Fondsleitung wechselt bei Immobilienfonds: Handänderungssteuer darf auf Fondsvermögen belastet werden, wenn Fondsvertrag dies ausdrücklich vorsieht und Wechsel im Anlegerinteresse liegt (Art. 38 Abs. 1 lit. b und c FINIG i.V.m. Art. 37 Abs. 2 bis lit. a KKV)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 150 II 98 · ATF 150 II 98 · DTF 150 II 98
- Datum
- 07.12.2023
- Geschäftsnummer
- BGE 150 II 98
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Art. 49 BV Art. 38 FINIG Art. 39 FINIG Art. 37 KKV Art. 37 OICol
Zusammenfassung
Die A. AG beantragte beim Bundesgericht die Aufhebung eines kantonalen Urteils, das die Erhebung einer Handänderungssteuer von über 1,8 Millionen Franken im Zusammenhang mit dem Wechsel der Fondsleitung eines Immobilien-Anlagefonds bestätigt hatte. Die Beschwerdeführerin argumentierte, die Steuererhebung verunmögliche den Fondsleitungswechsel und verletze den Anlegerschutz sowie den Grundsatz des Vorrangs des Bundesrechts. Die Finanzdirektion des Kantons Freiburg beantragte die Abweisung der Beschwerde.
Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab. Es stellte fest, dass der Wechsel der Fondsleitung am 1. Dezember 2021 mit Genehmigung der FINMA erfolgt war und im Interesse der Anleger lag, da die FINMA den Wechsel nur genehmigt, wenn die Fortführung des Anlagefonds im Anlegerinteresse steht (Art. 39 Abs. 5 FINIG). Der Fondsvertrag sah ausdrücklich vor, dass Nebenkosten wie Steuern dem Fondsvermögen belastet werden können (Art. 37 Abs. 2 bis lit. a KKV), und die Handänderungssteuer fiel unter den Tatbestand dieser Regelung, weil sie im Zusammenhang mit dem An- und Verkauf von Immobilienanlagen entstand – hier durch den Eigentumswechsel der Grundstücke zugunsten der neuen Fondsleitung. Zudem begründete Art. 38 Abs. 1 lit. b und c FINIG einen Anspruch der Fondsleitung auf Befreiung von Verbindlichkeiten und Auslagenersatz, sofern diese im Rahmen der richtigen Erfüllung ihrer Aufgaben entstanden waren. Die Erhebung der Handänderungssteuer verunmöglichte den Fondsleitungswechsel nicht, weil die Beurteilung des Anlegerinteresses durch die FINMA und die vertragliche Regelung sicherstellten, dass die Vorteile für die Anleger die Kosten – einschliesslich der Steuer – überwogen. Eine Verletzung von Art. 49 BV oder Art. 39 FINIG lag daher nicht vor. Das Bundesgericht bestätigte seine bisherige Rechtsprechung (BGE 148 II 121), wonach die Behebung solcher steuerlicher Hindernisse Sache des Bundesgesetzgebers und nicht der Gerichte ist. Die Entscheidung klärt erstmals ausdrücklich, dass Handänderungssteuern bei Fondsleitungswechseln unter bestimmten Voraussetzungen auf das Fondsvermögen umgelegt werden dürfen.
Regeste
Art. 49 BV; Art. 38 und 39 FINIG; Art. 37 KKV; Handänderungssteuer, die anlässlich des Wechsels der Leitung eines Immobilien-Anlagefonds erhoben wird; Überwälzung der Steuer auf die Anleger. Sofern der Wechsel der Fondsleitung - nach Abwägung von Nutzen und Kosten - im Interesse der Anleger liegt und die erforderlichen Genehmigungen der FINMA vorliegen, kann eine dadurch ausgelöste Handänderungssteuer nach Art. 38 Abs. 1 lit. b und c FINIG i.V.m. Art. 37 Abs. 2 bis lit. a KKV dem Fondsvermögen jedenfalls dann belastet werden, wenn der Fondsvertrag dies ausdrücklich vorsieht (E. 4.5). Die Erhebung der Handänderungssteuer verunmöglicht den Wechsel der Fondsleitung nicht und verletzt weder Art. 39 FINIG noch den Grundsatz des Vorrangs des Bundesrechts (Bestätigung der Rechtsprechung; E. 4.6). Regeste Art. 49 Cst.; art. 38 et 39 LEFin; art. 37 OPCC; droit de mutation perçu à l'occasion d'un changement de direction d'un fonds de placement immobilier; transfert de l'impôt aux investisseurs. Si le changement de direction du fonds est dans l'intérêt des investisseurs - après évaluation des avantages et des coûts - et les autorisations nécessaires de la FINMA ont été obtenues, les droits de mutation qui en découlent peuvent en tout cas être imputés à la fortune du fonds conformément à l'art. 38 al. 1 let. b et c LEFin, en relation avec l'art. 37 al. 2 bis let. a OPCC, si le contrat du fonds le prévoit expressément (consid. 4.5). Le prélèvement des droits de mutation ne rend pas impossible le changement de direction du fonds et ne viole ni l'art. 39 LEFin ni le principe de la primauté du droit fédéral (confirmation de la jurisprudence; consid. 4.6). Regesto Art. 49 Cost.; art. 38 e 39 LIsFi; art. 37 OICol; imposta sul trasferimento immobiliare riscossa in occasione di un cambiamento della direzione di un fondo di investimento immobiliare; trasferimento dell'imposta agli investitori. Se il cambio della direzione del fondo - dopo ponderazione di vantaggi e costi - è nell'interesse degli investitori e se sono state ottenute le necessarie approvazioni della FINMA, l'imposta sul trasferimento immobiliare che ne consegue può in ogni caso essere addebitata al patrimonio del fondo conformemente all'art. 38 cpv. 1 lett. b e c LIsFi in relazione all'art. 37 cpv. 2 bis lett. a OICol, se il contratto del fondo lo prevede esplicitamente (consid. 4.5). Il prelevamento dell'imposta sul trasferimento immobiliare non rende impossibile il cambiamento della direzione del fondo e non viola né l'art. 39 LIsFi né il principio della preminenza del diritto federale (conferma della giurisprudenza; consid. 4.6).
Originalentscheid beim Gericht ↗
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