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Justizze. Art. 9 IRSG

Bundesgericht

Entsiegelungsgesuch für Anwaltsakten mangels konkreter Verwicklungsangaben abgewiesen (Art. 69 BStP, Art. 18a Abs. 3 IRSG)

BGE / ATF / DTF
BGE 130 II 193 · ATF 130 II 193 · DTF 130 II 193
Datum
11.02.2004
Geschäftsnummer
BGE 130 II 193
Abteilung
CH_BGE_004
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 36 BV Art. 4 BÜPF Art. 9 IRSG Art. 12 IRSG Art. 18a IRSG Art. 64 IRSG Art. 69 PP Art. 77 PP Art. 321 StGB

Zusammenfassung

Die Schweizerische Bundesanwaltschaft beantragt beim Bundesgericht die Entsiegelung und Durchsuchung von beschlagnahmten Dokumenten und elektronischen Daten einer Zürcher Anwaltskanzlei im Rahmen eines internationalen Rechtshilfeersuchens aus Italien wegen terroristischer Vereinigungen. Die Gesuchsgegner rügen die Verletzung des Anwaltsgeheimnisses, da lediglich eine Sekretärin der Kanzlei als involviert genannt werde und keine konkreten Hinweise auf eine Beteiligung der Anwälte oder einen Missbrauch der Kanzlei für kriminelle Zwecke vorlägen.

Das Bundesgericht weist das Gesuch der Bundesanwaltschaft um Entsiegelung und Durchsuchung der beschlagnahmten Anwaltsakten ab. Das Gericht prüft das Begehren als Zwangsmassnahmengericht im Rechtshilfeverfahren gestützt auf Art. 69 und 77 BStP sowie Art. 9, 12, 18a Abs. 3, 63 und 64 IRSG. Zwar greift die Entsiegelung elektronischer Dateien in das Berufsgeheimnis ein, doch muss die gesuchstellende Behörde darlegen, inwiefern die Anwaltskanzlei in die untersuchten strafbaren Vorgänge verwickelt sein könnte. Der blosse Umstand, dass eine Sekretärin der Kanzlei Kontakte zu Mitgliedern einer subversiven Organisation pflegte, reicht nicht aus, um die Durchsuchung sämtlicher Kanzleidokumente zu rechtfertigen, zumal solche Kontakte auch auf einem Mandatsverhältnis beruhen könnten. Weder das Entsiegelungsgesuch noch das italienische Rechtshilfeersuchen enthalten hinreichende Angaben zur sachlichen Konnexität oder zur möglichen Verstrickung der Kanzlei. Ohne diese Begründung erscheint die Massnahme unverhältnismässig gemäss Art. 36 Abs. 3 BV und eine richterliche Triage zum Schutz des Anwaltsgeheimnisses ist nicht möglich. Die Bundesbehörden können jedoch ein neues, konkret begründetes Gesuch stellen.

Regeste

Art. 9, 12, 18a Abs. 3 und 63 f. IRSG, Art. 69 und 77 BStP, Art. 4 Abs. 3 BÜPF; rechtshilfeweise Entsiegelung und Durchsuchung von Dokumenten und elektronischen Daten einer Anwaltskanzlei. Für die Prüfung verfahrensleitender (zwangsmassnahmenrechtlicher) Gesuche der ausführenden Bundesbehörde ist in Rechtshilfesachen grundsätzlich die I. öffentlichrechtliche Abteilung des Bundesgerichtes zuständig (E. 2.2). Im Gesuch um Entsiegelung und Durchsuchung der beschlagnahmten Dokumente und gespeicherten elektronischen Dateien ist darzulegen, inwiefern diese für die Untersuchung von Bedeutung sind und ihre rechtshilfeweise Verwendung in Frage kommen kann. Bei Dokumenten und Dateien einer Anwaltskanzlei ist ausserdem zu prüfen, ob die Durchsuchung vor dem Anwaltsgeheimnis standhält (E. 4.2 und 4.3). Eine Entsiegelung und Durchsuchung von Anwaltsakten kommt namentlich in Frage, wenn der betroffene Anwalt oder die Anwältin selbst strafrechtlich angeschuldigt wird. Zumindest muss im Entsiegelungsgesuch aber dargelegt werden, inwiefern die Anwaltskanzlei in die untersuchten strafbaren Vorgänge verwickelt sein könnte (E. 5). Regeste Art. 9, 12, 18a al. 3 et 63 s. EIMP, art. 69 et 77 PPF, art. 4 al. 3 LSCPT; levée des scellés pour les besoins d'une procédure d'entraide et examen de documents et de données électroniques saisis dans une étude d'avocats. La Ire Cour de droit public est en principe compétente pour statuer sur une demande de levée des scellés formée par l'autorité fédérale d'exécution, pour les besoins d'une procédure d'entraide judiciaire (consid. 2.2). La demande, tendant à la levée des scellés et à l'examen des documents et des données informatiques saisis, doit indiquer dans quelle mesure ces informations sont importantes pour l'enquête et susceptibles d'être utilisées dans le cadre de l'entraide judiciaire. Dans le cas de documents et de données d'une étude d'avocats, il y a lieu en outre d'examiner si la perquisition respecte le secret professionnel (consid. 4.2 et 4.3). La levée des scellés et l'examen des pièces peuvent notamment avoir lieu lorsque l'avocat est lui-même poursuivi pénalement. La demande de levée des scellés doit toutefois au moins indiquer dans quelle mesure l'étude d'avocats pourrait être impliquée dans les agissements poursuivis (consid. 5). Regesto Art. 9, 12, 18a cpv. 3 e 63 seg. AIMP, art. 69 e 77 PP, art. 4 cpv. 3 LSCPT; dissuggellamento e perquisizione ai fini dell'assistenza giudiziaria internazionale di documenti e dati elettronici di uno studio legale. La I Corte di diritto pubblico è di massima competente, nella procedura di assistenza giudiziaria internazionale in materia penale, per statuire su una domanda di dissuggellamento formulata dall'autorità federale di esecuzione (consid. 2.2). La richiesta di levata dei sigilli e di esame dei documenti e dei dati elettronici sequestrati deve indicare in che misura essi siano importanti per l'inchiesta e suscettibili di essere utilizzati nell'ambito dell'assistenza giudiziaria. Trattandosi di documenti e di dati di uno studio legale occorre inoltre esaminare se la perquisizione rispetti il segreto professionale dell'avvocato (consid. 4.2 e 4.3). Il dissuggellamento e la perquisizione di tali atti entrano segnatamente in considerazione quando l'avvocato è egli medesimo perseguito penalmente. La richiesta di levata dei sigilli deve tuttavia perlomeno specificare in che misura lo studio legale potrebbe essere implicato nei fatti perseguiti (consid. 5).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.