Englische Hotelgesellschaft darf bei Entsendung nach Wallis Unterkunfts- und Verpflegungskosten nicht vom Lohn abziehen (Art. 2 Abs. 3 EntsG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 147 II 375 · ATF 147 II 375 · DTF 147 II 375
- Datum
- 12.03.2021
- Geschäftsnummer
- BGE 147 II 375
- Abteilung
- CH_BGE_004
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Art. 2 ALCP Art. 1 EntsG Art. 2 EntsG Art. 3 EntsG Art. 2 FZA
Zusammenfassung
Eine englische Tochtergesellschaft einer Schweizer Holdinggesellschaft beschäftigt in Grossbritannien junge Mitarbeiter und entsendet sie kurzfristig in ihre schweizerischen Chalets und Hotels. Die Dienststelle für Industrie, Handel und Arbeit des Kantons Wallis lehnte Gesuche um Erteilung von Arbeitsbewilligungen ab, weil die Gesellschaft Kosten für Verpflegung, Unterkunft, Skiabonnement und Krankenkasse vom Lohn abgezogen hatte. Gegen die Ablehnung erhob die Gesellschaft mehrere Beschwerden, die vom Staatsrat und später vom Kantonsgericht des Kantons Wallis abgewiesen wurden. Vor dem Bundesgericht rügte sie, die unterschiedliche Behandlung gegenüber schweizerischen Arbeitgebern verstoße gegen das Diskriminierungsverbot und die Abzugsverbote seien nicht anwendbar auf Einsätze in eigenen Betriebsstätten.
Das Bundesgericht wies die Verwaltungsgerichtsbeschwerde der englischen Gesellschaft ab. Es stellte fest, dass das Abzugsverbot für Unterkunfts- und Verpflegungskosten gemäss Art. 2 Abs. 3 EntsG für alle Entsendekonstellationen gilt – unabhängig davon, ob die Arbeit in einer eigenen schweizerischen Betriebsstätte oder im Rahmen einer grenzüberschreitenden Dienstleistungserbringung erfolgt. Als Spezialnorm geht diese Regelung sowohl Art. 327a OR als auch Art. 13 L-GAV vor, soweit diese abweichende Vorgaben enthalten. Das Abzugsverbot ist zwar nicht absolut, doch sind Abzüge nur zulässig, wenn sie den gesetzlich garantierten Mindestlohn nicht verletzen und das ortsübliche Mass gemäss Art. 3 Satz 2 EntsG nicht überschreiten. Die Gesellschaft entsendet ihre Mitarbeiter aus England, wo diese ihren rechtlichen Wohnsitz behalten und sozialversichert sind; daher entstehen ihnen durch die Entsendung höhere Lebenshaltungskosten, die vom Arbeitgeber zu entschädigen sind. Die Auslegung von Art. 2 Abs. 3 EntsG steht im Einklang mit der Rechtsprechung des EuGH zu Art. 3 Abs. 7 Unterabs. 2 der Richtlinie 96/71/EG, sodass auch die Rüge einer Verletzung von Art. 2 FZA unbegründet ist. Die Beschwerde wurde abgewiesen.
Regeste
a Art. 2 Abs. 3 und Art. 3 Satz 2 EntsG; Voraussetzungen für den Abzug von Unterkunfts- und Verpflegungskosten vom Lohn im ortsüblichen Mass. Das Abzugsverbot von Unterkunfts- und Verpflegungskosten gemäss Art. 2 Abs. 3 EntsG gilt für alle Entsendekonstellationen. Als Spezialnorm geht diese Norm sowohl Art. 327a OR als auch Art. 13 des L-GAV vor, insofern diese davon abweichende Vorgaben enthalten. Das Abzugsverbot ist jedoch nicht absolut: Abzüge für Verpflegung und Unterkunft, welche den Mindestlohn nicht verletzen, sind grundsätzlich erlaubt, dürfen jedoch gemäss Art. 3 Satz 2 EntsG das ortsübliche Mass nicht überschreiten (E. 4.6) Regeste b Art. 2 FZA; Tragweite des Diskrimierungsverbots bei richtlinienkonformer Umsetzung. Die Auslegung von Art. 2 Abs. 3 EntsG erfolgt im Einklang mit der Rechtsprechung des EuGH zu Art. 3 Abs. 7 Unterabs. 2 der Richtlinie 96/71/EG. Der angefochtene Entscheid ist deshalb auch im Hinblick auf Art. 2 FZA nicht zu beanstanden. (E. 5.5) Regeste a Art. 2 al. 3 et art. 3, 2e phrase, LDét; conditions pour déduire du salaire les frais de logement et de nourriture conformément à l'usage local. L'interdiction de déduire les frais de logement et de nourriture selon l'art. 2 al. 3 LDét s'applique à toutes les constellations de détachement. En tant que loi spéciale, cette disposition prime tant l'art. 327a CO que l'art. 13 CCNT, si ces normes devaient contenir des dispositions qui s'en écartent. L'interdiction de la déduction n'est toutefois pas absolue: les déductions pour la nourriture et les frais de logement qui ne violent pas le salaire minimal sont en principe autorisées, mais ne doivent toutefois pas dépasser les montants locaux usuels selon l'art. 3, 2e phrase, LDét (consid. 4.6). Regeste b Art. 2 ALCP; portée de l'interdiction de la discrimination en cas de mise en oeuvre conforme à la directive. L'interprétation de l'art. 2 al. 3 LDét est conforme à la jurisprudence de la CJUE relative à l'art. 3 par. 7 sous-par. 2 de la Directive 96/71/CE. L'arrêt attaqué n'est par conséquent pas non plus contestable sous l'angle de l'art. 2 ALCP (consid. 5.5). Regesto a Art. 2 cpv. 3 e art. 3 seconda frase LDist; condizioni per la deduzione dal salario delle spese di vitto e alloggio secondo tariffe conformi all'uso locale. Il divieto di deduzione delle spese di vitto e alloggio giusta l'art. 2 cpv. 3 LDist vale per tutte le costellazioni di distaccamento. Quale norma speciale, esso ha preminenza sia sull'art. 327a CO che sull'art. 13 CCNL, nella misura in cui questi contengano disposizioni divergenti. Tuttavia, il divieto di deduzione non è assoluto: deduzioni per vitto e alloggio che non ledono il salario minimo sono di principio permesse; in base all'art. 3 seconda frase LDist non possono però superare le tariffe in uso a livello locale (consid. 4.6). Regesto b Art. 2 ALC; portata del divieto di discriminazione in caso di trasposizione consona alle direttive. L'interpretazione dell'art. 2 cpv. 3 LDist è conforme alla giurisprudenza della CGCE (oggi CGUE) relativa all'art. 3 paragrafo 7 sottoparagrafo 2 della direttiva 96/71/CE. La sentenza impugnata non è di conseguenza criticabile nemmeno nell'ottica dell'art. 2 ALC (consid. 5.5).
Originalentscheid beim Gericht ↗
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