Tochter beansprucht Betreuungsgutschriften für Mutter im Pflegeheim: Gutschriften verneint, da Betreuung primär durch Heimpersonal geleistet (Art. 29septies Abs. 1 AHVG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 144 V 159 · ATF 144 V 159 · DTF 144 V 159
- Datum
- 11.06.2018
- Geschäftsnummer
- 9C_377/2017
- Abteilung
- II. sozialrechtliche Abteilung
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Zusammenfassung
Eine Versicherte beantragte Betreuungsgutschriften für die Pflege ihrer schwer hilflosen Mutter für den Zeitraum von 2010 bis 2015. Während dieser Zeit lebte die Mutter in einem Alters- und Pflegeheim. Die Ausgleichskasse gewährte Gutschriften erst ab 2016, als die Mutter bei der Tochter im gleichen Haushalt lebte, lehnte sie aber den früheren Zeitraum ab. Das Verwaltungsgericht des Kantons Zug bestätigte diese Ablehnung. Die Versicherte erhob Beschwerde ans Bundesgericht mit dem Antrag, ihr auch für die Jahre 2010 bis 2015 Betreuungsgutschriften zuzuerkennen.
Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab und bestätigte die Ablehnung der Betreuungsgutschriften für den Zeitraum 2010 bis 2015. Es stellte fest, dass die Mutter während dieses Zeitraums im Pflegeheim lebte und dort primär durch das Heimpersonal betreut wurde, wodurch die Voraussetzung einer eigenständigen, erwerbsmindernden Betreuung durch die Tochter nicht erfüllt war. Der Sinn und Zweck der Betreuungsgutschriften nach Art. 29septies Abs. 1 AHVG besteht darin, die Rentenberechnung zugunsten von Personen zu korrigieren, die durch intensive, unentgeltliche Pflege von Angehörigen ihre Erwerbsmöglichkeiten einschränken; diese Voraussetzung fehlt, wenn die Pflege im Heim durch Fachpersonal erfolgt. Die Entstehungsgeschichte der Norm zeigt, dass die Lockerung des Wohnortkriteriums (Art. 52g AHVV) nicht die Absicht hatte, die Gutschriften auch für Heimbewohner zu öffnen, sondern lediglich die räumliche Erreichbarkeit flexibler zu gestalten. Ein Ausnahmefall, in dem die Angehörigen eine unverzichtbare, intensive Mitbetreuung leisten müssten, lag nicht vor. Die Gerichtskosten von Fr. 500.– wurden der Beschwerdeführerin auferlegt. Die Entscheidung klärt endgültig, dass Betreuungsgutschriften für Angehörige von Heimbewohnern grundsätzlich ausgeschlossen sind, es sei denn, ein nachweisbarer Ausnahmefall liegt vor.
Regeste
Art. 29 septies Abs. 1 erster Satz AHVG; Art. 52g AHVV; Betreuungsgutschriften. Versicherten, deren mindestens in mittlerem Grade hilflose Angehörige in einem Pflegeheim leben, können grundsätzlich keine Betreuungsgutschriften zuerkannt werden. Denn in solchen Fällen werden Pflege und Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner in erster Linie durch das Heimpersonal erbracht, womit eine Beeinträchtigung der Erwerbsmöglichkeiten von Angehörigen entfällt (E. 3 und 4). Regeste Art. 29 septies al. 1 première phrase LAVS; art. 52g RAVS; bonifications pour tâches d'assistance. Aucune bonification pour tâches d'assistance ne peut en principe être octroyée aux assurés dont les parents au bénéfice d'une allocation pour impotence de degré moyen au moins vivent dans un établissement médico-social. Car, dans de tels cas, les soins et l'assistance sont dispensés aux résidentes et résidents en premier lieu par le personnel dudit établissement, raison pour laquelle les proches ne subissent pas une diminution de leurs possibilités de gain (consid. 3 et 4). Regesto Art. 29 septies cpv. 1 prima frase LAVS; art. 52g OAVS; accrediti per compiti assistenziali. Nessun accredito per compiti assistenziali può essere in linea di principio assegnato agli assicurati i cui parenti, al beneficio di un assegno per grandi invalidi di grado medio almeno, vivono in una casa di cura. Il motivo risiede nel fatto che, in questi casi, le cure e l'assistenza sono prestate alle residenti e ai residenti in primo luogo dal personale della casa di cura, di modo che i familiari non subiscono una diminuzione delle loro possibilità di guadagno (consid. 3 e 4).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.