Spielbankenabgabe bei Checkbetrug und Automatenmanipulation: Abzug nur bei Einhaltung der Sorgfaltspflichten (Art. 106 Abs. 3 BV, Art. 40 SBG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 136 II 149 · ATF 136 II 149 · DTF 136 II 149
- Datum
- 01.10.2009
- Geschäftsnummer
- BGE 136 II 149
- Abteilung
- CH_BGE_004
- Ausgang
- Rückweisung
Tragende Normen
Art. 106 BV Art. 3 LCG Art. 40 LCG Art. 41 LCG Art. 3 SBG Art. 27 SBG Art. 28 SBG Art. 40 SBG
Zusammenfassung
Die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) setzte die Spielbankenabgabe für eine Casino-Betreiberin fest und lehnte deren Gesuch ab, den Bruttospielertrag um Beträge aus einem Checkbetrug und einer Manipulation an Geldspielautomaten zu reduzieren. Ein französischer Spieler hatte gefälschte Bankchecks eingelöst und damit gespielt, während Täter später mittels eines elektronischen Geräts Credits an Automaten erschlichen. Das Bundesverwaltungsgericht wies die Sache zur neuen Beurteilung zurück, da es keinen realen vermögensrechtlichen Einsatz sah. Die ESBK erhob Beschwerde ans Bundesgericht gegen diesen Entscheid.
Das Bundesgericht heisst die Beschwerde der Eidgenössischen Spielbankenkommission teilweise gut und weist die Sache zur Neuveranlagung der Spielbankenabgabe 2007 zurück.
Hinsichtlich des Checkbetrugs bestätigt das Gericht die Verfügung der ESBK, da die Casino-Betreiberin ihre aufsichtsrechtlichen Sorgfaltspflichten verletzt hat. Sie nahm drei gefälschte Bankchecks über je EUR 400'000.- an, obwohl im Quality-Management-Handbuch keine Weisungen zur Checkannahme bestanden und die Leiterin Buchhaltung die Papiere nicht selbst geprüft hatte. Da die internen Abläufe ungenügend geregelt waren und alternative Abklärungen unterblieben, ist der Bruttospielertrag gemäss Art. 106 Abs. 3 BV sowie Art. 40 und 41 Abs. 1 SBG so zu berechnen, wie wenn das Spiel und der Geldeintausch rechtens erfolgt wären. Der Staat muss sich nicht an einem rechtswidrigen Handeln bereichern lassen, wenn der Konzessionär seine Sorgfaltspflichten nach Art. 3, 27 und 28 Abs. 2 SBG vernachlässigt hat.
Bezüglich der Automatenmanipulation hingegen gibt das Gericht der Beschwerdegegnerin Recht. Es liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass die Betreiberin ihre aufsichtsrechtlichen Pflichten verletzt hat; sie durfte sich auf die Konformitätserklärung der Geräte verlassen. Gemäss Art. 77 und 78 VSBG muss sich der Bund als Konzedent das Risiko rechtswidrigen Handelns Dritter anrechnen lassen, wenn der Betreiber alle Vorgaben eingehalten hat und den Geldwert nicht anderweitig erhältlich machen kann. Normale apparateinhärente Risiken gehen dagegen zulasten des Konzessionärs.
Die Entscheidung ist bemerkenswert, weil sie klarstellt, dass die Spielbankenabgabe als Wirtschaftsverkehrssteuer primär den Spielvorgang erfasst, die Berücksichtigung illegaler Einsätze jedoch davon abhängt, ob der Betreiber seine konzessionsrechtlichen Sorgfaltspflichten erfüllt hat.
Regeste
Art. 106 Abs. 3 BV; Art. 3, 27, 28 Abs. 2, Art. 40 und 41 Abs. 1 SBG; Art. 77 und 78 VSBG; Art. 32 GSV; Berechnung der Spielbankenabgabe bei Checkbetrug und Automatenmanipulation. Rechtsgrundlagen der Spielbankenabgabe (E. 2). Verletzt die Betreiberin eines Casinos aufsichtsrechtliche Sorgfaltspflichten im Umgang mit Checks, ist ihr Bruttospielertrag zu berechnen, wie wenn das Spiel und der Geldeintausch rechtens erfolgt wären (E. 3-6). Der Bund muss sich als Konzedent das mit dem unmittelbaren Spielbetrieb an Apparaten verbundene Risiko rechtswidrigen Handelns Dritter abgaberechtlich anrechnen lassen, falls der Spielbankenbetreiber seinen aufsichtsrechtlichen Vorgaben nachgekommen ist und er den Geldwert der entsprechenden Einsätze nachträglich nicht anderweitig erhältlich machen kann; "normale" apparateinhärente Risiken gehen zulasten des Konzessionärs (E. 7). Regeste Art. 106 al. 3 Cst.; art. 3, 27, 28 al. 2, art. 40 et 41 al. 1 LMJ; art. 77 et 78 OLMJ; art. 32 OJH; calcul de l'impôt sur les maisons de jeu en cas d'escroquerie au chèque et de manipulation d'appareils à sous. Bases légales de l'impôt sur les maisons de jeu (consid. 2). L'exploitant d'un casino qui viole son devoir légal de diligence en matière de chèque reste imposable sur le produit brut des jeux comme si le jeu et l'échange d'argent avaient eu lieu dans les règles (consid. 3-6). Sur le plan fiscal, la Confédération doit, en tant que concédant, se laisser imputer le risque de comportement illicite de tiers directement lié à l'exploitation d'appareils lorsque l'exploitant de la maison de jeu a respecté ses obligations de surveillance et que la valeur en monnaie des mises de jeu ne peut plus être récupérée d'une autre manière; les risques "normaux" que comporte l'exploitation d'appareils à sous sont supportés par le concessionnaire (consid. 7). Regesto Art. 106 cpv. 3 Cost.; art. 3, 27, 28 cpv. 2, art. 40 e 41 cpv. 1 LCG; art. 77 e 78 OCG; art. 32 OGAz; calcolo della tassa sulle case da gioco in caso di truffa con assegni e manipolazione degli apparecchi automatici. Basi legali della tassa sulle case da gioco (consid. 2). Se il gestore di un casinò viola i suoi doveri di diligenza in materia di vigilanza sugli assegni, il prodotto lordo dei giochi viene calcolato come se il gioco e il cambio di denaro avessero avuto luogo a regola d'arte (consid. 3-6). Quando il gestore della casa da gioco ha rispettato i suoi doveri di vigilanza e il valore delle poste corrispondenti non può più essere recuperato in un altro modo, la Confederazione, quale concedente, deve lasciarsi addebitare dal profilo fiscale il rischio del comportamento illecito di terzi direttamente legato all'esercizio degli apparecchi; i rischi "normali" inerenti all'esercizio degli apparecchi sono sopportati dal concessionario (consid. 7).
Originalentscheid beim Gericht ↗
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