Justizze.

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Justizze. Art. 50 BV

Bundesgericht

Zwangsfusion einer Kleinstgemeinde trotz fehlender Zustimmung: Verhältnismässigkeit bejaht, Anhörungsrecht gewahrt (Art. 50 Abs. 1 BV)

BGE / ATF / DTF
BGE 131 I 91 · ATF 131 I 91 · DTF 131 I 91
Datum
19.01.2005
Geschäftsnummer
BGE 131 I 91
Abteilung
CH_BGE_001
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 8 BV Art. 29 BV Art. 50 BV Art. 26 KV Art. 69 KV Art. 77 KV Art. 86 OG

Zusammenfassung

Die Munizipalgemeinde Ausserbinn erhebt staatsrechtliche Beschwerde gegen den Beschluss des Grossen Rates des Kantons Wallis, der den zwangsweisen Zusammenschluss der Gemeinden Ausserbinn, Ernen, Mühlebach und Steinhaus anordnet. Die beschwerdeführende Gemeinde hatte einem früheren Fusionsprojekt nicht zugestimmt, während die drei anderen Gemeinden zustimmten. Sie rügt die Verletzung der Gemeindeautonomie, insbesondere die Missachtung von Verfahrensrechten, das Fehlen gesetzlicher Voraussetzungen für eine Zwangsfusion sowie Verstösse gegen den Grundsatz der Verhältnismässigkeit und das Gleichheitsgebot. Der Grosse Rat stützte die Anordnung auf die Bestimmung, wonach eine Gemeinde zur Fusion gezwungen werden kann, wenn sie das Hindernis für eine bedeutende Fusion darstellt, der die angrenzenden Gemeinden bereits zugestimmt haben.

Das Bundesgericht weist die Beschwerde ab, soweit darauf eingetreten wurde. Es bestätigt, dass der Grosse Rat befugt ist, Zwangsfusionen anzuordnen, da die Gemeindeautonomie gemäss Art. 50 Abs. 1 BV und Art. 77 Abs. 2 KV keine absolute Bestandesgarantie bietet. Die Anwendung von Art. 135 lit. b GG wird als willkürfrei beurteilt; der Begriff "angrenzend" umfasst auch Gemeinden, die nur mit einer der zustimmenden Gemeinden eine gemeinsame Grenze haben, um territoriale Einheitlichkeit zu wahren. Bezüglich des Anspruchs auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV stellt das Gericht fest, dass die Gemeinde Ausserbinn mehrfach Gelegenheit erhielt, ihren Standpunkt darzulegen, etwa in Besprechungen am 24. Juni und 2. Juli 2004 sowie durch Eingaben im Juni und August 2004. Die Rüge der Unverhältnismässigkeit wird zurückgewiesen, da die Gemeinde Ausserbinn mit 41 Einwohnern als Kleinstgemeinde gilt und über 37 % ihrer Einnahmen aus dem Finanzausgleich bezieht, dessen Fortbestand unsicher ist. Der zwangsweise Anschluss erscheint angesichts bestehender Zusammenarbeit in Bereichen wie Forstwirtschaft und Feuerwehr sowie der finanziellen Risiken als geeignet und angemessen. Schliesslich liegt keine Verletzung von Art. 8 Abs. 1 BV vor, da sich die Situation der Gemeinde Ausserbinn sachlich von jener der nicht fusionierenden Gemeinde Binn unterscheidet, welche sich konsequent gegen alle Fusionspläne wehrte und geografisch anders positioniert ist.

Regeste

Gemeindeautonomie, Zwangsfusion von Gemeinden; Art. 50 Abs. 1 BV, Art. 77 Abs. 2 KV. Zulässigkeit der Autonomiebeschwerde gegen Beschluss über den zwangsweisen Zusammenschluss von Gemeinden (E. 1). Befugnis des Grossen Rates zur Anordnung von Zwangsfusionen (E. 2) und gesetzliche Voraussetzungen hierfür gemäss Gemeindegesetz (E. 3.2). Keine Verletzung des Anspruchs der betroffenen Gemeinde auf Anhörung (E. 3.1). Verhältnismässigkeit der Anordnung unter allgemeinen und finanziellen Gesichtspunkten (E. 3.3 und 3.4). Keine Verletzung des Gleichheitsgebotes (E. 3.4). Regeste Autonomie communale, fusion forcée entre communes; art. 50 al. 1 Cst., art. 77 al. 2 de la constitution cantonale. Recevabilité du recours pour violation de l'autonomie communale contre un décret imposant la réunion de plusieurs communes (consid. 1). Compétence du Grand Conseil pour ordonner une telle mesure (consid. 2), et conditions posées par la loi sur les communes (consid. 3.2). Pas de violation du droit d'être entendue de la commune concernée (consid. 3.1). Proportionnalité de la mesure, de manière générale et d'un point de vue financier (consid. 3.3 et 3.4). Pas de violation du principe d'égalité (consid. 3.4). Regesto Autonomia comunale, fusione coatta di comuni; art. 50 cpv. 1 Cost., art. 77 cpv. 2 della costituzione cantonale. Ammissibilità di un ricorso per violazione dell'autonomia comunale contro un decreto che statuisce la fusione coatta di comuni (consid. 1). Competenza del Gran Consiglio di ordinare fusioni coatte (consid. 2) e presupposti previsti dalla legge sui comuni (consid. 3.2). Nessuna violazione del diritto di essere sentito del comune interessato (consid. 3.1). Proporzionalità del provvedimento dal profilo generale e da quello finanziario (consid. 3.3 e 3.4). Nessuna violazione del principio dell'uguaglianza giuridica (consid. 3.4).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.