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Justizze. Art. 16a ELG

Bundesgericht

Erben einer verstorbenen Ergänzungsleistungsbezieherin müssen Rückforderung nur über Fr. 40'000.- Nachlassvermögen am Todestag leisten: Todesfallkosten bleiben unberücksichtigt, Heimkosten zu Lebzeiten geschuldet (Art. 16a Abs. 1 ELG)

BGE / ATF / DTF
BGE 151 V 264 · ATF 151 V 264 · DTF 151 V 264
Datum
01.01.2025
Geschäftsnummer
BGE 151 V 264
Abteilung
CH_BGE_007
Ausgang
Teilweise gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 16a ELG Art. 27a ELV Art. 474 ZGB Art. 560 ZGB Art. 603 ZGB

Zusammenfassung

Die Erbinnen und Erben einer verstorbenen Empfängerin von Ergänzungsleistungen zur AHV/IV erhoben Beschwerde gegen die Rückforderung eines Betrags von Fr. 13'369.- durch die Ausgleichskasse des Kantons Bern. Streitig war, ob bei der Berechnung des Nachlasses für die Rückforderung Todesfall- und Bestattungskosten sowie Kosten des Seniorenzentrums berücksichtigt werden dürfen. Die Beschwerdeführenden argumentierten, der Rückforderungsanspruch sei auf Fr. 3'701.05 zu begrenzen, weil sämtliche genannten Kosten vom Nachlass abzuziehen seien.

Das Bundesgericht entschied, dass die Rückforderung nur vom Teil des Nachlasses zu leisten ist, der den gesetzlichen Freibetrag von Fr. 40'000.- übersteigt, wobei der Nachlass nach dem Vermögen am Todestag zu bestimmen ist. Dabei sind ausschliesslich die Schulden der Verstorbenen zum Zeitpunkt ihres Todes – also Erbschaftsschulden – abzuziehen; Todesfall- und Bestattungskosten, die erst nach dem Tod entstanden sind, zählen hingegen zu den Erbgangsschulden und bleiben unberücksichtigt, da der Gesetzgeber für deren Begleichung den Freibetrag vorgesehen hat. Die vom Seniorenzentrum geltend gemachten Kosten – Miete bis zur Zimmerräumung, Schlussreinigungspauschale und Aufwendungen beim Ableben – stellten hingegen Erbschaftsschulden dar, weil sie bereits zu Lebzeiten der Verstorbenen durch den Heimvertrag begründet worden waren; diese Passiven sind daher bei der Nachlassbestimmung nach Art. 16a Abs. 1 ELG in Verbindung mit Art. 27a Abs. 1 ELV als Schulden zu berücksichtigen. Damit war der Beschwerde insoweit stattzugeben, als die kantonale Vorinstanz diese Heimkosten zu Unrecht nicht vom Nachlass abgezogen hatte. Die Beschwerde war jedoch unbegründet soweit sie die Berücksichtigung der Todesfall- und Bestattungskosten betraf. Die Entscheidung klärt die Abgrenzung zwischen Erbschafts- und Erbgangsschulden im Kontext der Ergänzungsleistungs-Rückforderung und bestätigt die Rechtsgültigkeit der Wegleitung Rz. 4720.03 WEL.

Regeste

Art. 16a Abs. 1 ELG; Art. 27a Abs. 1 ELV; Rz. 4720.03 der Wegleitung über die Ergänzungsleistungen zur AHV und IV (WEL); Rückforderung rechtmässig bezogener Leistungen; Ermittlung des Nachlasses der verstorbenen EL-Bezügerin bei massgebendem Vermögen am Todestag. Für die Bestimmung des Nachlasses sind die Nachlassaktiven abzüglich der Schulden der Erblasserin oder des Erblassers per Todestag massgeblich. Die Todesfall- und Bestattungskosten, die erst nach dem Todestag der EL-beziehenden Person entstanden sind, bleiben unberücksichtigt. Für deren Begleichung hat der Gesetzgeber den in Art. 16a Abs. 1 ELG festgelegten Freibetrag von Fr. 40'000.- vorgesehen. Die Rz. 4720.03 WEL enthält mit Blick auf Art. 16a Abs. 1 ELG und Art. 27a Abs. 1 ELV eine zulässige Formulierung (E. 7 und 8). Regeste Art. 16a al. 1 LPC; art. 27a al. 1 OPC-AVS/AI; ch. 4720.03 de la directive sur les prestations complémentaires à l'AVS et à l'AI (DPC); restitution de prestations légalement perçues; la succession de la bénéficiaire de PC décédée se détermine d'après la fortune existant au jour de son décès. Pour déterminer la succession, il faut prendre en compte les actifs successoraux déduction faite des dettes du défunt ou de la défunte à la date du décès. Les frais funéraires et les frais liés au décès qui ne sont pas engagés avant le décès de la personne bénéficiaire de PC ne sont pas pris en considération. Pour leur règlement, le législateur a prévu l'abattement de 40'000 fr. fixé à l'art. 16a al. 1 LPC. Le ch. 4720.03 DPC, tel qu'il est formulé, n'est pas critiquable au regard de l'art. 16a al. 1 LPC et de l'art. 27a al. 1 OPC-AVS/AI (consid. 7 et 8). Regesto Art. 16a cpv. 1 LPC; art. 27a cpv. 1 OPC-AVS/AI; cifra marginale 4720.03 delle direttive sulle prestazioni complementari all'AVS e all'AI (DPC); restituzione di prestazioni percepite legalmente; definizione dell'eredità del beneficiario di PC deceduto in base alla sostanza determinante al giorno del decesso. Per definire l'eredità, occorre prendere in conto gli attivi della successione dedotti i debiti del defunto o della defunta al momento del decesso. Le spese legate al decesso e quelle di sepoltura sorte soltanto dopo il giorno del decesso della persona beneficiaria di PC non sono considerate. Per saldarle, il legislatore ha previsto la franchigia di fr. 40'000.- stabilita all'art. 16a cpv. 1 LPC. La cifra marginale 4720.03 DPC contiene una formulazione ammissibile con riferimento agli art. 16a cpv. 1 LPC e 27a cpv. 1 OPC-AVS/AI (consid. 7 e 8).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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