Justizze.

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Justizze. Art. 6 LBV

Bundesgericht

Keine Direktzahlungen nach Pachtende: Fehlender Rechtstitel und rechtswidrige Weiterbewirtschaftung verneinen Anspruch (Art. 70 LwG, Art. 6 LBV)

BGE / ATF / DTF
BGE 134 II 287 · ATF 134 II 287 · DTF 134 II 287
Datum
02.07.2008
Geschäftsnummer
BGE 134 II 287
Abteilung
CH_BGE_004
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 26 BV Art. 2 DZV Art. 7 DZV Art. 6 LBV Art. 1 LSu Art. 70 LwG Art. 1 SuG

Zusammenfassung

X. und Y. bewirtschafteten den landwirtschaftlichen Pachtbetrieb A., dessen Pachtvertrag mit rechtskräftigem Urteil bis zum 31. März 2006 erstreckt worden war. Nach Ablauf dieser Frist blieben sie gegen den Willen der Eigentümerin auf dem Hofgut und beantragten am 6. Mai 2006 Direktzahlungen für das Jahr 2006. Das Landwirtschaftsamt lehnte die Ausrichtung ab, da X. und Y. weder Eigentümer noch Pächter seien. Der Regierungsrat hob diese Verfügung auf und stellte die Anspruchsberechtigung fest, worauf das Verwaltungsgericht und später das Bundesverwaltungsgericht die Sache unterschiedlich beurteilten. Das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement erhob Beschwerde ans Bundesgericht mit dem Antrag, den Anspruch auf Direktzahlungen für 2006 zu verneinen.

Das Bundesgericht hiess die Beschwerde des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements gut und verneinte den Anspruch auf Direktzahlungen für das Jahr 2006.

Die Beschwerdegegner verfügten am massgeblichen Stichtag vom 2. Mai 2006 über keinen gültigen zivilrechtlichen Rechtstitel zur Bewirtschaftung des Hofgutes A., da die gerichtliche Erstreckung des Pachtvertrags am 31. März 2006 endete und keine weitere Erstreckung beantragt wurde. Trotz Kenntnis seit über fünf Jahren, den Betrieb verlassen zu müssen, bewirtschafteten sie das Gut ohne Rechtsgrundlage weiter, bis sie es am 19. März 2007 räumten. Die aufschiebende Wirkung im Ausweisungsverfahren änderte nichts an der fehlenden rechtlichen Grundlage der Bewirtschaftung.

Gemäss Art. 70 Abs. 1 LwG setzt der Anspruch auf Direktzahlungen voraus, dass der Bewirtschafter einen Betrieb führt. Art. 6 Abs. 1 lit. c LBV verlangt dabei die rechtliche Selbständigkeit des Betriebs, was zwingend einen entsprechenden zivilrechtlichen Rechtstitel wie Eigentum oder eine gültige Pacht einschliesst. Wer über keine solche Berechtigung verfügt und jederzeit von einer zwangsweisen Ausweisung bedroht ist, erfüllt dieses Kriterium nicht. Zudem widerspräche die Ausrichtung von Direktzahlungen unabhängig von der Berechtigung der Rechtsordnung, der Eigentumsgarantie gemäss Art. 26 BV sowie Art. 1 Abs. 1 lit. a SuG, wonach Finanzhilfen hinreichend begründet sein müssen. Es kann nicht Sinn der Regelung sein, rechtswidriges Verhalten durch Subventionen zu fördern.

Regeste

Art. 70 LwG, Art. 1 SuG, Art. 2 und 7 DZV, Art. 2, 6 und 14 LBV; rechtliche Selbständigkeit eines landwirtschaftlichen Betriebes als Voraussetzung für den Anspruch auf Direktzahlungen. Voraussetzungen für den Bezug von landwirtschaftsrechtlichen Direktzahlungen (E. 2). Die Voraussetzung der rechtlichen Selbständigkeit eines Betriebes schliesst das Erfordernis eines zivilrechtlichen Rechtstitels (Eigentum oder gültige Pacht) zur Bewirtschaftung mit ein (E. 3). Sind die privatrechtlichen Verhältnisse rechtskräftig geklärt, kann nicht durch rechtswidriges Verhalten, hier Weiterbewirtschaftung trotz abgelaufenem Pachtverhältnis, erwirkt werden, dass weiterhin Direktzahlungen geleistet werden (E. 4). Regeste Art. 70 LAgr, art. 1 LSu, art. 2 et 7 OPD, art. 2, 6 et 14 OTerm; indépendance juridique d'une exploitation agricole comme condition pour le droit aux paiements directs. Conditions pour bénéficier des paiements directs du droit agricole (consid. 2). Pour qu'une entreprise agricole remplisse la condition de l'indépendance juridique, elle doit exercer son exploitation sur la base d'un titre civil (propriété ou bail valable; consid. 3). Lorsque les rapports de droit privé sont clairs du point de vue juridique, un comportement contraire au droit, soit la poursuite de l'exploitation malgré l'échéance du bail, entraîne la cessation des paiements directs (consid. 4). Regesto Art. 70 LAgr, art. 1 LSu, art. 2 e 7 OPD, art. 2, 6 e 14 OTerm; autonomia giuridica di un'azienda agricola quale requisito del diritto a pagamenti diretti. Condizioni per beneficiare dei pagamenti diretti del diritto agricolo (consid. 2). Il presupposto dell'autonomia giuridica di un'azienda include l'esigenza di un titolo giuridico di diritto civile (proprietà o affitto valido) che legittimi alla gestione (consid. 3). Se i rapporti di diritto privato sono stabiliti in modo giuridicamente vincolante, un comportamento contrario al diritto, in concreto la prosecuzione della gestione malgrado la scadenza del contratto d'affitto, non può consentire di continuare a percepire i pagamenti diretti (consid. 4).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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