Kürzung der Altersrente bei vorzeitiger Pensionierung: Übergangsgeneration behält alte Berechnungsregeln (Art. 25 PUBLICA-Gesetz)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 139 V 230 · ATF 139 V 230 · DTF 139 V 230
- Datum
- 05.04.2013
- Geschäftsnummer
- 9C_690/2012
- Abteilung
- II. sozialrechtliche Abteilung
- Ausgang
- Rückweisung
Tragende Normen
Zusammenfassung
Ein 1950 geborener Versicherter der Pensionskasse des Bundes (PUBLICA), der zur sogenannten Übergangsgeneration gehört, meldete sich im September 2010 zur Teilpensionierung per 1. Januar 2011 an. Es entstand Streit über die Höhe der Kürzung seiner Altersrente aufgrund dieser freiwilligen vorzeitigen Pensionierung vor Vollendung des 62. Altersjahres. Der Versicherte forderte eine jährliche Rente von Fr. 16'432.15, während die Kasse einen niedrigeren Betrag festlegte. Das kantonale Gericht wies die Klage ab, woraufhin der Versicherte Beschwerde beim Bundesgericht erhob.
Das Bundesgericht heisst die Beschwerde gut und weist die Sache zur neuen Beurteilung der Rentenhöhe an die Vorinstanz zurück. Im Zentrum steht die Auslegung von Art. 25 PUBLICA-Gesetz, der die Besitzstandsgarantie für die Übergangsgeneration regelt. Der Beschwerdeführer war zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Gesetzes am 1. Juli 2008 bereits 57 Jahre alt und fiel somit unter diese Bestimmung.
Das Gericht stellt fest, dass die gesetzlich vorgesehene "versicherungsmathematische" Kürzung bei vorzeitiger Pensionierung gemäss Satz 2 von Art. 25 PUBLICA-Gesetz nicht zwingend nach neuem Recht (Beitragsprimat) berechnet werden muss. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz und der Beschwerdegegnerin fehlt es nicht an einer Kürzungsmöglichkeit im alten Recht. Vielmehr spricht die Intention des Gesetzgebers, wie sie in der Botschaft (BBl 2005 5879) zum Ausdruck kommt, klar für die Anwendbarkeit des alten Rechts. Der Bundesrat wollte, dass die 55- bis 65-Jährigen noch von den "günstigeren Modalitäten des vorzeitigen Altersrücktritts" Gebrauch machen können.
Daher sind die Kürzungsmodalitäten nach den bis 30. Juni 2008 gültig gewesenen Normen zu bestimmen, insbesondere nach Art. 33 Abs. 4 PKBV 1, der eine lineare Kürzung von 0,2 % pro Monat vor Alter 62 vorsah. Der Begriff "versicherungsmathematisch" schliesst diese lineare Methode nicht aus. Da die garantierte Altersrente selbst nach altem Recht berechnet wird, wäre es systemwidrig, die Kürzung nach neuem Recht vorzunehmen. Die Frage, ob das neue Vorsorgereglement VR-ETH 1 eine Kürzungsmöglichkeit enthält, ist irrelevant, da dieses Reglement auf die Übergangsgeneration keine Anwendung findet.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- und die Parteientschädigung von Fr. 2'800.- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt.
Regeste
Art. 25 PUBLICA-Gesetz; Kürzung der Altersleistungen bei vorzeitiger Pensionierung vor vollendetem 62. Altersjahr. Der Wortlaut von Art. 25 PUBLICA-Gesetz lässt nicht darauf schliessen, die bei vorzeitiger Pensionierung vor dem vollendeten 62. Altersjahr vorzunehmende Kürzung unterliege der (statischen) Besitzstandsgarantie von 95 % der nach bisherigem Recht im Alter 62 erreichbaren Altersrente. Für den begrenzten Zeitraum zwischen dem 60. und dem 62. Altersjahr können die Altersleistungen auch weniger als 95 % der bisherigen Leistungen im Alter 62 betragen (E. 5.1). In Anlehnung an die bisherige Rechtsprechung und in Fortsetzung derselben sind nicht nur der versicherte Verdienst und die der Übergangsgeneration garantierte Altersrente nach altem Recht zu bestimmen, sondern es sind auch auf die Kürzungsmodalitäten die bis 30. Juni 2008 gültig gewesenen Normen anzuwenden (E. 5.3). Regeste Art. 25 de la loi relative à PUBLICA; réduction de la rente de vieillesse en cas de retraite anticipée avant l'âge de 62 ans. Il ne découle pas du texte de l'art. 25 de la loi relative à PUBLICA que la réduction de la rente de vieillesse à laquelle il y a lieu de procéder en cas de retraite anticipée avant l'âge de 62 ans serait soumise à la garantie (statique) des acquis représentant 95 % de la rente de vieillesse perçue à 62 ans en vertu de l'ancien droit. Entre 60 et 62 ans, la rente de vieillesse peut également s'élever à moins de 95 % de la rente de vieillesse perçue à 62 ans (consid. 5.1). Conformément à la jurisprudence antérieure et dans la continuité de celle-ci, il y a non seulement lieu de déterminer le gain assuré et la rente de vieillesse garantie à la génération transitoire d'après l'ancien droit, mais il convient également d'appliquer les dispositions en vigueur jusqu'au 30 juin 2008 aux modalités de réduction (consid. 5.3). Regesto Art. 25 della legge su PUBLICA; riduzione delle prestazioni di vecchiaia nel caso di pensionamento anticipato prima del compimento del 62° anno di età. Dal testo dell'art. 25 della legge su PUBLICA non si può dedurre che la riduzione applicabile nel caso di pensionamento anticipato prima del compimento del 62° anno di età soggiaccia alla garanzia (statica) dei diritti acquisiti del 95 % della rendita di vecchiaia conseguibile all'età di 62 anni secondo il diritto previgente. Per il periodo limitato tra il 60° e il 62° anno di età le prestazioni di vecchiaia possono essere anche inferiori al 95 % delle prestazioni precedenti erogate all'età di 62 anni (consid. 5.1). Attenendosi e sviluppando la giurisprudenza finora vigente, non soltanto il guadagno assicurato e la rendita di vecchiaia garantita alla generazione transitoria devono determinarsi secondo il vecchio diritto, ma anche alle modalità di riduzione devono applicarsi le norme valide fino al 30 giugno 2008 (consid. 5.3).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.