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Justizze. Art. 50 BV

Bundesgericht

Gemeinde Münchenstein führt Mehrwertabgabe ein: Kanton Basel-Landschaft erfüllt Gesetzgebungsauftrag nicht, Gemeindeautonomie gewährt (Art. 50 Abs. 1 BV)

BGE / ATF / DTF
BGE 142 I 177 · ATF 142 I 177 · DTF 142 I 177
Datum
16.11.2016
Geschäftsnummer
BGE 142 I 177
Abteilung
CH_BGE_001
Ausgang
Rückweisung

Tragende Normen

Art. 50 BV Art. 44 Cst./BL Art. 45 Cst./BL Art. 116 Cst./BL Art. 130 Cst./BL Art. 152 GemG Art. 44 KV/BL Art. 45 KV/BL Art. 116 KV/BL Art. 130 KV/BL Art. 5 RPG

Zusammenfassung

Die Einwohnergemeinde Münchenstein im Kanton Basel-Landschaft beschloss eine Ergänzung ihres Zonenreglements, um bei Einzonungen oder Aufzonungen eine Mehrwertabgabe zu erheben. Der Regierungsrat verweigerte die Genehmigung mit der Begründung, es fehle der Gemeinde an der Rechtsetzungskompetenz für solche Abgaben, da diese nicht unter den Begriff der Gebühren fielen und der Kanton die Sachkompetenz inne habe. Das Kantonsgericht wies die dagegen erhobene Beschwerde der Gemeinde ab. Die Gemeinde focht dieses Urteil beim Bundesgericht an und berief sich auf ihre kommunale Autonomie sowie darauf, dass der kantonale Gesetzgeber seinen verfassungsrechtlichen Auftrag zur Regelung der Mehrwertabgabe bis heute nicht erfüllt habe.

Das Bundesgericht heisst die Beschwerde gut und weist die Sache zur Neubeurteilung der Einsprachen an den Regierungsrat zurück. Es stellt fest, dass die Verweigerung der Genehmigung die Gemeindeautonomie verletzt. Zwar sieht Art. 5 Abs. 1 RPG und § 116 Abs. 4 KV/BL vor, dass das kantonale Recht einen Ausgleich für Planungsvorteile regeln soll. Da der Landrat des Kantons Basel-Landschaft jedoch nie ein entsprechendes Gesetz erlassen hat, liegt der Gesetzgebungsauftrag brach. Das Gericht argumentiert, dass solange der Kanton seine Kompetenz nicht ausübt, den Gemeinden nicht verwehrt sein kann, diese Aufgabe in eigener Kompetenz wahrzunehmen. Dies gilt insbesondere, weil die Erhebung einer Mehrwertabgabe eng mit der Ortsplanung verknüpft ist, welche eine typisch lokale Angelegenheit darstellt. Die Vorinstanz hatte die lokale Bedeutung bestritten, weil die Frage seit Jahrzehnten auf nationaler Ebene diskutiert werde; dies sei jedoch kein Grund, die lokale Relevanz zu negieren. Bezüglich der Finanzkompetenz hält das Gericht fest, dass die Auslegung des kantonalen Gemeindegesetzes (§ 152 GemG), wonach nur gebührenähnliche Abgaben erhoben werden dürfen, willkürlich ist. Mehrwertabgaben sind Kausalabgaben, die nicht dem Kostendeckungsprinzip unterliegen. Da die Gemeinde die Sachkompetenz für die Ortsplanung besitzt, steht ihr auch die Kompetenz zur Erhebung damit verbundener Kausalabgaben zu, sofern übergeordnetes Recht dies nicht abschliessend regelt. Die Beschwerde wird daher gutgeheissen.

Regeste

Art. 50 Abs. 1, Art. 75 Abs. 1 BV; § 44 Abs. 2, § 45 Abs. 1, § 116 Abs. 4, § 130 Abs. 1 KV/BL; Art. 5 Abs. 1 RPG; Gemeindeautonomie für Aufgaben von lokaler Bedeutung im Bereich der Raumplanung; Begrenzung durch übergeordnetes Recht; Erhebung einer Mehrwertabgabe durch eine Gemeinde, wenn der Kanton seinen Gesetzgebungsauftrag nicht erfüllt. Gemeindeautonomie (E. 2 und 3.1). Aufgaben von Bund, Kantonen und Gemeinden im Bereich der Raumplanung (E. 4.1). Die Erhebung einer Mehrwertabgabe entspricht einem durch die Bundesgesetzgebung (Art. 5 Abs. 1 RPG) und die kantonale Verfassung (§ 116 Abs. 4 KV/BL) vorgesehenen Gesetzgebungsauftrag an die kantonale Legislative, dem diese im Kanton Basel-Landschaft bislang nicht nachgekommen ist (E. 4.2 einleitend). Solange der Kanton von seiner Kompetenz zur Erhebung einer Mehrwertabgabe nicht Gebrauch macht, kann den Gemeinden nicht verwehrt sein, diese Aufgabe in eigener Kompetenz wahrzunehmen, weil sie eng mit der ihnen obliegenden Ortsplanung verknüpft ist (E. 4.2.1-4.2.3). Finanzkompetenz der Gemeinden im Bereich der Mehrwertabgaben (E. 4.3). Regeste Art. 50 al. 1, art. 75 al. 1 Cst.; § 44 al. 2, § 45 al. 1, § 116 al. 4, § 130 al. 1 Cst./BL; art. 5 al. 1 LAT; autonomie communale par rapport aux tâches d'importance locale dans le domaine de l'aménagement du territoire; limites posées par le droit supérieur; prélèvement d'une taxe sur les plus-values par une commune, lorsque le canton ne remplit pas son mandat de légiférer. Autonomie communale (consid. 2 et 3.1). Tâches de la Confédération, des cantons et des communes dans le domaine de l'aménagement du territoire (consid. 4.1). Le prélèvement d'une taxe sur les plus-values correspond à un mandat législatif dont la législation fédérale (art. 5 al. 1 LAT) et la Constitution cantonale (§ 116 al. 4 Cst./BL) chargent le législateur cantonal; dans le canton de Bâle-Campagne, le pouvoir législatif n'a en l'état pas mis en oeuvre ce mandat (consid. 4.2 in initio). Aussi longtemps que le canton ne fait pas usage de sa compétence de prélever une taxe sur les plus-values, on ne saurait interdire aux communes d'accomplir cette tâche dans l'exercice de leur propre compétence; ladite tâche est en effet étroitement liée à l'aménagement local du territoire incombant aux communes (consid. 4.2.1-4.2.3). Compétence financière des communes dans le domaine des taxes sur les plus-values (consid. 4.3). Regesto Art. 50 cpv. 1, art. 75 cpv. 1 Cost.; § 44 cpv. 2, § 45 cpv. 1, § 116 cpv. 4, § 130 cpv. 1 Cost./BL; art. 5 cpv. 1 LPT; autonomia comunale riguardo a compiti d'importanza locale nell'ambito della pianificazione del territorio; limiti posti dal diritto di rango superiore; prelievo di una tassa sul plusvalore da parte di un Comune, quando il Cantone non adempie al suo mandato di legiferare. Autonomia comunale (consid. 2 e 3.1). Compiti della Confederazione, dei Cantoni e dei Comuni in ambito di pianificazione del territorio (consid. 4.1). Il prelievo di una tassa sul plusvalore corrisponde a un mandato legislativo, che in base alla legislazione federale (art. 5 cpv. 1 LPT) e alla Costituzione cantonale (§ 116 cpv. 4 Cost./BL) compete al legislatore cantonale; nel Cantone di Basilea Campagna, il potere legislativo non ha finora adempiuto a questo mandato (consid. 4.2 in initio). Finché il Cantone non farà uso della sua competenza di prelevare una tassa sul plusvalore, non si può vietare ai Comuni di adempiere a questo compito nell'esercizio delle loro competenze; esso è infatti strettamente legato alla pianificazione locale del territorio che incombe agli stessi (consid. 4.2.1-4.2.3). Competenza finanziaria dei Comuni in ambito di tasse sul plusvalore (consid. 4.3).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.