Mathematiker klagt gegen Umfragebericht: Keine Beschwerdebefugnis mangels Beziehungsnähe, Befangenheitsrüge abgewiesen (Art. 89 Abs. 1 BGG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 135 II 430 · ATF 135 II 430 · DTF 135 II 430
- Datum
- 30.09.2009
- Geschäftsnummer
- BGE 135 II 430
- Abteilung
- CH_BGE_004
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Zusammenfassung
Ein Mathematikprofessor und Publizist reichte zusammen mit 24 Mitunterzeichnern eine Popularbeschwerde bei der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) ein. Er rügte, dass Beiträge in den Sendungen "Tagesschau" und "10 vor 10" über Meinungsumfragen zur Unternehmenssteuerreform das Sachgerechtigkeitsgebot verletzten, da statistische Fehlerbereiche und Fragen nicht ausreichend dargelegt worden seien. Die UBI wies die Eingabe materiell ab, stellte aber fest, dass keine rundfunkrechtlichen Bestimmungen verletzt wurden. Der Beschwerdeführer gelangte ans Bundesgericht und machte neben der Sache selbst auch eine Befangenheit des UBI-Präsidenten sowie eine Verletzung seiner Verfahrensrechte geltend.
Das Bundesgericht tritt auf die Beschwerde in der Sache selbst nicht ein und weist sie im Übrigen ab. Dem Beschwerdeführer fehlt die nach Art. 89 Abs. 1 BGG erforderliche Beziehungsnähe zum Sendethema, da er weder Gegenstand der Sendung war noch persönlich erwähnt wurde; spezifisches Fachwissen als Mathematiker begründet vor Bundesgericht kein Popularbeschwerderecht. Zwar ist der Popularbeschwerdeführer gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. a RTVG und Art. 86 Abs. 3 RTVG befugt, Verfahrensverletzungen zu rügen, die einer formellen Rechtsverweigerung gleichkommen, doch ist die Rüge der Befangenheit des UBI-Präsidenten nach Art. 10 VwVG unbegründet. Berufliche Kontakte oder wissenschaftliches Vorwissen des Präsidenten zum Thema Meinungsforschung begründen keinen objektiv begründeten Verdacht auf Befangenheit, und interne Aufzeichnungen der Sitzung unterliegen nicht dem Akteneinsichtsrecht. Da die UBI die Eingabe materiell prüfte, liegt keine formelle Rechtsverweigerung vor, die ein aktuelles Interesse an einer abstrakten Klärung der Legitimation nach Art. 94 Abs. 1 RTVG rechtfertigen würde.
Der unterliegende Beschwerdeführer wird kostenpflichtig, wobei berücksichtigt wird, dass er erst vor Bundesgericht von den Gründen der unterschiedlichen Besetzung in zwei parallelen Verfahren Kenntnis erhielt. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.
Regeste
Art. 89 Abs. 1 BGG; Art. 86 Abs. 3 und Art. 94 Abs. 1 RTVG; Beschwerdebefugnis eines Mathematikers und Publizisten bei einem UBI-Entscheid, in dem eine Rundfunkrechtswidrigkeit bezüglich der Darstellung der Resultate einer Meinungsumfrage verneint wird ("Unternehmenssteuerreform"). Vor Bundesgericht besteht im Radio- und Fernsehbereich kein Popularbeschwerderecht; spezifische Kenntnisse zu einem bestimmten Thema verschaffen für sich allein keine legitimationsbegründende enge Beziehung zum Inhalt eines beanstandeten Beitrags; es steht in diesem Fall in der Sache selber ausschliesslich die Popularbeschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen offen (E. 1 und 2). Der Popularbeschwerdeführer ist befugt, vor Bundesgericht Verfahrensverletzungen geltend zu machen, deren Missachtung einer formellen Rechtsverweigerung gleichkommt (E. 3). Regeste Art. 89 al. 1 LTF; art. 86 al. 3 et art. 94 al. 1 LRTV; qualité pour recourir d'un mathématicien et publiciste à l'encontre d'une décision par laquelle l'Autorité indépendante d'examen des plaintes en matière de radio-télévision a nié l'existence d'une atteinte au droit de la radiodiffusion lors de la présentation des résultats d'un sondage d'opinion ("réforme de la fiscalité des entreprises"). Dans le domaine de la radio et de la télévision, il n'existe pas de droit de recours populaire au Tribunal fédéral; le seul fait que quelqu'un ait des connaissances spécifiques sur un thème déterminé n'implique pas encore qu'il soit touché de près par le contenu de l'émission contestée et dispose ainsi de la qualité pour agir; dans un tel cas, seule la plainte populaire à l'Autorité indépendante d'examen des plaintes en matière de radio-télévision est ouverte sur le fond (consid. 1 et 2). Celui qui a déposé une plainte populaire est habilité à dénoncer devant le Tribunal fédéral des violations des règles de procédure équivalant à un déni de justice formel (consid. 3). Regesto Art. 89 cpv. 1 LTF; art. 86 cpv. 3 e art. 94 cpv. 1 LRTV; legittimazione a ricorrere di un matematico e pubblicista contro una decisione dell'Autorità indipendente di ricorso in materia radiotelevisiva che nega un'ingerenza nel diritto radiotelevisivo al momento della presentazione dei risultati di un'indagine demoscopica ("riforma della fiscalità delle imprese"). L'azione popolare al Tribunale federale è esclusa in materia radiotelevisiva; il solo fatto che qualcuno abbia delle conoscenze specifiche concernenti un tema determinato non implica ancora che sia particolarmente toccato dal contenuto della trasmissione contestata e, di riflesso, legittimato a ricorrere; in un simile caso, per contestare il merito, è data unicamente l'azione popolare dinanzi all'Autorità indipendente di ricorso in materia radiotelevisiva (consid. 1 e 2). Colui che ha esperito un'azione popolare è legittimato a far valere dinanzi al Tribunale federale la violazione di norme di procedura equivalente a un diniego di giustizia formale (consid. 3).
Originalentscheid beim Gericht ↗
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