Aktionäre als Gesuchsteller im Sonderprüfungsverfahren sind nicht Partei im Bereinigungsverfahren nach Art. 697e Abs. 2 OR: Beschwerde gegen Bereinigungsbeschluss nicht zulässig (Art. 697e Abs. 2 OR)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 151 III 336 · ATF 151 III 336 · DTF 151 III 336
- Datum
- 31.10.2024
- Geschäftsnummer
- 4A_527/2024
- Abteilung
- I. Zivilrechtliche Abteilung
- Ausgang
- Nichteintreten
Tragende Normen
Zusammenfassung
Die A.________ AG erhob Beschwerde gegen einen Beschluss des Obergerichts Zug, mit dem dieses ihre Anträge abgewiesen hatte, einzelne Passagen des Sonderprüfungsberichts den Gesuchstellern nicht zugänglich zu machen. Streitig war, ob die Gesuchsteller – eine Gruppe von Aktionären – als Parteien im Beschwerdeverfahren anzusehen seien und ob das Obergericht als Beschwerdegegner oder die Gesuchsteller als Beschwerdegegner zu benennen seien. Die Beschwerdeführerin verlangte, dass das Bundesgericht die Gesuchsteller aus dem Verfahren ausschliesst und das Obergericht Zug als Beschwerdegegner einsetzt.
Das Bundesgericht stellt fest, dass die Gesuchsteller im Bereinigungsverfahren nach Art. 697e Abs. 2 OR keine Parteistellung haben und daher nicht am Beschwerdeverfahren beteiligt werden dürfen. Das Bereinigungsverfahren ist kein kontradiktorisches Verfahren; der Richter entscheidet allein auf Begehren der Gesellschaft, ohne die Gesuchsteller anzuhören oder über deren Streichungsbegehren zu informieren. Erst nach Abschluss des Bereinigungsverfahrens erhalten die Gesuchsteller gemäss Art. 697e Abs. 3 OR Gelegenheit, zum bereinigten Bericht Stellung zu nehmen. Da die Gesuchsteller im vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht Parteien sind, ist die Beschwerde gegen den Beschluss des Obergerichts Zug, der sich an die Gesuchsteller richtet, unzulässig. Das Bundesgericht ordnet daher an, dass die Gesuchsteller aus dem Verfahren ausgeschlossen und das Obergericht Zug als Beschwerdegegner eingesetzt wird. Die Verfügung erfolgt schriftlich gegenüber der Beschwerdeführerin, den Gesuchstellern und dem Obergericht Zug. Diese Entscheidung klärt die Parteistellung im Bereinigungsverfahren nach Art. 697e Abs. 2 OR endgültig und bestätigt die strikte Trennung zwischen dem Bereinigungsverfahren und der anschliessenden Phase der Stellungnahme durch die Gesuchsteller.
Regeste
a aArt. 697e Abs. 2, Art. 697g Abs. 2 OR; Art. 93 BGG; Sonderuntersuchung; Bereinigungsverfahren; Zwischenentscheid; Kognition des Bundesgerichts. Der Entscheid, mit dem die Vorinstanz ein Begehren der Gesellschaft um Nichtoffenlegung gewisser Stellen im Sonderuntersuchungsbericht abweist, gilt als Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 BGG (E. 1.2). Das Bundesgericht überprüft die richterliche Interessenabwägung im Bereinigungsverfahren mit Willkürkognition (E. 1.3). Regeste b aArt. 697d Abs. 3, aArt. 697e, Art. 697f Abs. 3, Art. 697g OR; Sonderuntersuchung; Anhörung der Gesellschaft; Ablauf des Bereinigungsverfahrens. Nach Abschluss der Sonderuntersuchung hört der Sachverständige die Gesellschaft an. Die gesuchstellenden Aktionäre haben kein Anhörungsrecht und sind zu den Ergebnissen des Berichts nicht zu konsultieren (E. 2.2.1). Nach Abschluss des Sonderuntersuchungsberichts erfolgt dessen Bereinigung unter Mitwirkung des Richters (E. 2.2.2). Das Bereinigungsverfahren ist als nicht kontradiktorisches Verfahren ausgestaltet. Der Richter entscheidet auf Begehren der Gesellschaft ohne Beteiligung der Gesuchsteller des Sonderprüfungsverfahrens (E. 2.3.1). Prüfungsprogramm bei einem Streichungsbegehren der Gesellschaft (E. 2.3.2). Regeste a Ancien art. 697e al. 2, art. 697g al. 2 CO; art. 93 LTF; examen spécial; procédure d'épuration; décision incidente; cognition du Tribunal fédéral. La décision par laquelle l'instance précédente rejette une demande de la société visant à soustraire à la consultation certains passages du rapport d'examen spécial équivaut à une décision incidente au sens de l'art. 93 LTF (consid. 1.2). Le Tribunal fédéral vérifie la pesée des intérêts effectuée par le juge dans le cadre de la procédure d'épuration avec un pouvoir d'examen limité à l'arbitraire (consid. 1.3). Regeste b Ancien art. 697d al. 3, ancien art. 697e, art. 697f al. 3, art. 697g CO; examen spécial; audition de la société; déroulement de la procédure d'épuration. Une fois l'examen spécial terminé, l'expert entend la société. Les actionnaires requérants n'ont pas le droit d'être entendus et ne doivent pas être consultés sur les résultats du rapport (consid. 2.2.1). Une fois le rapport d'examen spécial terminé, il est épuré avec la participation du juge (consid. 2.2.2). La procédure d'épuration est conçue comme une procédure non contradictoire. Le juge décide, à la demande de la société, sans la participation des requérants à la procédure d'examen spécial (consid. 2.3.1). Méthode d'examen en cas de demande de la société d'écarter certains passages du rapport (consid. 2.3.2). Regesto a Vecchio art. 697e cpv. 2, art. 697g cpv. 2 CO; art. 93 LTF; verifica speciale; procedura di appuramento; decisione incidentale; cognizione del Tribunale federale. La decisione, con cui l'autorità inferiore respinge una domanda di non divulgare taluni passaggi del rapporto sulla verifica speciale, è una decisione incidentale nel senso dell'art. 93 LTF (consid. 1.2). Il Tribunale federale esamina la ponderazione degli interessi effettuata dal giudice nella procedura di appuramento con una cognizione limitata all'arbitrio (consid. 1.3). Regesto b Vecchio art. 697d cpv. 3, vecchio art. 697e, art. 697f cpv. 3, art. 697g CO; verifica speciale; audizione della società; svolgimento della procedura di appuramento. Terminata la verifica speciale il perito sente la società. Gli azionisti istanti non hanno diritto di essere sentiti e non vanno consultati in merito alle risultanze del rapporto (consid. 2.2.1). Una volta ultimato il rapporto sulla verifica speciale inizia il suo appuramento con la partecipazione del giudice (consid. 2.2.2). La procedura di appuramento è concepita come un procedimento non contraddittorio. Il giudice decide a richiesta della società senza la partecipazione degli istanti della procedura di verifica speciale (consid. 2.3.1). Programma di verifica nel caso di una richiesta di espunzione presentata dalla società (consid. 2.3.2).
Originalentscheid beim Gericht ↗
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