Justizze.

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Justizze. Art. 19 BetmG

Bundesgericht

Beschwerdeführer verurteilt wegen Anbaus und Besitzes von Hanf mit über 1 % Gesamt-THC: Gesamt-THC als Summe aus THC und THC-Carbonsäure entspricht Legalitätsprinzip (Art. 2 lit. a, Art. 2a, Art. 19 Abs. 1 lit. a und d BetmG)

BGE / ATF / DTF
BGE 145 IV 513 · ATF 145 IV 513 · DTF 145 IV 513
Datum
29.07.2019
Geschäftsnummer
BGE 145 IV 513
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 2 BetmG Art. 2a BetmG Art. 19 BetmG Art. 1 BetmVV-EDI Art. 1 StGB

Zusammenfassung

X. wurde vom Kantonsgericht St. Gallen zweitinstanzlich der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig gesprochen, weil er zwischen 1. Juli 2011 und Mitte Mai 2013 rund 519 kg Marihuana/Hanfblüten, 588 kg Hanfsamen, rund 2'900 Hanfpflanzen und ca. 2'100 Hanfpflanzenstecklinge besessen und angebaut hatte. Aus dem Hanf stellte er alle zwei Monate Sirup her, ließ diesen zu Hanflikör verarbeiten und erzielte damit monatlich Gewinne von Fr. 22'000.– bis Fr. 25'000.–. X. erhob Beschwerde in Strafsachen und rügte eine Verletzung des Legalitätsprinzips sowie des Bestimmtheitsgebots, insbesondere weil die Messart des Gesamt-THC-Gehalts nicht gesetzlich festgelegt sei und THC-Carbonsäure nicht mit THC zusammengerechnet werden dürfe.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab, soweit darauf eingetreten wurde. Es stellte fest, dass der Gesamt-THC-Gehalt nach ständiger Rechtsprechung und den einschlägigen Richtlinien der Schweizerischen Gesellschaft für Rechtsmedizin (SGRM) sowie des UNO-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) als Summe aus freiem THC und THC-Carbonsäure zu bestimmen ist, da letztere bei Konsum (z.B. beim Rauchen) vollständig in psychoaktives THC decarboxyliert wird. Damit repräsentiert der Gesamt-THC-Gehalt die pharmakologische Aktivität des Materials am besten. Die gesetzliche Regelung, wonach Hanfpflanzen mit einem durchschnittlichen Gesamt-THC-Gehalt von mindestens 1,0 % als Betäubungsmittel gelten (Art. 1 Abs. 2 lit. a in Verbindung mit Anhang 5 der BetmVV-EDI), erfüllt das Bestimmtheitsgebot, da sie ein konkretes, objektiv messbares und sachgerechtes Kriterium bietet. Die Tatsache, dass Gesetz und Verordnung die konkrete Messmethode nicht festlegen, verletzt weder das Legalitätsprinzip noch das Bestimmtheitsgebot, weil die forensisch anerkannte Methode zur Ermittlung des Gesamt-THC-Gehalts klar ist und sich aus dem Wortlaut der Verordnung sowie den zugrundeliegenden wissenschaftlichen Empfehlungen ergibt. Die Verurteilung des Beschwerdeführers stützt sich zulässig auf Art. 19 Abs. 1 lit. a und d BetmG, da der Anbau und Besitz von Hanf mit über 1 % Gesamt-THC ausdrücklich strafbar ist. Die Rüge einer Verletzung von Art. 1 StGB und Art. 9 BV war daher unbegründet. Das Bundesgericht verwies auf die vorinstanzlichen Erwägungen zur Probennahme und -aufarbeitung, die der Beschwerdeführer nicht entkräftete, und verwies auf Art. 42 Abs. 2 und Art. 106 Abs. 2 BGG. Diese Entscheidung klärt endgültig, dass die Berücksichtigung der THC-Carbonsäure bei der Bestimmung des Gesamt-THC-Gehalts mit dem Legalitätsprinzip vereinbar ist und stellt damit eine maßgebliche Orientierung für alle künftigen Cannabis-Strafrechtsfälle dar.

Regeste

Art. 2 lit. a, Art. 2a, Art. 19 Abs. 1 lit. a und d BetmG; Art. 1 Abs. 2 lit. a BetmVV-EDI und Anhang 5; Art. 1 StGB; Gesamt-THC-Gehalt von Cannabis; Legalitätsprinzip. Als Betäubungsmittel im Sinne des Betäubungsmittelgesetzes werden unter anderem abhängigkeitserzeugende Stoffe des Wirkungstyps Cannabis bezeichnet. Der Gesetzgeber verweist zur Konkretisierung auf ein Verzeichnis des EDI (vgl. Art. 2 lit. a und Art. 2a BetmG), was das Bestimmtheitsgebot nicht verletzt. Gesetz und Verordnung legen die Messart des Gesamt-THC-Gehalts nicht fest. Dies verletzt das Legalitätsprinzip und das Bestimmtheitsgebot nicht. Beim Gesamt-THC-Gehalt handelt es sich um die Summe von THC und THC-Carbonsäure (E. 2.3). Regeste Art. 2 let. a, art. 2a, art. 19 al. 1 let. a et d LStup; art. 1 al. 2 let. a OTStup-DFI et annexe 5; art. 1 CP; teneur totale en THC du cannabis; principe de la légalité. Sont notamment qualifiés de stupéfiants au sens de la loi sur les stupéfiants les substances qui engendrent une dépendance et qui ont des effets de type cannabique. Le législateur renvoie pour la concrétisation à une liste du DFI (cf. art. 2 let. a et art. 2a LStup), ce qui ne viole pas l'exigence de précision. La loi et l'ordonnance ne définissent pas la méthode de mesure de la teneur totale en THC. Cela ne viole pas le principe de la légalité et l'exigence de précision. Pour la teneur totale en THC, il s'agit de la somme de THC et d'acide THC-carboxylique (consid. 2.3). Regesto Art. 2 lett. a, art. 2a, art. 19 cpv. 1 lett. a e lett. d LStup; art. 1 cpv. 2 lett. a OEStup-DFI e allegato 5; art. 1 CP; concentrazione di THC totale della canapa; principio della legalità. Per stupefacenti ai sensi della legge sugli stupefacenti s'intendono, tra l'altro, le sostanze che generano dipendenza e producono effetti del tipo della canapa. Per la relativa concretizzazione, il legislatore rinvia a un elenco del DFI (cfr. art. 2 lett. a e art. 2a LStup), senza con ciò disattendere l'esigenza di precisione del diritto penale. Né la legge né l'ordinanza stabiliscono il metodo di misurazione della concentrazione di THC totale. Non sussiste al riguardo alcuna violazione del principio della legalità né dell'esigenza di precisione. La concentrazione di THC totale è costituita dalla somma del THC e del THCA (consid. 2.3).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.