Justizze.

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Justizze. Art. 360b OR

Bundesgericht

Tripartite Kommissionen erhalten Herausgabeanspruch statt blosses Einsichtsrecht bei Lohnkontrollen (Art. 360b Abs. 5 OR)

BGE / ATF / DTF
BGE 143 II 102 · ATF 143 II 102 · DTF 143 II 102
Datum
12.12.2016
Geschäftsnummer
BGE 143 II 102
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 8 BGSA Art. 7 EntsG Art. 16c EntsV Art. 360a OR Art. 360b OR

Zusammenfassung

Das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) focht ein Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich an, welches eine Verfügung des kantonalen Amtes für Wirtschaft und Arbeit (AWA) aufgehoben hatte. Das AWA hatte einer Baufirma (X. AG) befohlen, Kopien von Arbeitsverträgen, Lohnabrechnungen und Arbeitszeitrapporten eines portugiesischen Arbeitnehmers an die tripartite Kommission herauszugeben. Die Vorinstanz verneinte einen solchen Herausgabeanspruch und sah in Art. 360b Abs. 5 OR lediglich ein Recht auf Einsichtnahme vor Ort.

Das Bundesgericht hiess die Beschwerde des WBF gut und stellte fest, dass den tripartiten Kommissionen gestützt auf Art. 360b Abs. 5 OR nicht nur ein Einsichtsrecht, sondern auch ein Anspruch auf Herausgabe der erforderlichen Dokumente zusteht. Die Auslegung ergab dies unter Berücksichtigung der Entstehungsgeschichte, der systematischen Einordnung sowie des Entsendegesetzes (Art. 7 Abs. 2 EntsG). Der Wortlaut allein war nicht eindeutig genug, um den Herausgabeanspruch auszuschliessen.

Die Botschaften zum Freizügigkeitsabkommen und zur Revision der flankierenden Massnahmen zeigten deutlich, dass die Kommissionen Informationen beschaffen müssen können, um ihre Aufgabe der Arbeitsmarktbeobachtung wirksam zu erfüllen. Auch die systematische Nähe zum Entsendegesetz, das ausdrücklich die Zustellung aller Dokumente verlangt, spricht gegen eine Beschränkung auf die Einsichtnahme. Die Ausführungsverordnung zum Entsendegesetz (Art. 16c EntsV) definiert die Inspektorentätigkeit zudem so, dass sie die Einforderung und Nachbearbeitung von Dokumenten umfasst.

Schliesslich stützte das Gericht seine Interpretation auf die Analogie zum Bundesgesetz über Massnahmen zur Bekämpfung der Schwarzarbeit (BGSA), wo Art. 8 BGSA eine klare Pflicht zur Herausgabe von Unterlagen normiert. Da die Kontrollen im Kanton Zürich teilweise durch dieselben Organe durchgeführt werden, wäre es widersprüchlich, unterschiedliche Befugnisse anzunehmen. Die Verfügung des AWA war daher rechtmässig, und die X. AG wurde zur Edition der geforderten Lohn- und Arbeitszeitdokumente verpflichtet.

Regeste

Art. 360a und 360b OR; Art. 1 und 7 EntsG; Art. 11 und 16c EntsV; Personenfreizügigkeit, flankierende Massnahmen gegen Lohndumping, Auskunftsrecht der tripartiten Kommissionen. Rechtliche Grundlagen und Zweck der so genannten flankierenden Massnahmen (E. 2.1 und 2.2); Funktion und Aufgaben der tripartiten Kommissionen, insbesondere Recht auf Auskunft und Einsichtnahme in Dokumente gemäss Art. 360b Abs. 5 OR (E. 2.3 und 2.4). Werden die Entstehungsgeschichte, die systematische Einordnung der Norm und die entsprechende Bestimmung von Art. 7 Abs. 2 EntsG miteinbezogen, führt die Auslegung von Art. 360b Abs. 5 OR zum Ergebnis, dass eine Verpflichtung der kontrollierten Unternehmen besteht, den tripartiten Kommissionen alle notwendigen Unterlagen, die für die Durchführung der Untersuchung notwendig sind, herauszugeben bzw. zuzustellen (E. 3). Regeste Art. 360a et 360b CO; art. 1 et 7 LDét; art. 11 et 16c Odét; libre circulation des personnes, mesures d'accompagnement contre le dumping salarial, droit de renseignement des commissions tripartites. Bases légales et but des mesures d'accompagnement (consid. 2.1 et 2.2); fonction et tâches des commissions tripartites, en particulier le droit d'obtenir des renseignements et de consulter des documents conformément à l'art. 360b al. 5 CO (consid. 2.3 et 2.4). Il ressort tant des travaux préparatoires, de la systématique de la loi que de la règle spécifique prévue à l'art. 7 al. 2 LDét que l'art. 360b al. 5 CO doit être interprété en ce sens que l'entreprise contrôlée est tenue de mettre à disposition, respectivement transmettre aux commissions tripartites tous les documents nécessaires à l'exécution de l'enquête (consid. 3). Regesto Art. 360a e 360b CO; art. 1 e 7 LDist; art. 11 e 16c ODist; libera circolazione delle persone, misure di accompagnamento contro il dumping salariale, diritto di informazione delle commissioni tripartite. Basi legali e scopo delle cosiddette misure di accompagnamento (consid. 2.1 e 2.2); funzione e compiti delle commissioni tripartite; in particolare, diritto di ottenere informazioni e di consultare documenti giusta l'art. 360b cpv. 5 CO (consid. 2.3 e 2.4). Considerati anche i lavori preparatori, l'ordinamento sistematico della norma e il corrispettivo art. 7 LDist, l'interpretazione dell'art. 360b cpv. 5 CO porta a concludere che l'azienda controllata ha l'obbligo di mettere a disposizione delle commissioni tripartite rispettivamente di trasmettere alle stesse tutti i documenti necessari all'esecuzione dell'inchiesta (consid. 3).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.