vergangenheit übermässige Gewinne erzielt oder Renditen oberhalb des Mindestzinssatzes nicht an die Versicherten weitergegeben hat. Zudem müssen kurzfristige Marktschwankungen von einer längerfristigen strukturellen Unterdeckung unterschieden werden. Da die Vorinstanzen die Zulässigkeit pauschal verneint hatten, ohne die konkrete finanzielle Situation, die Verwendung früherer Überschüsse und die tatsächliche Organisation der Vermögensverwaltung zu prüfen, fehlten die notwendigen Grundlagen für eine Entscheidung. Das Bundesamt muss daher neu beurteilen, ob die beantragten Zusatzprämien unter Berücksichtigung der veränderten Marktbedingungen und der historischen Gewinnverwendung als angemessen gelten können.

Regeste

Art. 20 VAG; Art. 14 Abs. 1 Satz 2, 15 Abs. 2, 67 und 68 Abs. 2 BVG; Art. 12 und 17 BVV 2; Zulässigkeit von Zusatzprämien zur Finanzierung der BVG-Mindestzinsgarantie bzw. der BVG-Umwandlungssatzgarantie bei Kollektivversicherungsverträgen im obligatorischen Bereich. Im versicherungsrechtlichen Genehmigungsverfahren ist auch die Vereinbarkeit der Tarife mit dem BVG-Obligatorium und den entsprechenden Vorschriften zu prüfen (E. 2). Zusatzprämien zur Finanzierung der Mindestzinssatz- bzw. Umwandlungssatzgarantie sind nicht systeminhärent BVG-widrig (E. 3 und 4); Voraussetzungen, unter denen solche zulässig sein können (E. 5). Regeste Art. 20 LSA; art. 14 al. 1 2e phrase, 15 al. 2, 67 et 68 al. 2 LPP; art. 12 et 17 OPP 2; admissibilité de surprimes d'assurance pour financer la garantie de l'intérêt minimal LPP respectivement la garantie du taux de conversion LPP lors de contrats d'assurance collective dans le domaine de la prévoyance obligatoire. Dans la procédure d'approbation du droit des assurances, la conformité des tarifs avec le régime obligatoire LPP et les dispositions correspondantes doit aussi être contrôlée (consid. 2). Les surprimes d'assurance destinées à financer la garantie de l'intérêt minimal respectivement du taux de conversion ne sont pas en soi contraires au système LPP (consid. 3 et 4); conditions auxquelles elles peuvent être admises (consid. 5). Regesto Art. 20 LSA; art. 14 cpv. 1 seconda frase, 15 cpv. 2, 67 e 68 cpv. 2 LPP; art. 12 e 17 OPP 2; ammissibilità di supplementi di premio per finanziare la garanzia del saggio minimo d'interesse LPP, rispettivamente la garanzia dell'aliquota di conversione LPP in caso di contratti d'assicurazione collettiva nel regime obbligatorio. Nella procedura di approvazione prevista dal diritto delle assicurazioni deve essere esaminata anche la compatibilità delle tariffe con il regime obbligatorio LPP e le relative disposizioni (consid. 2). I supplementi di premio per finanziare la garanzia del saggio minimo d'interesse, rispettivamente dell'aliquota di conversione, non sono di per sé contrari al sistema della LPP (consid. 3 e 4); condizioni alle quali possono essere ammessi (consid. 5).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.